April 1941, Königreich Jugoslawien. Deutschland und seine Verbündeten der Achsenmächte überfallen das Land und fegen die königlich-jugoslawische Armee innerhalb weniger Tage hinweg. In Serbien, einem der wichtigsten Teile des besetzten Königreichs, fanden die neuen Machthaber bald willige Kollaborateure unter den Anhängern der Bewegung „Zbor“, einer kleinen faschistischen Gruppierung, die jahrelang für autoritäres Regieren, Antisemitismus und enge Beziehungen zu Nazideutschland geworben hatte. Die deutsche Besatzung verwandelte „Zbor“ von einer unbedeutenden politischen Randerscheinung in einen aktiven Kollaborateur.

Tausende ihrer Anhänger dienten schließlich im Serbischen Freiwilligenkorps und kämpften an der Seite deutscher Truppen gegen die kommunistischen Partisanen unter der Führung von Josip Broz Tito. Andere halfen dabei, Juden aufzuspüren, die der Gefangennahme entkommen waren, und verstrickten die Bewegung so immer tiefer in die Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Besatzungsregime. Doch bereits 1945 zerfiel Nazideutschland, und die Anhänger von „Zbor“ zogen sich nach Westen zurück. Viele ergaben sich schließlich den Briten, in der Überzeugung, den vorrückenden Partisanen entkommen zu sein.
Stattdessen wurden Tausende nach Jugoslawien zurückgebracht und genau den Truppen übergeben, gegen die sie jahrelang gekämpft hatten. Für viele gab es kein zweites Entkommen. Die Jugoslawische Nationalbewegung, bekannt als „Zbor“, wurde am 6. Januar 1935 in Belgrad durch den Zusammenschluss mehrerer kleiner nationalistischer und rechtsextremer Organisationen gegründet.
An ihrer Spitze stand Dimitrije Ljotić, ein serbischer Politiker und ehemaliger Justizminister Jugoslawiens, der die parlamentarische Demokratie ablehnte und sie durch einen autoritären, zentralistisch organisierten Staat ersetzen wollte. Ein weiteres prominentes Mitglied war Velibor Jonić, der in den ersten Jahren als Generalsekretär von „Zbor“ fungierte. „Zbor“ stützte sich auf das Christentum, traditionelle Werte und den Korporatismus als Grundlagen dieses Systems. Ljotić sprach sich für die Vereinigung von Serben, Kroaten und Slowenen in einem gemeinsamen jugoslawischen Staat aus, stellte sich Serbien jedoch als dominierende Kraft vor.
Die Bewegung war zutiefst antikommunistisch und fremdenfeindlich eingestellt, und „Zbor“ wurde die einzige politische Partei Jugoslawiens, die offen Antisemitismus propagierte. Ein deutscher Beobachter beschrieb sie als eine Art nationalsozialistische Partei, die sich gegen Juden, Freimaurer, Kommunisten und den westlichen Kapitalismus richtete. Doch diese Ideen fanden unter den einfachen Serben nur wenig Zuspruch. Die aktive Mitgliedschaft von „Zbor“ überstieg nie 10.
000 Personen, und die Versuche der Bewegung, über Wahlen an die Macht zu gelangen, schlugen fehl. Ljotićs offene Sympathie für Nazideutschland machte ihn in einem Land, in dem deutschfeindliche Gefühle weit verbreitet waren, nur noch verhasster. Was „Zbor“ an lokaler Unterstützung fehlte, fand sie zunehmend im Ausland. Deutsche Industrieunternehmen und der deutsche Geheimdienst versorgten die Bewegung mit Geld und festigten so eine Beziehung zu Nazideutschland, die immer wichtiger wurde.
Als der Zweite Weltkrieg im September 1939 begann, befürwortete Ljotić öffentlich die Neutralität Jugoslawiens. Gleichzeitig argumentierte er, dass sich die Außenpolitik des Landes an Berlin orientieren sollte. Zu diesem Zeitpunkt reichte der deutsche Einfluss innerhalb von „Zbor“ jedoch bereits viel weiter. Die Bewegung war von der SS, der Gestapo, der nationalsozialistischen Geheimpolizei, und dem deutschen militärischen Geheimdienst, der Abwehr, unterwandert worden.
Im Laufe des Jahres 1940 wurde die Bewegung zunehmend gewalttätiger. Zusammenstöße mit kommunistischer Jugend führten zum Wachstum des studentischen Flügels von „Zbor“, der als „Weiße Adler“ bekannt wurde. Am 23. Oktober versammelten sich ihre Mitglieder an der Universität Belgrad, bewaffnet mit Pistolen und Messern.
Studenten und Lehrkräfte wurden bedroht. Viele Menschen wurden niedergestochen, während die Angreifer Adolf Hitler und Benito Mussolini bejubelten und antisemitische Parolen skandierten. Diese Gewalt löste in ganz Serbien Empörung aus. Am nächsten Tag verbot die jugoslawische Regierung die Bewegung „Zbor“ und nahm später mehrere hundert ihrer Mitglieder fest.
