Ich stand mitten in New York, die Skyline vor mir, und mein Bruder sagte plötzlich: „Willst du mit deiner Family auf so einer Plattform echt 200 Dollar ausgeben?” Ich lachte, weil er recht hatte –…

Ich stand mitten in New York, die Skyline vor mir, und mein Bruder sagte plötzlich: „Willst du mit deiner Family auf so einer Plattform echt 200 Dollar ausgeben?" Ich lachte, weil er recht hatte –...

Als wir in New York ankamen, war das Erste, was mir auffiel, dieser verrückte Preisunterschied zu allem, was ich kannte. Wir schlenderten durch die Straßen, vorbei an diesen riesigen Gebäuden, und ich meinte zu meinem Bruder: „Komm, ich mache die Tickets für die Aussichtsplattform, solange die nicht 50 Dollar pro Ticket kosten. ” Er lachte nur. „Ja, das wären dann halt 100 Dollar für uns beide, plus der Kleine.

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Willst du mit deiner Family auf so einer Plattform echt 200 Dollar oder so ausgeben? ” Er hatte ja recht. Es war absurd. Wir haben dann trotzdem so einen dieser typischen Filme geguckt, so wie bei Disney, so eine Dokumentation über die Stadt.

Meine Aufmerksamkeitsspanne hat dafür aber überhaupt nicht gereicht. Es war einfach zu viel los, zu viele Reize, zu viele Menschen. „Hat der jetzt eigentlich ‘ne Code-Brown-Phase? “, fragte ich irgendwann, um das Thema zu wechseln.

„Nein, mir geht’s gut“, sagte er. „Ich habe Bauchi Fauchi. Ich habe Knie. “ „Ai, das ist krass“, lachte ich.

„Ja, ich habe das auch, TikTok-Frame-Chat. Ganz schlimm. “ Es gab nicht mal Popcorn, stell dir das mal vor. Ich meine, das hätte den ganzen Film vielleicht noch gerettet, aber so?

Ohne Popcorn war das echt eine Qual. Es war einfach überall so teuer. Wir sind hier durch diese Straßen gelaufen und ich habe mir gedacht, die ganzen Amerikaner, die haben ja gar kein Geld. Unser Taxifahrer hat uns das erklärt, als wir irgendwo hinfuhren.

Er meinte, die müssen hier alle so viel verdienen, weil hier einfach alles so unfassbar teuer ist und sie sich die Rechnungen sonst gar nicht leisten können. Viele haben zwei, drei Jobs, sagte er, nur um irgendwie das Nötigste zu bezahlen. Er lebt dann halt einfach nur dafür, um zu überleben, in dem Sinne. Das ist so krass und irgendwie auch traurig, wenn man darüber nachdenkt.

Dann in diesem Laden in LA zum Beispiel. Wir hatten ein paar Sachen gekauft und dann wollte ich noch so eine Kette haben. Sie war aus Perlen und Silber, richtig geil, und ich dachte mir, na ja, ein bisschen was wird sie schon kosten. Also frage ich die Verkäuferin: „Wie viel kostet die?

“ Und da steht kein Preis dran, so nach dem Motto: Wenn du fragen musst, kannst du es dir nicht leisten. Sie holt also so eine Liste raus und sagt ganz entspannt: „600. “ Da habe ich kurz geschluckt und gefragt: „600? “ Und die Frau neben mir, eine andere Kundin, die hat das gar nicht geglaubt.

Sie meinte auch so: „Nein, nein, das kann nicht sein. “ Aber doch, es war so. Sogar die Verkäuferinnen untereinander meinten dann, 600 sei zu viel, aber sie verkaufen es trotzdem für den Preis. Ich habe sie auf jeden Fall nicht gekauft.

Es hat sich einfach nicht mehr nach Silber angefühlt, irgendwie. Dafür gab es dann aber eine richtig gute Pizza. Wir haben eine Familienpizza gegessen, und die war ja wirklich die Größe einer deutschen Familienpizza. Für den Preis, glaube ich, kommt das in Deutschland gut hin, weil die günstigste da glaube ich schon so 29 oder 30 Dollar gekostet hat.

Mit extra Toppings hätte sie bei uns noch mal mehr gekostet, aber so war das halt ein Familienessen. Das war in Ordnung. „Also, jetzt kommen wir rüber“, sagte ich und deutete auf einen Park. Wir waren vorher die ganze Zeit an bebauten Straßen entlanggelaufen, und dieser Park führte wohl bis ganz nach vorne an die Spitze von Manhattan.

„Da kann man dann auch mit der Fähre rüber zur Freiheitsstatue fahren. “ „Mhm. “ Wir schlenderten weiter. Die Sonne knallte, und die Stadt summte um uns herum.

