Berlin — Mehr als siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind in einer privaten Sammlung Dokumente aufgetaucht, die das offizielle Bild der letzten Tage des NS-Regimes in wesentlichen Punkten ergänzen und teilweise korrigieren. Es handelt sich um Briefe, Telegramme und unterschriebene Befehle aus dem Führerbunker, die der französische Kommandant Raymond Rose bereits am 25. November 1945 bei einer Erkundung der zerstörten Reichskanzlei entdeckt hatte und die jahrzehntelang unbeachtet in Privatbesitz lagerten.

Die Papiere, die nach Angaben der Auswertung nun erstmals vollständig öffentlich zugänglich gemacht wurden, stammen aus einem Schrank in den unterirdischen Ebenen des Bunkers. Rose hatte seinerzeit um Erlaubnis gebeten, die Dokumente behalten zu dürfen; die Genehmigung wurde erteilt. Erst Jahrzehnte später gelangten die Akten an einen französischen Sammler, der ihre historische Tragweite erkannte.
Unter den Fundstücken befinden sich die letzten beiden Briefe von Eva Braun. Der erste, datiert auf den 19. April 1945, ist an ihre Freundin Herta Schneider gerichtet und beschreibt den Alltag im Bunker zwischen Artilleriebeschuss und erzwungener Normalität.
Braun berichtet darin, sie und die Sekretärinnen hätten täglich mit Pistolen geübt, und erklärt, sie sei froh, in diesen entscheidenden Momenten in Hitlers Nähe gewesen zu sein.
Der zweite Brief vom 22. April 1945 trägt den Charakter eines Abschiedsbriefs. Braun schreibt, dies würden wohl ihre letzten Zeilen und ihr letztes Lebenszeichen sein.
Sie erklärt darin, sie und Hitler hätten beschlossen, Selbstmord zu begehen — zu einem Zeitpunkt, an dem Hitler diese Entscheidung seinem Umfeld noch nicht öffentlich mitgeteilt hatte. Dem Schreiben beigefügt waren Anweisungen zur Verteilung ihres Schmucks sowie ein detailliertes Testament.
Von besonderer Bedeutung ist ein Konvolut von dreizehn Originaldokumenten, das den letzten Machtkampf zwischen Hitler und Hermann Göring rekonstruierbar macht. Am 23. April 1945 um 17:43 Uhr sandte Göring ein Telegramm an Hitler, in dem er anfragte, ob er gemäß den Nachfolgedekreten von 1939 und 1941 die Führung des Reiches übernehmen solle.
In einer zweiten Nachricht drohte er an, Schweigen bis 22 Uhr als Zeichen der Regierungsunfähigkeit Hitlers zu deuten.