Ljotić tauchte unter, und eine Regierungsuntersuchung kam zu dem Schluss, dass seine Bewegung sich des Hochverrats schuldig gemacht hatte, weil sie deutsches Geld angenommen hatte. Dennoch wagten es die Behörden nicht, Ljotić selbst zu verhaften, aus Angst vor einer Reaktion aus Berlin. Bis Anfang 1941 war „Zbor“ gezwungen, im Untergrund zu arbeiten, doch die deutsche Invasion Jugoslawiens stand nur noch wenige Monate bevor, und die Verbindungen von „Zbor“ zu Berlin würden ihre Anhänger bald in eine völlig andere Lage bringen. Am 6.
April 1941 überfielen Nazideutschland und seine Verbündeten Jugoslawien. Das Land kapitulierte nach nur elf Tagen, und Serbien geriet unter direkte deutsche Militärverwaltung. Für die Bewegung „Zbor“ bedeutete der Zusammenbruch des jugoslawischen Staates eine völlige Veränderung ihrer Lage. Die Bewegung, die noch Monate zuvor verboten gewesen war, konnte nun unter dem Schutz der Besatzungsmacht agieren.
Ljotić kam aus seinem Versteck hervor, und bald darauf waren die Mitglieder von „Zbor“ in die neue Kollaborationsverwaltung eingebunden. Hier kommt unser Team aus Historikern, Forschern und Redakteuren ins Spiel, deren Arbeit zu der Geschichte wird, die ihr jetzt hört. Ich bin Arian Steen Camp, und seit 2022 habe ich die Ehre, die Stimme hinter dem Kanal „World History“ zu sein. In einem Zeitalter automatischer Inhalte wollten wir hinter dem Bildschirm hervortreten, um euch die echten Menschen zu zeigen, die diese Dokumentationen zum Leben erwecken.
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April 1941 errichteten die Deutschen eine kommissarische Regierung unter der Leitung von Milan Aćimović, dem ehemaligen jugoslawischen Innenminister. Ljotić wurde der Posten des Wirtschaftskommissars angeboten, doch er lehnte ab, unter anderem weil er bei den Serben überhaupt nicht beliebt war und keine untergeordnete Rolle spielen wollte. Im August ersetzten die Deutschen die Verwaltung Aćimovićs durch eine Regierung der „Nationalen Rettung“ unter der Leitung des ehemaligen jugoslawischen Generals Milan Nedić. Auch die Propagandaaktivitäten von „Zbor“ nahmen zu.
Im Oktober half die Bewegung bei der Organisation der großen antisemitischen Ausstellung in Belgrad, die mit deutscher finanzieller Unterstützung stattfand. Durch Bilder, Plakate und andere Exponate verbreitete die Ausstellung die Verschwörungstheorie, dass Juden, Freimaurer und Kommunisten heimlich zusammenarbeiteten, um die Weltherrschaft zu erlangen. Diese Ausstellung war nur der Anfang. Die Besatzer und ihre Verbündeten waren entschlossen, die Bevölkerung gegen die Juden aufzubringen.
Ljotić und seine Anhänger sahen darin eine Gelegenheit, ihren Einfluss zu festigen und sich als unverzichtbare Verbündete der Deutschen zu präsentieren. Sie hofften, durch ihre Treue zur Besatzungsmacht politisches Kapital zu schlagen und ihre eigene Position im besetzten Serbien zu stärken. Doch die Realität war komplexer. Die meisten Serben lehnten die Kollaboration ab, und die Partisanenbewegung unter Tito gewann trotz der brutalen Repressalien der Deutschen zunehmend an Unterstützung.
Die Mitglieder von „Zbor“ waren sich dieser Stimmungslage bewusst, aber sie hatten sich entschieden, ihren eigenen Weg zu gehen. Ljotić selbst blieb im Hintergrund. Er übernahm kein offizielles Amt in der Kollaborationsregierung, sondern zog es vor, aus dem Schatten zu agieren. Stattdessen konzentrierte er sich darauf, seine Bewegung zu organisieren und zu bewaffnen.
Im Rahmen der deutschen Bemühungen, eine anti-kommunistische Miliz aufzubauen, wurde das Serbische Freiwilligenkorps gegründet. Diese Einheit, die ursprünglich als „Ljotić-Kommandos“ bekannt war, bestand fast ausschließlich aus Anhängern von „Zbor“. Sie kämpfte an der Seite der Deutschen gegen die Partisanen und wurde für ihre Grausamkeit und ihre ideologische Hingabe gefürchtet. Viele ihrer Mitglieder waren junge Männer, die von der Propaganda der Bewegung erfasst worden waren und glaubten, für ihr Volk und gegen den Kommunismus zu kämpfen.
Aber nicht alle Anhänger von „Zbor“ waren von der Sache überzeugt. Einige waren Opportunisten, die sich aus Pragmatismus oder Angst vor den Unsicherheiten des Krieges angeschlossen hatten. Andere wiederum glaubten wirklich an die nationalsozialistische Ideologie und teilten den radikalen Antisemitismus der Bewegung. Diese Mischung aus Überzeugung und Opportunismus prägte die gesamte Existenz des Freiwilligenkorps und führte zu einer widersprüchlichen Rolle innerhalb der deutschen Besatzungsmaschinerie.
