Der Regen hatte endlich aufgehört, aber die Straßen waren noch nass und rutschig, als Nova und ich über die Brooklyn Bridge liefen. Wir waren schon oft hier gewesen, aber dieses Mal war etwas…

Der Regen hatte endlich aufgehört, aber die Straßen waren noch nass und rutschig, als Nova und ich über die Brooklyn Bridge liefen. Wir waren schon oft hier gewesen, aber dieses Mal war etwas...

Der Regen hatte endlich nachgelassen, aber die Straßen waren immer noch nass und die Fassaden glänzten schmutzig im trüben Licht. Wir schlenderten die Straße entlang, und irgendwo zwischen den hohen Gebäuden, die uns wie dunkle Klippen umgaben, kam mir der Gedanke, dass die Straßen hier wirklich schlecht waren. Nicht nur ein kleines bisschen holprig, nein, richtig übel. Als wir nämlich hergefahren waren, hatte unser Auto gefühlt keine Stoßdämpfer mehr gehabt.

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Es hatte einen richtigen Schlag nach dem anderen gegeben, bei jedem verdammten Schlagloch. Ich hatte erst gar nicht wirklich darüber nachgedacht, aber irgendwann kam mir der Gedanke, wie wichtig so ein Stoßdämpfer eigentlich ist. Man merkt es halt erst, wenn es wehtut. Der Himmel hing voller grauer Wolken, und ich hasste diesen leichten Nieselregen, der einem sofort in den Kragen kriecht.

Immer wenn ich hier in der Stadt bin und es regnet, bekomme ich so eine Unruhe, so ein Raster. Jedes Mal. Letztes Jahr hatte es einmal kurz aufgehört, aber dann fing es doch wieder an. Wir haben nur gelacht und uns gefragt, ob wir verflucht sind.

Nova schuldete mir noch Geld, aber ich ließ es gut sein, sie war schon lange eine Freundin. Sie lachte und bedankte sich für das Kompliment, das ich ihr vorhin gemacht hatte. Ich hatte gesagt, dass der Film, den wir gestern gesehen hatten, richtig gut war. Bis auf diesen einen Vorfall mit dem Coach, das war meine erste Vorführung überhaupt gewesen.

Ich hatte sogar dieses Jahr zum ersten Mal so etwas wie einen Meet-and-Greet-Tisch organisiert, weil ich gerade auf der Convention war, und ich hatte höllische Angst, dass niemand kommen würde. Das hatte ich ehrlich gesagt jedes Jahr. Ich fragte Nova, wie sie sich eigentlich so fühlte, wenn sie so ein Community-Treffen machte, aber sie meinte, sie hätte letztes Jahr keine Zeit gehabt, weil sie mit ihrer Gruppe so eingespannt war. Ich hatte sogar ein paar Visitenkarten dabei, aber die waren nicht mehr aktuell.

Mist, ich müsste mir mal neue machen lassen. Nova meinte, ich solle doch ein richtig dickes Bild draufpacken, vielleicht etwas von den coolen Fotos, die ich hier gemacht hatte. Gute Idee, sagte ich, vielleicht mache ich das mal dicker. Wir standen an einer belebten Ecke, mitten in Chinatown, wie wir feststellten.

Hier war wirklich alles chinesisch, jedes Schild, jedes Fenster. Ich entdeckte diese seltsamen Außentreppen an den Hauswänden, die fand ich immer wieder lustig, das waren wohl die Fluchtwege. Neben uns war eine kleine Pizzabude, und der Geruch von frisch gebackenem Teig und Käse wehte herüber. Die Pancakes, die sie dort anboten, sahen so unfassbar saftig aus, dass ich mir wirklich überlegte, mich anzustellen, auch wenn ich normalerweise nie eine Stunde warten würde.

