Der Wecker riss mich um kurz nach sechs aus dem Schlaf, und ich hätte schwören können, dass ich gerade erst eingeschlafen war. Die Kopfschmerzen von gestern Abend waren immer noch da. Ich hatte…

Der Wecker riss mich um kurz nach sechs aus dem Schlaf, und ich hätte schwören können, dass ich gerade erst eingeschlafen war. Die Kopfschmerzen von gestern Abend waren immer noch da. Ich hatte...

Der Wecker klingelte um kurz nach sechs, und ich hätte schwören können, dass ich gerade erst eingeschlafen war. Die Kopfschmerzen von gestern Abend waren immer noch da, und ich hatte mir extra zwei Schlafgummibärchen eingeworfen und zwölf Milligramm Melatonin mit Ashwaganda hinterhergekippt, weil ich einfach nicht runterkam. Im anderen Hotel hatten wir übrigens super geschlafen, die Betten da waren so weich, dass man sich richtig umarmt gefühlt hat. Hier irgendwie gar nicht.

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Keine Ahnung, woran das lag. Ich war schon wieder aus der Puste, und das nach ein paar Metern. Wir waren mal wieder zu schnell unterwegs, und ich spürte die schlechte Kondition. “Wir müssen langsamer laufen”, stieß ich hervor, als wir an einer roten Ampel stehen blieben.

“Fürs Aura-Maximieren. ” Wir lachten, aber ich meinte es fast ernst. Ich hatte mir letztens ein Video von mir angeschaut, wie ich irgendwelche witzigen Sachen gemacht habe, und dabei sind meine Brüste die ganze Zeit auf und ab gesprungen. Das fällt einem im Alltag ja gar nicht auf, weil man damit lebt, aber von außen sieht das so krass aus.

Ich kann so was nicht hochladen. Wirklich nicht. Heute wollten wir frühstücken gehen. Nicht im Hotel, sondern irgendwo in der Stadt, durch die wir erst mal eine halbe Ewigkeit laufen mussten.

Ich hatte mir meine Converse angezogen, was sich jetzt rächte, denn New York ist definitiv nicht leise und auch nicht warm. Aber wir mussten weiter, denn unser Laden machte erst um neun auf, und wenn wir zu spät kamen, hatten wir das Nachsehen. Außerdem hatten wir heute noch ein bisschen Zeit zum Shoppen, denn morgen ging unser Flug schon um 17:30 Uhr, und wir mussten mindestens drei Stunden vorher am Flughafen sein. Das hieß, der Vormittag war unser einziger Puffer, falls wir es heute nicht mehr schaffen sollten.

Ich wollte noch mal zu Coach, aber der machte wohl erst um zwölf auf. Vivian meinte, Westwood hätte auf jeden Fall offen. Also machten wir uns auf den Weg dorthin, vorbei an den riesigen Wolkenkratzern, die mich irgendwie faszinierten, aber auch ein bisschen erdrückten. “Die Stadt lebt”, sagte mein Begleiter, und ich musste ihm zustimmen.

Überall war etwas los, es roch nach Abgasen und Streetfood, und an einer Ecke standen weiße Blumen in Töpfen, so viele, dass es fast kitschig wirkte. “Alter, wie süß”, murmelte ich. Und dann stieg mir dieser Geruch in die Nase, der unverwechselbare New Yorker Duft, und ich verzog das Gesicht. “Es stinkt hier draußen.

” Er lachte. “Erik, es ist vorbei. Es ist so vorbei. ”

An einem Schaufenster blieb ich stehen.

Es war so ein Gebäude, wie man es sich bei Friends vorstellt, mit der typischen Backsteinfassade. “Stell dir vor, hier haben sie gedreht”, sagte ich. Er nickte, aber er schaute auf seine Uhr. Wir waren noch nicht mal am Frühstück, und mir wurde langsam warm.

Der Pullover war wohl doch eine Nummer zu dick. “Mir ist schlecht”, sagte ich stattdessen. “Ich bin auch so ein bisschen durch den Wind”, gab er zu. “Aber wir müssen weiter.

”

Als wir endlich ankamen, war der Laden noch zu. “Alles noch geschlossen”, stellte ich fest, und dann fiel es mir ein. “Ja, weil wir so früh dran sind. Ich bin noch nie so oft hintereinander so früh aufgestanden.

” Er grinste. “Ich bin auch noch nie so lange allein mit einer fremden Frau unterwegs gewesen, die nicht meine Mutter war. ” Ich schlug ihm auf den Arm. “Fremd?

Wir kennen uns doch schon ewig. ” Er zuckte mit den Schultern. “Trotzdem. ” Wir setzten uns auf eine Bank und warteten.

