Er war erst 19 — doch sein Jagdpanther vernichtete in einer Nacht eine ganze Panzerbrigade

Er war erst 19 — doch sein Jagdpanther vernichtete in einer Nacht eine ganze Panzerbrigade

Am Morgen des 8. März 1945 bereitete Oberleutnant Friedrich Hauser seinen Jagdpanther auf einen Angriff vor, der nach allen Regeln der Panzerjagdtaktik nicht zu gewinnen war. Die Stellung lag nordwestlich der Ortschaft Berhida, am östlichen Rand des Sárvíz, rund 13 Kilometer südlich des Plattensees. Über dem zugefrorenen Schilf hing Bodennebel in einer Schicht von etwa anderthalb Metern Höhe.

Hauser war 21 Jahre alt, geboren in Regensburg. Vor dem Krieg hatte er eine Lehre als Feinmechaniker begonnen und drei Semester an der Ingenieurschule absolviert, bevor er 1942 zur Panzertruppe einberufen wurde. Seine Männer nannten ihn nicht beim Vornamen.

Um 4:47 Uhr reinigte Hauser das Okular seines Infrarotzielgeräts FG 1250, das auf der Kommandantenkuppel montiert war. Die Temperatur lag bei minus sieben Grad. Er arbeitete ohne Handschuhe, weil Wolle an den Fingerspitzen die feinen Staubkörner besser löste.

Kurz darauf knackte die Bordsprechanlage. Funker Unteroffizier Karl Brenner, 24, ein ehemaliger Postangestellter aus Bremen, las die Meldung der vorgeschobenen Beobachter ab. Eine sowjetische Panzerbrigade mit geschätzt 47 Wannen näherte sich von Süden entlang der Straße 8 in Richtung Berhida. Darunter vermutlich 24 T-34/85, dazu mindestens vier schwere IS-2-Panzer sowie leichte Begleittypen und Schützenpanzer.

Die voraussichtliche Kontaktzeit lag zwischen 5:30 und 6 Uhr. Auf dem Papier war das Verhältnis eindeutig. Die Empfehlung der Taktiklehrbücher lautete: Rückzug, Verzögerungsfeuer aus Mehrfachstellungen, Anschluss an die eigene Front bei Paulgardi.

Hauser sagte nichts. Er klappte das Okular zu und stieg in den Turm zurück. Die Besatzung war vollständig: Richtschütze Feldwebel Otto Wegener, 29, Schreiner aus dem Schwarzwald, mit sechs zerstörten Panzern auf seiner Strichliste. Ladeschütze Gefreiter Heinrich Möller, ein Bauernsohn aus Niederbayern, drei Wochen bei der Einheit. Funker Brenner. Fahrer Obergefreiter Walter Lange, ehemaliger Lastwagenfahrer einer Brauerei in Hamburg.

Der Jagdpanther mit der Fahrgestellnummer 30156 wog 45,5 Tonnen und hatte eine Bugpanzerung von 80 Millimetern unter 55 Grad Neigung. Das entsprach einer effektiven Stärke von etwa 139 Millimetern. Das 8,8-cm-Geschütz Pak 43 verschoss Panzergranaten mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 1000 Metern pro Sekunde, dazu eine kleinere Reserve mit Wolframkern. Im Munitionsraum lagen 57 Granaten.

Der T-34/85 trug eine Turmfront von 90 Millimetern und eine Wannenfront von 45 Millimetern unter 60 Grad. Auf 1500 Metern konnte sein 85-mm-Geschütz die Seitenpanzerung des Jagdpanthers durchschlagen, die Frontpanzerung erst unter 500 Metern und auch dann nur bei günstigem Winkel. Der IS-2 mit seiner 122-mm-Kanone konnte auf 1000 Metern alles durchschlagen, was Hauser fuhr, brauchte aber acht bis zehn Sekunden zwischen zwei Schüssen.