Aber wenn das Essen so geil aussieht und man keinen Zeitdruck hat, dann würde ich es schon machen, vor allem, wenn man sich daneben noch so viel anderes angucken kann. Ich deutete auf die beiden Brücken, die sich vor uns über den Fluss spannten. Das ist die Manhattan Bridge, sagte ich. Und da hinten, die Brooklyn Bridge, die wir noch vor uns haben.

Wir müssen da geradeaus lang. Mir wurde langsam kalt, und ich überlegte, ob ich mir einen Kaffee holen sollte. Vielleicht einen Puff, etwas Warmes. Wir sollten uns beeilen, denn ich wollte unbedingt noch zu dieser einen Stelle, von der aus man die Brooklyn Bridge so schön sehen konnte.

Ich erinnerte mich, dass es dort auch eine Szene aus Sex and the City gegeben hatte, wo sich Miranda und dieser Typ auf halbem Wege getroffen hatten. Eine Party auf der einen Seite, ein Boot auf der anderen, und in der Mitte hatten sie sich versöhnt. Das war eigentlich ganz süß. Oh Gott, hoffentlich brauchen wir keine Reservierung.

Die Frau an dem Stand da vorne schaut nach etwas. Ich hatte gestern nur Donuts und Pizza gegessen, keine richtige Mahlzeit. Kein Wunder, dass ich so Hunger hatte. Die Pancakes von gestern waren übrigens wirklich krass gut gewesen, zu süß, aber einfach perfekt.

Wir hatten gestern auch gar nicht so viel gegessen, das musste ich jetzt nachholen. Wir liefen weiter, vorbei an einem Schild, das auf Brooklyn zeigte. Da vorne ist zum Notfall ein Starbucks an der Ecke, meinte Nova. Perfekt, da könnte ich mir etwas holen, antwortete ich, während meine Finger langsam taub wurden.

Ein Blick auf die Brooklyn Bridge vor uns, sie ragte majestätisch in den grauen Himmel hinein. Es war trotz der Kälte ein beeindruckender Anblick. Ich meine, ich war schon oft hier gewesen, aber diese Brücke, die hat einfach was. Die ganzen Stahlseile, die sich durch die Luft spannen, und die Aussicht auf die Stadt, das war immer wieder ein Erlebnis.

Wir überquerten die Straße und kamen zu einer Art Gehweg, der nach oben führte. Die Stufen waren nass und rutschig, ich musste aufpassen, wohin ich trat. Neben mir ging eine Gruppe von Leuten mit einer Kamera, sie lachten und machten Fotos. Wir schlenderten an ihnen vorbei.

Endlich auf der Brücke angekommen, blieb ich stehen und drehte mich um. Der Blick auf Manhattan war atemberaubend. Die Wolkenkratzer ragten in den Himmel, ein paar von ihnen waren im Nebel nur noch schemenhaft zu erkennen. Darunter funkelten die Lichter des kleinen Hafens.

Unter uns rauschte das Wasser des East River. Man konnte bis runter auf das Wasser sehen, und die kleinen Fähren, die wie Käfer über die Wellen tuckerten. Hier oben war es nochmal ein paar Grad kälter, und ich zog meine Jacke enger um mich. Ich hatte zum Glück etwas Warmes angezogen, Jacke, Kapuze, das war das einzige, was man bei so einem Wetter machen konnte.

Nova hatte nicht mal eine Mütze auf, sie zitterte sichtlich. Gleich kommt die Sonne raus, sagte ich, aufmunternd. Ja, hoffentlich bleibt sie mal draußen, nuschelte sie zurück. Ich schaute über das Geländer.

Die Stadt lag da, riesig und unendlich. Ich konnte mich stundenlang hinstellen und einfach nur zuschauen, wie das Leben da unten vorbeizog. In diesem Moment, da oben auf der Brücke, mit dem kalten Wind im Gesicht und der gesamten Stadt vor mir, fühlte es sich ein bisschen so an, als würde man in einem Film mitspielen. Einfach nur atemberaubend.