Die Sonne kam langsam durch die Häuserschluchten und wärmte uns ein bisschen. Es war der erste Tag mit 25 Grad, und ich wollte die Sonne einfach nur genießen. “Bei euch zu Hause regnet es sicher”, sagte er. “In München immer.

Ich schwöre, sobald ich zurückfliege, ist wieder Scheißwetter. ” Er lachte. Im Frühstücksladen angekommen, setzten wir uns ans Fenster und bestellten Kaffee. Der war hier seltsamerweise immer so stark, dass ich ihn verdünnen musste.

Ich erzählte ihm von den Schlafgummibärchen, die ich mir geholt hatte, weil die Dose hier so viel größer war als bei uns. Fünf Packungen oder so drin, und ich hatte sie mir für einen Freund gekauft, aber dann doch selbst eine probiert. “Die schmecken so gut, ich muss mich echt zurückhalten, dass ich nicht die ganze Dose aufesse. ” Er grinste.

“Das klingt gefährlich. ” “Ja, vielleicht hätte ich sie dir auch geben sollen. ” “Kannst du später machen”, sagte ich und nahm einen Schluck Kaffee. Das Gespräch kam auf die Pizza von gestern Abend.

Ehrlich, das war eine der besten Pizzen, die ich je gegessen hatte. Der Teig war so schön dünn und knusprig unten, italienisch, neapolitanisch, mit genau richtig viel Käse und dieser scharfen Pepperoni. Und der Knoblauch. Boah, der Knoblauch war der Hammer.

Wir stanken bestimmt beide, aber das war es wert. “Der Knoblauch war so gut, dass es sich lohnt, zuzustinken”, sagte ich, und wir lachten. Nach dem Frühstück zogen wir weiter. Das Wetter spielte nicht so mit, wie wir gehofft hatten, aber die Sonne kam ab und zu raus.

Ich wollte unbedingt diese Bikertaschen, die wir in einem Laden gesehen hatten, so aus Leder, mit Fransen und manchmal mit Nieten. Die waren so praktisch, und sie passten perfekt zu einem Mittelaltermarkt, den ich irgendwann mal besuchen wollte. Meine Freundin hat mir erzählt, dass die 2016 auf dem Rummel irgend so einen Stand hatten, wo sie einfach alles aufbewahrt haben, und dass es keine Bikertaschen gab, die nicht cool waren. “Ich will auch so eine”, sagte ich und deutete auf ein Schaufenster.

Er schüttelte den Kopf. “Du hast doch schon zwei davon. ” “Ja, aber nicht in dieser Farbe. ”

Die Straßen wurden voller, und die Leute drängelten sich an uns vorbei.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Wie viele verschiedene Menschen es hier gab, wie schnell alle liefen, wie laut die Autos hupten. Es war überwältigend. Aber wir mussten weiter, denn wir hatten nur noch wenig Zeit.

“Wir haben morgen nur einen halben Tag”, sagte er, während wir an einer Kreuzung warteten. “Der Flug geht um 17:30 Uhr, und wir müssen um 14 Uhr los, um sicher zu sein. ” Ich nickte. “Vielleicht schaffen wir es dann noch in den Laden, in dem sie die handgemachten Sachen haben.

” “Ja, da müssen wir dann gucken. ”

Plötzlich blieb er stehen und deutete auf ein riesiges Gerüst. “Da, schau mal. ” Es war ein altes Gebäude, das renoviert wurde, und an der Fassade hing ein riesiges Plakat mit einem anderen, ganz neuen Gebäude, das noch im Bau war.

“Stell dir vor, das wird mal unser Haus. ” Ich musste lachen. “Ja, oder das Büro von einer großen Firma. ” Wir lachten und gingen weiter.

Gegen Mittag wurden wir beide hungrig. Wir hatten schon so viel in New York gegessen, dass ich dachte, ich könnte nicht mehr, aber irgendwie ging es doch. Wir fanden einen kleinen Laden, in dem es Sandwiches gab, und setzten uns an die Theke. Der Typ hinter dem Tresen sah uns an.

“Was darf’s sein? ” Ich bestellte mir ein einfaches Truthahn-Sandwich, und mein Begleiter nahm eines mit Rindfleisch. “Das hier ist so gut”, sagte ich mit vollem Mund. “Hier schmeckt alles besser als zu Hause.

” Er nickte zustimmend. “Ja, die haben halt frische Zutaten und so. ”

Nachdem wir gegessen hatten, schlenderten wir weiter durch die Straßen. Die Sonne brannte mir in den Nacken, und mein Rucksack drückte.

Ich musste immer wieder an meine Bikertasche denken, die ich eigentlich nicht mitgenommen hatte, weil ich dachte, die wäre zu klein für den ganzen Kram. Aber jetzt wünschte ich mir, ich hätte sie doch eingepackt. “Diese Taschen sind echt das Beste”, sagte ich. “Ja, definitiv”, stimmte er zu.

