Jordan Belfort, der als „Wolf der Wall Street“ berühmt wurde, behauptete, er habe nie einen lebenden Goldfisch geschluckt. Doch wie so oft bei der Verfilmung seines Lebens ist die Wahrheit seltsamer als die Leinwand. Martin Scorseses Film „The Wolf of Wall Street“ zeigt einen exzessiven Lebensstil, der selbst die wildesten Szenen des Trailers übertrifft. Der Kern der Geschichte bleibt real, doch die Frage, was wirklich geschah und was Hollywood erfand, ist komplexer als die bloße Handlung.

Die wichtigste Erkenntnis aus dem Drehbuch und den Aussagen Beteiligter: Kaum etwas wurde exakt so übernommen. Die Namen wurden geändert, um den Filmemachern künstlerische Freiheit zu geben. Bei Jordan Belforts Ehefrauen jedoch, so wird betont, sei fast alles entweder wahr oder bewusst weggelassen worden. Seine erste Frau Teresa, gespielt von Cristin Milioti, basiert auf Denise Lombardo, seiner Jugendliebe, die er 1985 heiratete.
Im Film verliert Jordan seinen Job bei der Firma LF Rothschild und bleibt ihm treu an der Seite. Im echten Leben unterstützte und ermutigte Denise ihn tatsächlich. Der Film überspringt jedoch einige unbequeme Details. Der Charakter Naomi, die zweite Ehefrau, wird als schicke Designerin dargestellt, die in einem edlen Brooklyner Brownstone lebt.
Margot Robbie, die sie spielt, gab zu, beim Lesen des ersten Drehbuchs von ihrer Rolle abgestoßen gewesen zu sein. Naomi basiert lose auf Nadine Caridi, Belforts zweiter Frau, die ihm von ihrem damaligen Freund vorgestellt worden war. Der Film erklärt, wie Jordans Besessenheit vom Geld und seine Kokainsucht die Beziehung zerstörten, bis hin zu dem Moment, als er vor seinem neugeborenen Kind Drogen konsumierte. Caridi selbst erzählte später, wie Jordans Persönlichkeit sich veränderte: Aus einem Mann, der die einfachen Freuden des Lebens schätzte, wurde ein Besessener, der nur noch vom Geldverdienen und Ausgeben getrieben war.
Die Figur des Donnie Azoff, gespielt von Jonah Hill, basiert lose auf Danny Porush, dem ehemaligen Präsidenten von Stratton Oakmont. Porush drohte während der Dreharbeiten mit einer Klage, woraufhin sein Name aus dem Film entfernt wurde. Er selbst beschwerte sich, er sei als Verlierer dargestellt worden, obwohl er nach eigenen Angaben nie jemanden einen Goldfisch schlucken ließ. In einem Gespräch mit dem FBI-Ermittler, der Belfort festnahm, wurde dem Drehbuchautor versichert, dass die verrücktesten Szenen tatsächlich so passiert seien.
Porush hingegen betonte, viele Ereignisse seien frei erfunden. Er bestritt auch eine Szene, in der er angeblich einen Kollegen bedrohte, einen Goldfisch zu essen. Die wahre Geschichte hinter dem Boot „Nadine“, das im Film eine Rolle spielt, ist beinahe so abenteuerlich wie die Handlung. Das Schiff gehörte ursprünglich dem Modedesigner Coco Chanel, die während des Zweiten Weltkriegs angeblich als Nazi-Agentin tätig war.
Es wurde mehrfach umgebaut und wechselte durch verschiedene Hände, unter anderem an einen Immobilienentwickler, der vom Mordvorwurf freigesprochen wurde, später aber pleiteging. Als Belfort das Boot übernahm, glich es einem Zerstörer – wenn auch nicht einem deutschen, wie scherzhaft angemerkt wird. Als er das Schiff schließlich verlor, weil es in einem Sturm sank, kassierte er die Versicherungssumme. Die Frage, ob er den Verlust bedauerte, bleibt offen.
Eine dritte prominente Verbindung betrifft den Schuhdesigner Steve Madden, der im Film nicht vorkommt, aber einst mit Belforts Firma zusammenarbeitete. Sein Leben war selbst von Problemen geprägt, doch das ist eine eigene Geschichte. Nancy, eine weitere Person aus Belforts Umfeld, beschrieb, wie sie Jordan einst traf: Er sei ein Gentleman gewesen, der ihr auf dem Weg in die Stadt immer seinen Platz anbot. Auf ihr Drängen hin half Jordan ihrem Mann bei dessen Geschäftsproblemen.
Innerhalb von Monaten veränderte sich das Leben des Ehepaares radikal. Der Abstieg ließ nicht lange auf sich warten: Als ihr Mann von den Behörden gefasst wurde, verweigerte man ihm die Kaution, weil sein Privatjet ihn zu einem Flugrisiko machte. Während dieser Zeit rief Jordan nie an. Für ihn zählte nur das Geld.
Es bleibt eine Ironie: Jordan Belfort, der einst die Gier der Wall Street verkörperte, wird bis heute für seinen Lebensstil bewundert. Die Menschen hinter den Figuren jedoch sehen die Sache anders. Manche weigern sich bis heute, ihren echten Namen im Film zu verwenden. Die Gründe reichen von der Sorge um die eigenen Kinder bis hin zu der Aussage, man habe weder Geld noch kreatives Interesse an dem Projekt gehabt.
Was also wirklich passierte, bleibt zwischen Wahrheit und Fiktion verborgen.