Um 5:03 Uhr schickte Hauser über Brenner eine kurze Meldung an die Abteilung: Feindkontakt erwartet 5:30 Uhr, Haltestellung Berhida Nord. Er wartete keine Antwort ab. Er klappte das FG 1250 wieder auf, justierte den Infrarotscheinwerfer auf der Kuppel und blickte in die Schwärze über dem Schilf.

Im Okular tauchten zwei matte, grünlich glühende Schatten am südlichen Horizont auf. Dann ein dritter, ein vierter. Hauser zählte langsam mit. Bei 17 hörte er auf zu zählen.

Er sprach leise in die Bordsprechanlage und nannte drei Möglichkeiten. Die erste war der Rückzug nach Paulgardi entlang der eigenen Verzögerungslinie, wie es das Lehrbuch vorsah. Die zweite war der klassische Stellungskampf vom erhöhten Punkt am Straßendamm aus mit gutem Schussfeld auf 2000 Meter und anschließendem Absetzen nach drei oder vier Schüssen.

Die dritte war keine Option, die in einem Lehrbuch stand. Westlich des Sárvíz-Kanals zog sich ein breiter Schilfgürtel hin, der im Sommer als unpassierbar galt. Im März bei minus sieben Grad trug die Eisdecke. Hauser hatte am Nachmittag zuvor mit dem Fahrer den Boden zu Fuß abgeschritten. Die Eisdicke lag zwischen 11 und 14 Zentimetern.

Ein Jagdpanther von 45,5 Tonnen würde einbrechen, aber nicht überall gleich tief. An drei Stellen, dort wo das Schilf besonders dicht stand und der Untergrund von alten Wurzelstöcken durchzogen war, hatte Lange festen Grund unter etwa 40 Zentimetern Wasser und Schlamm ertastet. Drei Stellungen, drei Schussplätze, jeder um etwa 250 Meter versetzt.

Aus dem Schilf heraus wäre Hauser mit dem Infrarotzielgerät für die sowjetischen Wannen praktisch unsichtbar. Die T-34-Besatzungen hatten keine aktiven Infrarotgeräte. Sie sahen in dieser Nacht das, was ein Mensch ohne Hilfsmittel sah: Schwärze, Nebel, Schilfränder. Sie würden auf Mündungsfeuer reagieren, aber Mündungsfeuer im Schilf war eine andere Erscheinung als Mündungsfeuer auf einem Damm.

Hauser entschied sich für die dritte Variante. Lange ließ den Maybach HL230 P30 mit kalter Drehzahl an. Der Motor hustete, fand seinen Takt, und der Jagdpanther rollte vom Erdwall hinunter durch einen Bauernweg in den Schilfgürtel. Das Eis brach unter den ersten Kettengliedern mit einem trockenen, fast hölzernen Geräusch. Der Boden gab nach, dann fasste er.

Lange fuhr in der ersten Vorwärtsstufe, vier Kilometer pro Stunde. Die Halme brachen über der Wanne und legten sich um den Turm. Nach 140 Metern stoppte er an der ersten markierten Stelle.

Um 5:41 Uhr erschien die Spitze der Kolonne auf der Straße 8, etwas südlich von Berhida. Im grünlichen Bild des Infrarotgeräts war die führende Wanne deutlich zu erkennen, ein T-34/85 mit Turm in Marschstellung nach vorn, der Kommandant halb aus der Luke. Entfernung laut Skala: 1820 Meter. Dahinter in lockerem Abstand von etwa 50 Metern eine zweite Wanne, eine dritte, eine Reihe.

Hauser gab Wegener die Daten durch. Erstes Ziel: Spitzenwagen auf 1820 Meter, Wolframmunition. Zweites Ziel bereitstellen: zweite Wanne in der Reihe auf 1870 Meter. Möller schob die Wolframgranate ein. Der Verschluss schloss mit einem hellen metallischen Klick. Wegener atmete einmal aus, sagte nichts, drückte ab.