Währenddessen war die Lage in Serbien von unvorstellbarer Brutalität geprägt. Die deutschen Besatzer führten eine Politik der Vergeltung und des Terrors durch. Bei jeder Partisanenaktion wurden Hunderte von Zivilisten als Geiseln erschossen. Die Juden Serbiens, die einst ein fester Bestandteil des städtischen Lebens waren, wurden in Ghettos gepferrt, deportiert und ermordet.
Die Anhänger von „Zbor“ halfen den Deutschen bei der Identifizierung und Ergreifung ihrer jüdischen Mitbürger und lieferten sie der Vernichtung aus. Diese Kollaboration war von Anfang an Teil des Plans von „Zbor“ gewesen, und sie machte die Bewegung zu einer der gehässigsten und am meisten verachteten Gruppierungen im besetzten Europa. Doch je länger der Krieg dauerte, desto deutlicher wurden die Risse. Die Partisanenbewegung Titos wurde immer stärker und drängte die deutschen Truppen und ihre Verbündeten immer weiter zurück.
Die Kollaborationsregierung unter Nedić verlor zunehmend an Einfluss und wurde von den Deutschen nur noch als Werkzeug betrachtet, das man benutzte und im Stich ließ, sobald es nicht mehr nützlich war. Ljotić, der einst davon geträumt hatte, ein neues autoritäres Serbien aufzubauen, musste erkennen, dass seine Träume in den Trümmern des Krieges untergingen. Im Herbst 1944 begann der Rückzug der Deutschen aus dem Balkan. Die Rote Armee drang in Jugoslawien ein, und die Partisanen Titos marschierten Seite an Seite mit ihr.
Die Kollaborateure wussten, dass sie mit der Vergeltung der Sieger rechnen mussten. Viele Anhänger von „Zbor“ versuchten, sich abzusetzen und nach Westen zu fliehen, in der Hoffnung, den vorrückenden Partisanen und der Roten Armee zu entkommen. Sie glaubten, die Briten und Amerikaner würden sie als Verbündete gegen den Kommunismus betrachten und sie gut behandeln. Ljotić selbst führte seine Anhänger im Oktober 1944 auf dem Rückzug nach Slowenien, wo sie sich den Resten der deutschen Truppen und anderen Kollaborationskräften anschließen wollten.
Der Marsch war eine einzige Katastrophe. Die Einheiten wurden von Partisanen angegriffen, die Straßen waren mit Flüchtlingen verstopft, und der Hunger und die Kälte forderten ihren Tribut. Tausende von Zivilisten und Kämpfern starben auf dem Weg. Ljotić selbst kam am 2.
April 1945 bei einem ungeklärten Autounfall ums Leben, obwohl viele glauben, dass er von Parteigängern ermordet oder dass sein Tod inszeniert wurde, um eine Gefangennahme zu vermeiden. Sein Tod markierte das Ende einer Ära für die Bewegung, aber es war nur der Anfang einer neuen Welle der Gewalt. Nach dem deutschen Zusammenbruch im Mai 1945 ergaben sich die überlebenden Kollaborateure den westlichen Alliierten. Sie dachten, sie würden als politische Flüchtlinge behandelt und vor den jugoslawischen Kommunisten geschützt.
Stattdessen lieferten die Briten sie im Rahmen der Operation „Keelhaul“ an die jugoslawischen Behörden aus. Tausende von Soldaten des Serbischen Freiwilligenkorps, der Tschetnik-Verbände und andere Kollaborateure wurden zu den Partisanen zurückgebracht. Viele von ihnen wurden sofort hingerichtet, ohne Gerichtsverfahren oder irgendeine Form von rechtlichem Schutz. Andere wurden zu langen Haftstrafen in brutalen Gefangenenlagern verurteilt oder nach politischen Prozessen hingerichtet, die oft nur aus einer Form der Abrechnung mit den alten Feinden der Kommunisten bestanden.
Von denen, die in Jugoslawien blieben, gab es kein Entkommen mehr. Für die meisten war es das Ende einer langen Blutspur, die mit der Gründung einer kleinen, radikalen Bewegung in Belgrad begonnen hatte. Aus einer Handvoll fanatischer Anhänger war eine mächtige, aber tief unpopuläre Organisation geworden, die für die Verbrechen des Krieges mitverantwortlich war. Die Geschichte von „Zbor“ und ihren Anhängern ist eine Geschichte des Verrats, des Fanatismus und der Blindheit gegenüber den eigenen Fehlern.
Sie zeigt, wie eine Gruppe von Ideologen, die von Macht und Hass besessen war, alles auf eine Karte setzte und dabei nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Land ins Verderben stürzte. Am Ende blieb nur ein Trümmerfeld, auf dem nichts mehr wachsen konnte.