Nova deutete nach rechts. Da unten, diese Pizzabude, rufst du dich an. Ich sah hinunter, wo ein paar Leute vor einem Imbiss mit einem riesigen Ofenfenster standen. Die Pizza dort roch wirklich unglaublich.

Man konnte die Kruste sehen, die langsam im Holzofen aufging, und der Belag, der darauf vor sich hin brutzelte. Das sah nicht aus wie normale Fast-Food-Pizza. Das war ein Kunstwerk. Vielleicht sollte ich mir später doch noch eine Scheibe holen, ein Stück weit war es nicht.

Ich konnte mir ja noch etwas holen, um mich aufzuwärmen. Von hier aus sahen die Autos auf der Brücke aus wie kleine Spielzeuge. Ein paar Fahrradfahrer sausten an uns vorbei, sie hatten es eilig. Wir standen da, auf halber Strecke über der Brücke, und genossen die Aussicht.

Die Kälte war hier oben wirklich beißend. Ich meinte es ernst: Ich glaube, ich hole mir gleich etwas Heißes zu trinken. Lass uns erstmal das Treppenende suchen, wir können uns dann vorstellen, etwas Langsames zu machen. Wir sind hier eigentlich auf der anderen Seite.

Ah, stimmt, da drüben ist auch noch eine Terrasse. Ja, da steht was. Wir liefen weiter, bis wir auf der anderen Seite der Brücke ankamen. Hier war es ein bisschen ruhiger.

Ein paar Bänke standen am Rande eines kleinen Platzes. Wir setzten uns kurz hin, aber der kalte Stein saugte sofort meine ganze Wärme auf. Ich sprang schnell wieder auf. Zu kalt, um sich zu setzen.

Nova lachte, aber es klang etwas gezwungen. Sie war wohl auch durchgefroren. Ich stand auf und trat wieder an das Geländer, um noch einmal die Aussicht zu genießen. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich schon hier stand und dachte: Das ist der Grund, warum ich diese Stadt liebe.

Egal wie oft ich sie sehe, sie ist immer wieder überwältigend. Vielleicht lag es an dem gesamten Erlebnis, der Kälte, dem Lärm, den ganzen Lichtern. Unter uns bemerkte ich einen Foodtruck, der mit seinen Verkäufern neben dem Fußgängerüberweg stand. Die Leute schlenderten an ihm vorbei.

Wir könnten noch ein bisschen weitergehen. Oder wir versuchen, von hier unten noch einmal die Brücke zu bestaunen. Ja, lass uns das machen. Vielleicht sehen wir sie von unten noch mal etwas anders.

Wir gingen also die Treppe hinunter und standen bald auf dem Asphalt, direkt unter der riesigen Stahlkonstruktion. Der Ausblick von hier unten war noch beeindruckender, die Massivität der Bögen und Pfeiler, die die gesamte Brücke trugen. Der Himmel schien durch das Stahlgeflecht, und die Stadt wirkte von hier oben noch gewaltiger. Es wurde mir wieder einmal bewusst.

Wow, das ist wirklich atemberaubend. Ich glaube, diesmal hat es sich auf jeden Fall gelohnt, trotz der Kälte hier zu sein. Neben uns befand sich eine Aufschüttung, und ich entdeckte einen langen Gang, der parallel zur Brücke verlief. Da vorne ist noch ein Eingang, ein weiterer Park.

Sollen wir da lang? Der Weg führte uns in eine Art Parkanlage. Hier war es ein wenig geschützt vor dem Wind, und die Sträucher bildeten kleine Nischen. Es fühlte sich an wie ein Ort, der speziell dafür gemacht war, die Silhouette der Brücke zu bewundern.

Und tatsächlich, es gab hier sogar ein paar coole Fotomotive. Von hier aus wirkte die Brücke fast so, als wäre sie eine riesige Welle aus Metall, die über die Stadt schwappte. Ich holte mein Handy raus und versuchte, den Moment festzuhalten. Nova tat es mir gleich.