Der Schuss riss durch das Schilf. Das Mündungsfeuer war ein kurzer gelber Schein, der unter den Halmen sofort verschluckt wurde. Eine Sekunde später schlug die Granate die Turmfront des führenden T-34/85 unter dem Mantel der Kanone. Das Fahrzeug stoppte. Eine Sekunde danach öffnete sich die Heckluke. Niemand stieg aus. Dann zündete die Munition. Der Turm hob sich um etwa anderthalb Meter und fiel schief halb über die Wanne zurück.

Möller hatte nachgeladen, bevor der Turm fiel. Wegener verfolgte das zweite Ziel. Die russische Kolonne stand. Köpfe drehten sich, Türme begannen zu schwenken, alle in die falsche Richtung nach Norden zum Damm hin. Der zweite Schuss um 5:42 Uhr traf die Wannenseite des zweiten T-34 zwischen Triebrad und Stützrolle. Die Granate ging durch und detonierte im Munitionsraum. Drei Sekunden später war auch dieser Panzer ein offener Brand.

Hauser ließ Lange anrollen, noch bevor Wegener das dritte Ziel im Visier hatte. Meter für Meter durch das brechende Eis in die zweite Stellung. Das war die Regel: Nach zwei Schüssen die Position wechseln, nicht nach drei, nicht nach vier, nach zwei.

Um 5:47 Uhr eröffnete Wegener in der zweiten Stellung auf 1640 Meter Entfernung das Feuer auf eine vierte Wanne. Treffer in der Bugpanzerung, durchgeschlagen, Brand. Die fünfte Wanne reagierte zuerst klug. Sie drehte den Turm um 90 Grad nach Westen in Richtung Schilf und feuerte blind in den Nebel. Die 85-mm-Granate ging 40 Meter vor dem Jagdpanther in einen Erlenstamm. Holzsplitter prasselten auf den Turm.

Der nächste Schuss brachte Wanne Nummer fünf zum Stehen. Treffer Turmseite, der Schütze tot, der Panzer manövrierunfähig durch zerstörte Visieroptik. Möller hatte das Magazin vor sich beinahe automatisch nachgefüllt, ohne hinzusehen.

Um 5:53 Uhr meldete Brenner über den Empfang russischen Funkverkehrs erhöhten Pegel. Die Brigade hatte die Bedrohung lokalisiert, irgendwo westlich im Schilf, und schwenkte nach Westen ein. Hauser hörte zu, ohne zu antworten. Er wusste, was als Nächstes kam.

Die Brigade gab ihre Marschformation auf. Die T-34/85 schwenkten in zwei Gruppen ab. Wannen drehten nach Westen in Richtung Schilfgürtel und versuchten, den unsichtbaren Schützen mit Flächenfeuer aus etwa 1500 Metern niederzuhalten. Acht weitere Wannen lösten sich aus der Kolonne und nahmen Kurs nach Nordwesten, eine flankierende Bewegung, die Hauser von der Eisbrücke beim Dorf Tes abschneiden sollte.

Die vier IS-2 verharrten auf der Straße, ihre 122-mm-Geschütze nach Westen gerichtet, und warteten auf ein Mündungsfeuer, das sie mit einem einzigen Schuss erledigen würden. Hauser sah die Aufteilung im FG 1250 nüchtern. Es war die richtige Reaktion des sowjetischen Brigadekommandeurs, lehrbuchgerecht.

Was der Kommandeur nicht wissen konnte: dass das Eis im Schilf an genau drei Punkten trug, dass diese drei Punkte einen Halbkreis bildeten, dessen Sehne die Marschstraße kreuzte, und dass die flankierende Achterstaffel auf ihrem Weg nach Nordwesten unweigerlich an Stellung 3 vorbeiziehen musste, auf einer Entfernung von etwa 800 Metern.

Lange brachte den Jagdpanther in die dritte Stellung. Das Eis ächzte unter den Ketten. An einer Stelle sackte das rechte Triebrad um etwa 20 Zentimeter ein, und der Maybach drehte hoch, bevor die Wurzelstöcke wieder fassten. Möller flüsterte etwas, das niemand verstand. Wegener sagte nichts.