Hitler, der sich zu diesem Zeitpunkt in Begleitung von Joseph Goebbels und Martin Bormann befand, interpretierte die Nachricht als Hochverrat. Bormann hatte das Telegramm entsprechend aufbereitet. Hitler antwortete mit einer unmissverständlichen Botschaft: Das Nachfolgedekret habe nur Gültigkeit, wenn er es selbst ratifiziere, und er verbot Göring ausdrücklich jede politische oder militärische Initiative.
Am 24. April um 0:56 Uhr wies Göring in einem ausführlichen Telegramm jegliche illoyale Absicht zurück und bat inständig, keinen Haftbefehl gegen ihn zu erlassen. Hitler diktierte Stunden später eine weitere Nachricht, in der er Göring des Verrats an der nationalen Sache beschuldigte und ihm anbot, von allen Ämtern zurückzutreten und eine schwere Krankheit vorzutäuschen.
Göring nahm an und legte innerhalb weniger Minuten aus gesundheitlichen Gründen alle Ämter nieder.
Nach Einschätzung der Historiker, die die Dokumente ausgewertet haben, besiegelte dieser Vorgang den endgültigen Aufstieg Martin Bormanns. Ohne Hitler zu informieren, soll Bormann über seine eigene Kommunikationszentrale im Bunker den Befehl erteilt haben, Göring nach dem Fall Berlins hinzurichten. Dieser Befehl wurde nie ausgeführt; der damit beauftragte SS-Major ignorierte ihn nach der Einnahme der Stadt.
Am 25. April diktierte Hitler eine letzte Botschaft gegen Göring, in der er ihm Illoyalität gegenüber dem deutschen Volk, dem Führer und dem Staat vorwarf und seinen sofortigen Ausschluss aus der NSDAP anordnete. Das Dokument trägt Hitlers persönliche Unterschrift.
Am selben Tag befahl Hitler die vollständige Vernichtung seiner privaten Archive. Sein Adjutant Julius Schaub wurde aus dem Bunker entsandt, um die in München und Berchtesgaden aufbewahrten Unterlagen zu vernichten. Ein Teil dieser Dokumente ist für immer verloren; einige haben im Chaos der letzten Tage überlebt.
Die Akten dokumentieren zudem Hitlers militärische Illusionen in den letzten Tagen. In aufgezeichneten Gesprächen mit Goebbels hielt er an der Vorstellung fest, ein Sieg in Berlin sei noch möglich — kein strategischer, sondern ein moralischer Sieg. Er glaubte, ein symbolischer Erfolg könne Zeit gewinnen und der Welt beweisen, dass das Reich noch widerstandsfähig sei.
Die zwölfte Armee unter General Walter Wenck, auf deren Durchbruch nach Berlin er bis zuletzt hoffte, wurde bei Potsdam zurückgeschlagen und erreichte die Hauptstadt nie.
Am 29. April 1945 um ein Uhr heiratete Hitler Eva Braun. Als Zeugen fungierten Joseph Goebbels, Martin Bormann und ein Standesbeamter.
In einer schriftlichen Aufzeichnung erklärte Hitler, die Zeremonie sei auf ausdrücklichen Wunsch Eva Brauns abgehalten worden. Die Heirat wird in der Auswertung als stilles Eingeständnis der Niederlage gedeutet: Hitler hatte jahrelang verkündet, seine einzige Ehefrau sei Deutschland.
Am 30. April 1945, nachdem er die Vergiftung seines Hundes Blondie befohlen hatte, verabschiedete sich Hitler von seinen Mitarbeitern. Kurz nach 15 Uhr zogen sich Hitler und Eva Braun in ihre Zimmer zurück und beendeten ihr Leben.
Die Leichen wurden in den Garten der Reichskanzlei gebracht und nahe einem Bunkerausgang verbrannt.
Die sowjetische Spionageabwehr fand später die verkohlten Überreste und identifizierte sie anhand von Hitlers Zahnarztunterlagen, insbesondere einer auffälligen goldenen Zahnbrücke. Josef Stalin jedoch entschied sich bewusst, die Identifizierung nicht öffentlich zu bestätigen. Als Marschall Georgi Schukow nach der Eroberung des Reichstags vor die internationale Presse trat, erklärte er, man habe Hitlers Leiche nicht identifiziert; er könnte im letzten Moment aus Berlin geflohen sein.

Diese Aussage war nach Einschätzung der Forscher militärisch und logistisch haltlos. Stalin habe gewusst, dass Hitler nicht entkommen war, die Version aber bewusst verbreiten lassen. Der Zweifel wurde zur Propagandawaffe im beginnenden Kalten Krieg und bildete den Ausgangspunkt für jahrzehntelange Spekulationen über angebliche Sichtungen in Lateinamerika.
Der Führerbunker selbst wurde nach dem Krieg von den sowjetischen Behörden teilweise zerstört, gesprengt oder versiegelt. Die ehemaligen Gärten der Reichskanzlei wurden mit ostdeutschen Wohnhäusern und einem Parkplatz überbaut. Es gab jahrzehntelang kein Schild, kein Denkmal und keine Gedenktafel.
Erst siebzig Jahre später installierte ein Berliner Geschichtsverein unauffällige Informationstafeln, die sachlich erklären, was an diesem Ort geschehen war.
Die nun ausgewerteten Dokumente, so das Fazit der beteiligten Forscher, schreiben die Geschichte nicht um, sondern vervollständigen sie. Sie erlaubten einen genaueren Blick auf den psychologischen Zusammenbruch Adolf Hitlers, auf die inneren Kämpfe eines zerfallenden Regimes und auf die letzten Mechanismen einer Macht, die sich am Ende selbst verzehrte. Es sei kein wirkliches Geheimnis um Hitlers Schicksal geblieben, sondern der Zweifel sei politisch instrumentalisiert worden.
Die Echtheit der Dokumente wurde nach Angaben der Auswerter anhand von Schriftvergleichen, Papieranalysen und Abgleich mit bekannten Archivalien überprüft. Die Papiere befinden sich weiterhin in Privatbesitz, sollen aber der Forschung zugänglich gemacht werden. Fachleute betonen, dass die Funde keine Verschwörungstheorien stützen, sondern im Gegenteil jeden Versuch widerlegen, ein künstliches Geheimnis um die letzten Tage des Dritten Reiches zu konstruieren.