Wir blieben einen Moment einfach stehen, um die Ruhe inmitten des ganzen Trubels zu genießen. Es war seltsam, so unter dem Riesen aus Stahl zu stehen und zu wissen, dass die gesamte Stadt über einem auf Stelzen zu stehen scheint. Dann bemerkte ich die anderen. Da drüben, hinter der Absperrung, ist ein Teil, der ganz anders aussieht.

Es sah aus wie ein kleiner Garten, mit einem alten Pfad und ein paar seltsamen Bäumen, die ihre Äste wie Arme ausstreckten. Lass uns da reingehen. Wir überquerten die Wiese und standen plötzlich vor einem verlassenen Ort. Das war so ein altes Industriegelände, das ein bisschen wie eine verborgene Ecke wirkte.

Es gab hier ein paar alte Backsteinmauern, dazwischen schoss Unkraut hervor. Es roch nach Feuchtigkeit und altem Holz. Ich fühlte mich wie in einer anderen Zeit. Vielleicht war das ein Fernsehstudio?

Oder vielleicht ein altes Lagerhaus? Man sieht den Leuten von hier oben bei der Arbeit zu. Unter uns, auf der anderen Seite der Mauer, lag ein Parkplatz, auf dem ein paar Lastwagen parkten. Es wirkte alles etwas verlassen, aber das machte gerade den Reiz aus.

Ich schaute auf meine Uhr. Wir waren schon eine ganze Weile unterwegs, und der Hunger machte sich wieder bemerkbar. Eigentlich wollte ich noch zur Pizza, aber die war wohl zu weit weg. Ich schlug vor, in ein kleines Café in der Nähe zu gehen.

Die Straßen hier sind voller Überraschungen. Am Ende der Straße hing ein Schild, auf dem auf Englisch und Chinesisch etwas stand. Als wir um die Ecke bogen, entdeckten wir ein kleines Restaurant, das nur ein schwaches Licht und einen hohen Tresen hatte. Die Speisekarte hing draußen und die Bilder waren vielversprechend.

Es roch fantastisch, nach Gewürzen und gegrilltem Gemüse. Hier bestellten wir etwas Heißes und einen Kaffee, um den Abend zu vertreiben. Nova war sich unsicher, aber ich bestellte einfach für uns beide. Als wir uns mit unseren Bechern vor das Café setzten, sahen wir die Brooklyn Bridge wieder, die sich schwarz gegen den dunkler werdenden Himmel abhob.

Das Wasser des East River war jetzt schwarz wie Tinte, und die Lichter der Stadt spiegelten sich darin wider. Es war ein ganz anderes Bild, nicht weniger magisch. Der Kaffee war heiß und wärmte mich von innen. Ich bemerkte, wie sich die Anspannung in meinen Schultern zu lösen begann.

Ich bin froh, dass wir das gemacht haben, sagte ich leise. Ich weiß, das Wetter war nicht perfekt, aber es hat sich trotzdem gelohnt. Nova nickte, ihre Augen auf die Lichter gerichtet. Ja, manchmal ist der Weg das eigentliche Ziel.

Wir saßen noch eine Weile da, bis die Kälte uns endgültig zurück in die belebten Straßen trieb. Die Stadt war jetzt in ihr nächtliches Licht getaucht, grell und bunt, ein lauter, geschäftiger Kontrast zu der Stille auf der Brücke. Wir standen auf und machten uns auf den Weg zurück. Der Moment, einfach dazustehen und die Gegensätze zu genießen, war der eigentliche Gewinn.

So kurz er auch war, ich hatte das Gefühl, diese Stadt erst jetzt wirklich zu verstehen. Ein letztes Mal blickte ich zu der Brücke zurück, die sich wie ein dunkles Band über das Wasser legte. Dieses Bild würde ich noch eine ganze Weile nicht vergessen.