Um 6 Uhr kam aus dem Schilf heraus der erste Schuss auf die flankierende Gruppe. Panzergranate auf 820 Meter. Treffer in die rechte Wannenseite eines T-34/85 unter der Lukenkante. Durchschlag, Brand. Möller lud nach. Der zweite Schuss sechs Sekunden später traf das nachfolgende Fahrzeug an der Turmfront, prallte ab, schlechter Winkel, und durchschlug erst beim dritten Schuss neun Sekunden danach die Wannenfront. Die Granate setzte den Munitionsraum in Brand.

Es war 6:04 Uhr, und Hauser hatte sechs Wannen zerstört. 48 Granaten reduzierten sich auf 42. Dann begann das Problem. Beim achten Schuss um 6:06 Uhr blockierte der halbautomatische Verschluss der Pak 43. Die ausgeworfene Hülse hatte sich durch die extreme Kälte und die verkürzte Zykluszeit im Auswurfschacht verkantet.

Wegener schlug mit dem Handballen gegen den Verschlusskeil. Nichts. Möller griff nach dem Hülsenfänger und versuchte, die noch heiße Messinghülse mit dem Lederlappen zu greifen. Die Hülse löste sich nicht. Wegener nahm den hölzernen Stiel des Putzwerkzeugs und stieß ihn von vorn durch das Rohr in den Verschluss. Beim dritten Schlag fiel die Hülse heraus.

18 Sekunden Stillstand. 18 Sekunden, in denen die flankierende Gruppe Geschwindigkeit aufnahm und der Brigadekommandeur die Position des deutschen Schützen durch das Mündungsfeuer der letzten Schüsse eingrenzen konnte. Um 6:10 Uhr schlug die erste Granate 14 Meter vor der Bugpanzerung des Jagdpanthers in den Sumpf. Schlamm und Eisbrocken klatschten gegen die Wanne.

Die zweite Granate traf eine Sekunde später einen Erlenstamm zwei Meter über der Kommandantenkuppel. Holzsplitter, Rinde, ein abgebrochener Ast schlugen auf die Luke. Wegener fluchte zum ersten Mal an diesem Morgen. Die dritte Granate traf den linken Aufbau in einem flachen Winkel und prallte ab. 50 Millimeter Panzerung unter 30 Grad Neigung, effektiv etwa 100 Millimeter, ausreichend bei einem Querschuss aus 1400 Metern Entfernung.

Im Inneren des Aufbaus löste der Treffer einen Schlag aus, der durch den Stahl in die Knochen ging. Wegener schrie kurz auf und fasste sich an die linke Schulter. Ein Bolzen der inneren Verkleidung hatte sich aus seiner Halterung gelöst, war als Splitter durch den Kampfraum geflogen und hatte ihm das Schulterblatt durchschlagen. Blut sammelte sich auf der Sitzlehne.

Hauser sagte: Weitermachen. Wegener nickte einmal. Er griff mit der rechten Hand nach der Höhenrichtkurbel. Die linke ließ er hängen. Er sprach nicht über die Wunde. Er sprach überhaupt nicht mehr.

Um 6:12 Uhr löste sich aus der westlichen Hauptgruppe ein IS-2. Die schwere Wanne, 46 Tonnen, 122-mm-Geschütz, Frontpanzerung 120 Millimeter unter 60 Grad, verließ die Straße und fuhr direkt durch das Stoppelfeld in Richtung Schilf. Entfernung 1290 Meter, Tendenz fallend.