„Was ist hier eigentlich das Durchschnittseinkommen? “, fragte ich meinen Bruder, mehr so in den Raum hinein. Wir hatten es vorhin schon von dem Taxifahrer gehört, aber es war immer noch schwer zu fassen. „Alter, hier ist Wasser“, unterbrach ich meine eigenen Gedanken und deutete auf einen kleinen Laden, während ich das Geld in meiner Tasche spürte.

„3,50 Euro für `ne Flasche Wasser, das ist stabil. “ „Da drüben müsste die Katze sein“, sagte mein Bruder plötzlich und zeigte auf eine Stelle in der Ferne. „Da ist sie. Ich sehe sie.

Hallo Claudia! “, rief ich dann laut und winkte, obwohl sie uns unmöglich hören konnte. „Hallo! “ Es war einfach ein Bild, das man kennt.

100 bis 180 K im Jahr, sagte er und pfiff durch die Zähne. „Das ist krass, und hier wird alles bebaut. “ Wir standen da und schauten auf die Skyline. Die Freiheitsstatue wirkte von hier aus so klein.

„Wow, die ist ja so klein im Verhältnis“, staunte ich. „Ich dachte, die wäre größer. “ „Das habe ich auch gedacht“, sagte er. „Soll ich so machen?

“, fragte ich und drehte mich für ein Foto um. „Nee, lass mal. “

„Oh, warte. Wo willst du hin?

Oh, hallo! Oh, jetzt kommt wieder ein schlechter Witz“, kündigte ich an. „Ja, warum steht die Freiheitsstatue in New York? “ Mein Bruder zuckte mit den Schultern.

„Äh, weiß ich nicht. “ „Weil sie nicht sitzen kann! “, platzte ich heraus und fing sofort an zu lachen. „Gut, ich auch nicht“, sagte er und lachte jetzt auch.

„Krank. “ Wir lachten noch eine Weile, obwohl der Witz wirklich schlecht war. „Das war wirklich crazy“, sagte ich irgendwann und wischte mir die Augen. „Tja, das war wirklich krass.

“ „Vielen lieben Dank für den Sub“, sagte ich dann in Richtung meines Handys, als ob wir streamen würden. „Danke schön. Der war wirklich kriminell. “ „Ja, stimmt.

“ „Seelentau macht auch die ganze Zeit Wortwitze und wird dafür gehatet“, sagte ich. „Ja, bei mir ist das halt was anderes. Das ist krass. Wir werden dafür gehatet.

“

„Da vorne gibt’s Rahmen, oder? “, fragte ich und deutete. „Nee, hier müsste irgendwo ein Rahmen sein. Irgendwo auf der Karte gesehen.

“ Ich schaute mich um. „Da ist die Freiheit“, sagte ich. „Ich will mal an der Glocke lecken. “ „An welcher Glocke?

“, fragte er. „An der Glocke, die da drin ist. Die Frau hat eine Glocke. “ „Im Kopf oder so, glaube ich“, lachte er.

„Wie heißt die nochmal? “ „Veronika“, sagte ich grinsend. „Die gibt’s wirklich. “ „Die Liberty Bell“, sagte er dann.

„Die Freiheitsglocke. “ „Ja, genau. In Philadelphia. “ „Oh, ja.

Fake News. Das ist krass. “

Wir standen da am Rand des Parks, die Freiheit hinter uns, die anderen Sehenswürdigkeiten vor uns. „Was machen wir jetzt?

“, fragte ich. „Jetzt haben wir die Freiheitsstatue gesehen. “ „Ja, das reicht mir auch ehrlich gesagt von der Freiheitsstatue“, sagte er. „Sollen wir zu Katz?

Ich überzeuge, ich habe nicht gefragt“, fügte er lachend hinzu. „Du willst doch nur mit zu mir Bestimmt“, sagte ich. „Harry und Sally, Orgasmus-Szene, oder was? “ „Was?

Den Laden Katz gibt es auch noch in New York, oder? “ „Ja, ich weiß, aber ich weiß nicht. Super unpraktisch zu sitzen. “ „Ja, wir sind genug Bänker“, sagte ich und zeigte auf eine Bank.

„Wir können es auch auf die Bank setzen. “ „Nee, Katz ist glaube ich ein gutes Stück weit weg. Das ist glaube ich beim Koreanischen Viertel. “ „Hast du Lust, eine Stunde zu laufen?

“ „Nö“, sagte er. „Nee, gestern so viel gelaufen. Wir sind gestern 13 Minuten Auto gefahren, wer weiß, wie weit das ist. “ „Machen wir das, und dann schauen wir von da, wie weit es reicht“, sagte ich.

„Die Freiheitsstatue ist drüben. “ „Warte, ich zeig es noch mal für die, die später gekommen sind“, sagte ich und drehte mich um. „Das ist die Freiheitsstatue, und man muss mit der Fähre hinfahren, und da wissen wir halt nicht, ob das mit dem Internet klappt. “ Wir schauten hinüber zu dem kleinen Punkt in der Ferne.

„Und da ist eine coole Brücke. “ Ich wollte noch mehr sagen, aber dann entdeckte ich etwas. „Warte, da sind ganz viele Fernseher, die gerade… “ Ich musste lachen.

„Das war wirklich gerade krass. Es war eine gute Aufnahme. “

„Wir waren übrigens noch nicht im Harry-Potter-Laden“, sagte ich. „Nee, stimmt.

“ Wir schwiegen einen Moment und schauten auf das Wasser. „Vor allem die weißen Haie von Long Island“, sagte ich. „Oder der Blobfisch, der eigentlich nur so eine komische Form hat, weil er mit dem Druck hier oben nicht klarkommt. “ „Du bist so ein Idiot“, lachte er.

„Der will immer nur das eine. “ „Ja, die haben einfach eine vielfach höhere emotionale Intelligenz als Menschen“, sagte ich und schüttelte den Kopf. Mein Blick wanderte an der Skyline entlang, über all die Baustellen, die den Park hier eigentlich komplett einnahmen. Alles war zu, alle Wege Richtung Park waren Baustellen, nur ein schmaler Durchgang war offen.

„Alle zu, wieder verwendbare Lappen“, murmelte ich. „Ja, ein wildes Konzept“, sagte er. „Es gibt aber auch viele, die benutzen Pappteller. “ „Ja, winke winke“, sagte ich und winkte in die Luft.

„Das ist halt nicht repräsentativ für alle. “ „Nee, aber für einige schon. “

Wir gingen langsam weiter, an einem riesigen Gebäude vorbei, das wie ein Bahnhof aussah. „Weißt du, was ich gelesen habe?

“, fragte ich. „Disneyland kostet mindestens 104 Dollar pro Person. Das ist bescheuert. Wirklich bescheuert.

“ „Kannst du dir nicht ausdenken“, sagte er kopfschüttelnd. „Das sind solche Preise. Da will ich eigentlich gar nicht mehr hin, weil ich schon die ganze Zeit zu viel Geld ausgebe. “ „Nee, also das ist schon heftig.

“ „Die Preise hier sind einfach der Wahnsinn. “

Nach einer Weile deutete ich auf eine Bank. „Setzen wir uns kurz hin? Meine Füße tun weh von gestern.

“ Er nickte und wir setzten uns. Die Sonne schien uns ins Gesicht, und wir schauten einfach nur eine Weile auf das Gewimmel der Leute, die an uns vorbeiliefen. Geschäftsleute mit Kaffeebechern in der Hand, Touristen mit Selfie-Sticks, ein paar Jogger. Alle waren in Bewegung, alle hatten irgendein Ziel.

Und irgendwie waren wir mittendrin, zwei Leute von weit weg, die eine Pause einlegten. „Ich glaube, das war es mit der Freiheitsstatue für mich“, sagte ich schließlich. „Das war’s für mich auch“, sagte er. „Ich meine, man hat es gesehen, fertig.

“ „Wollen wir noch ein Stück weiter zum Hafen gehen? Vielleicht findet man da ja was Gutes zu essen. “ „Ja, sicher“, sagte er und stand auf. Wir liefen also weiter, an den Absperrungen vorbei, und irgendwann kamen wir an eine Stelle, an der man die ganze Skyline von Manhattan sehen konnte.

Es war überwältigend, wie groß diese Stadt war, wie diese Türme einfach in den Himmel ragten. Ich dachte an die ganzen Leute, die hier jeden Tag arbeiten, die Steuern zahlen, die sich durchschlagen. „Das ist schon ein wildes Gefühl“, sagte ich. „Hier stehen wir jetzt und schauen auf diese Stadt, und irgendwo da drüben in einer dieser Mio.

von Wohnungen sitzt vielleicht ein Mensch, der gerade genauso das Gefühl hat, verloren zu sein. “ „Ja, oder jemand, der sich fragt, wie er die Miete bezahlen soll“, sagte er. „Stimmt auch wieder. “ Wir schauten noch eine Weile, dann drehten wir uns um.

„Komm, wir gehen zurück“, sagte ich. „Ich habe langsam Hunger. “

Und so verließen wir die Aussichtsplattform, die Freiheitsstatue im Rücken, und machten uns auf den Weg zu einem Imbiss, den wir vorhin gesehen hatten. Es war ein gutes Gefühl, einen Platz zu haben, an den man gehen konnte, und mich nicht mehr um den Preis kümmern zu müssen.

Diese Stadt war verrückt, teuer, laut und anstrengend. Aber sie hatte auch etwas Magisches. Man musste nur lernen, mit dem Strom zu schwimmen und die 3,50-Dollar-Wasserflasche zu ignorieren. Wir schlenderten weiter, an der Kette vorbei, die 600 Dollar gekostet hätte – und jetzt, wo ich sie noch mal hängen sah, wusste ich, dass die Entscheidung, sie nicht zu kaufen, die richtige war.

Das hier, der Moment, das Laufen, das Lachen über dumme Witze, das war am Ende mehr wert als alles Silber der Welt.