Hauser wusste, was ein IS-2 auf 800 Metern der Frontpanzerung eines Jagdpanthers antat. Die Antwort lautete: alles. Drei Möglichkeiten. Erstens: Stellung halten und versuchen, den IS-2 mit Wolframmunition auf die Turmfront zu treffen, bei ungünstigem Winkel eine Wahrscheinlichkeit von etwa 20 Prozent pro Schuss. Zweitens: zurückziehen entlang der Schilfkante nach Norden in Richtung Tes und sich aus der Schussbahn lösen, Bewegung im Schilf bei vier Kilometern pro Stunde gegen einen IS-2, der im Stoppelfeld 15 Kilometer pro Stunde fuhr. Drittens: vorwärts, aus dem Schilf heraus, quer durch das gefrorene Schilf in die Senke des alten Bewässerungsgrabens, dessen Böschung dem Jagdpanther einen Halldown-Schussplatz auf die Wannenseite des heranrollenden IS-2 bot.

Hauser wählte die dritte Variante. Lange legte den Hebel auf vorwärts, dritte Stufe. Das Eis brach in einer Spur von vier Metern Breite hinter den Ketten zusammen. Möller schob eine Wolframgranate in den Verschluss. Wegener kurbelte mit der rechten Hand. Sein Atem ging flach.

Der Jagdpanther erreichte die Böschung des Bewässerungsgrabens um 6:14 Uhr. Der IS-2 war auf 740 Meter heran und drehte gerade seinen Turm. Wegener feuerte um 6:14 Uhr und 40 Sekunden. Der Wolframkern traf die rechte Wannenseite des IS-2 zwischen dem zweiten und dritten Laufrad, durchschlug die 90 Millimeter Seitenpanzerung unter einem Winkel von etwa 75 Grad und detonierte im Kampfraum hinter dem Munitionsregal. Der Turm bewegte sich nicht mehr. Eine Sekunde später schlug eine Stichflamme aus der Fahrerluke. Die Besatzung kam nicht heraus.

Möller lud nach, ohne hinzusehen. 40 Granaten lagen noch im Bereitschaftsfach. Die zweite Phase des Gefechts dauerte 27 Minuten. Hauser ließ Lange im Halbkreis durch den Bewässerungsgraben fahren, immer parallel zur Stoßrichtung der sowjetischen Wannen, immer aus dem Halldown.

Drei weitere T-34/85 fielen auf den nächsten 700 Metern aus. Eine vierte Wanne, ein Begleitfahrzeug, blieb mit zerschossener Kette stehen. Wegener feuerte mit der rechten Hand an der Höhenrichtkurbel, die linke unbeweglich. Möller hatte ihm einen Verbandspack gegen das Schulterblatt geklemmt und mit Lederriemen am Brustgurt fixiert. Er hatte das ohne ein Wort getan, zwischen zwei Schüssen, in elf Sekunden.

Um 6:39 Uhr traf die zweite IS-2 ihre Position grob. Die 122-mm-Granate schlug in die Böschung des Grabens, drei Meter vor der Bugpanzerung. Erde, gefrorener Lehm, ein Stück Wagenrad eines vergessenen Pflugs flogen über den Aufbau. Die Druckwelle schlug Brenner den Kopfhörer vom Ohr. Lange schrie etwas auf Hamburger Platt, das niemand übersetzte. Hauser zählte ruhig weiter.

Sieben Granaten lagen noch im Bereitschaftsfach, 32 Wannen waren außer Gefecht. Die Brigade zerfiel. Aus dem abgehörten Funkverkehr, den Brenner stockend übersetzte, entnahm Hauser, dass der Brigadekommandeur einen deutschen Verband in Bataillonsstärke vermutete, mindestens acht Jagdpanzer, vielleicht zwölf. Die verbliebenen Wannen erhielten den Befehl, sich aus dem Kessel zwischen Schilf und Bewässerungsgraben zu lösen und nach Süden zurückzukehren.

Um 7:02 Uhr feuerte Wegener den vorletzten Schuss auf einen T-34/85, der rückwärts durch das Stoppelfeld manövrierte, auf 1110 Meter. Treffer Heckpanzerung, Brand im Motorraum. Es war die 42. Wanne. Die letzte Granate verbrauchte Hauser nicht. Er ließ sie liegen.

Als die Sonne um 7:14 Uhr einen ersten matten Streifen über die östlichen Berge legte, rollte der Jagdpanther langsam aus dem Schilf zurück auf den Bauernweg. Lange hielt vor dem Erdwall, von dem sie zwei Stunden und elf Minuten zuvor abgefahren waren. Die linke Vorderkette war durch Eisbrocken zur Hälfte freigelegt. Der Aufbau war an drei Stellen mit Schlamm bedeckt, an einer mit Blut. Der Lauf des Geschützes zeigte die typischen weißen Brandspuren der Mündung nach intensivem Feuer.

Möller rauchte zum ersten Mal in seinem Leben eine Zigarette, die er im Tabaksbeutel des verwundeten Wegener gefunden hatte. Er hustete bei jedem Zug. Hauser meldete um 7:38 Uhr an die schwere Panzerjägerabteilung 560: Stellung Berhida Nord gehalten, 42 feindliche Wannen vernichtet, davon drei IS-2. Eigene Verluste: Richtschütze schwer verwundet, Munition erschöpft, erbitte Ablösung.

Der Abteilungskommandeur Major Karl Brömer ließ den Funkspruch zweimal wiederholen, bevor er ihn ins Gefechtstagebuch übertrug. Im Eintrag der Abteilung 560 vom 8. März 1945 steht der Satz, Oberleutnant Hauser habe mit einem einzelnen Jagdpanther und einer überlegten ortsbezogenen Gefechtsführung den Vorstoß einer verstärkten sowjetischen Panzerbrigade nördlich Warpalota zum Stehen gebracht. Die Formulierung war später Grundlage des Vorschlags für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, das Hauser am 17. April 1945 in Wien erhielt, 19 Tage vor der Kapitulation.

Wegener überlebte. Er verlor die Beweglichkeit des linken Arms zu etwa 60 Prozent und kehrte nach 1947 in seine Werkstatt im Schwarzwald zurück, wo er noch 30 Jahre Stühle und Tische baute. Möller, der 19-jährige Bauernsohn, fiel am 11. April 1945 in einem anderen Gefecht bei St. Pölten. Lange geriet in amerikanische Gefangenschaft und arbeitete bis 1981 wieder als Lastwagenfahrer für eine Hamburger Brauerei. Brenner kehrte zur Post zurück.

Hauser selbst überlebte den Krieg in sowjetischer Gefangenschaft, aus der er erst 1953 entlassen wurde. Er ging nach Regensburg zurück, übernahm die Werkstatt seines früheren Lehrmeisters und reparierte bis zu seiner Pensionierung 1989 Armbanduhren, mechanische Wecker und Taschenuhren.

Über den 8. März 1945 sprach er nicht. Auf die zwei Anfragen militärhistorischer Forscher in den 80er Jahren antwortete er knapp und schriftlich. Er weigerte sich, in Dokumentarfilmen aufzutreten. Als 1991 ein Reporter des Bayerischen Rundfunks in seinem Laden stand und nach dem Ritterkreuz fragte, das nach Auskunft der Nachbarn in einer Kommode lag, sah Hauser eine Pendeluhr durch, die er gerade reparierte. Er sagte, ohne aufzublicken, einen einzigen Satz: Das Eis habe getragen, und das sei die ganze Geschichte. Dann bat er den Reporter, den Laden zu verlassen.

Friedrich Hauser starb am 4. November 1998 an Herzversagen in Regensburg. Er war 74 Jahre alt. Die Akten der Abteilung vermerken 42 zerstörte Wannen in dieser Nacht. Ein Jagdpanther, fünf Mann Besatzung. Auf dem Papier war eine Panzerbrigade nicht aufzuhalten. Auf dem Papier hätte das Eis nicht getragen. Auf dem Papier hätte ein 21-jähriger Oberleutnant aus Regensburg, der vor dem Krieg Uhren reparierte, gegen 47 sowjetische Wannen keine Chance gehabt. Es war keine Strategie, es war Arithmetik, dazu Geometrie, dazu der Mut, die dritte Variante zu wählen, wenn das Lehrbuch nur zwei vorsah.