“Viel besser als so eine Handtasche, die man sich dauernd umhängen muss. ”

Wir kamen an einem Geschäft vorbei, das nur ausgefallene Brillen verkaufte, und blieben stehen. Die Modelle waren verrückt, mit dicken, bunten Rahmen und getönten Gläsern. “Probier mal die da auf”, forderte ich ihn auf und reichte ihm ein Paar mit eckigen Gläsern.

Er setzte sie auf und sah in den Spiegel, dann drehte er sich zu mir um. “Na? ” Ich musste grinsen. “Sieht aus wie in einem Musikvideo.

” Er lachte und nahm sie wieder ab. “Vielleicht kauf ich mir so eine. ” “Ja, die steht dir echt gut. ”

Draußen war es noch immer warm, aber der Wind blies jetzt kräftiger, und die Wolken zogen sich zusammen.

“Da kommt Regen”, sagte ich und deutete auf den Himmel. Er schaute hoch und seufzte. “Na super. ” Er zog seine Jacke aus und hielt sie mir hin.

“Hier, zieh das drüber. ” Ich wollte protestieren, aber er ließ nicht locker. “Ich hab eh schon Kopfschmerzen, da ist es egal. ” Also nahm ich die Jacke und hielt sie mir über den Kopf, als die ersten Tropfen fielen.

Es war nur ein kurzer Schauer, aber er hinterließ den Geruch von nassem Asphalt, der mir irgendwie fehlte, wenn ich nicht hier war. Wir blieben unter einem Vordach stehen und warteten, bis es vorbei war. Ich schaute mich um. Die Wolkenkratzer waren so hoch, dass man von unten fast den Himmel nicht sah, und sie waren so eng beieinander, dass das Tageslicht nur in schmalen Streifen auf die Straße fiel.

“Es ist verrückt, wie alles hier so eng gestrickt ist”, murmelte ich. “Es ist irgendwie erdrückend. ” Er sah mich an. “Aber auch faszinierend, oder?

” Ich nickte langsam. “Ja, das ist es. ”

Als der Regen aufhörte, gingen wir weiter. Wir hatten noch ein paar Stunden, bevor wir zurück zum Hotel mussten, und ich wollte noch unbedingt in diesen einen Laden, in dem es die handgemachten Kerzen gab.

Sie hatten welche, die nach New York rochen, nach Karamell und Popcorn und Straßenecken. Ich kaufte mir eine mit der Aufschrift “Little Italy”, weil sie mich an das Essen letzte Nacht erinnerte. Er kaufte sich eine, die nach Lavendel roch, so als Entspannungsding für sein Schlafzimmer zu Hause. Als wir rauskamen, war es schon später Nachmittag, und die Sonne stand schon wieder höher.

“Wir sollten langsam zurück”, sagte er, und ich nickte. Der Weg zurück ins Hotel zog sich, und ich war froh, als ich endlich die Lobby sah. In meinem Zimmer angekommen, warf ich mich aufs Bett und schloss die Augen. Ich war müde, aber es war ein gutes Gefühl, diese Art von Erschöpfung nach einem langen Tag.

Am nächsten Morgen hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, bevor wir zum Flughafen mussten. Wir gingen früh los und schlenderten noch einmal durch die Straßen, die wir jetzt schon ein bisschen kannten. Die Sonne schien, und es war wärmer als sonst. “Das wird der Tag”, sagte er und streckte sein Gesicht in die Sonne.

Ich nickte. An einer Ecke trafen wir eine Frau, die unsere Jacke trug, dieselbe Lulu-Lemon-Jacke wie wir. Sie sah uns an und lächelte. “Schöne Jacke”, sagte sie.

“Danke, die haben wir auch”, sagte ich und tippte mir auf die Brust. Sie lachte und ging weiter. Wir lachten. “Es ist immer wieder lustig, wenn jemand dieselben Sachen trägt”, sagte er.

“Ja, das ist wie Zwillings-Gedanken. ” Wir setzten uns auf eine Bank und schauten den Leuten zu. Eine Frau balancierte mit einem Kaffee in der Hand und telefonierten. Ein Mann mit einem Anzug rannte und winkte ein Taxi herbei.

Die Stadt drehte sich weiter, egal ob wir gerade Zuschauer oder Teil davon waren. Ich spürte, wie ein kleines Grinsen auf mein Gesicht kam. Ich wollte hier noch nicht weg sein. Aber der Flug ging nun mal.

Am Flughafen angekommen, wurden wir von der Menschenmenge regelrecht geschluckt. Aber es war okay. Wir checkten ein und setzten uns in die riesige Halle, neben einem Fenster mit Blick auf die Landebahnen. Ich sah hinaus, auf die Flugzeuge, die starteten und landeten.

Es war so ein Chaos, aber es war organisiert. Er drehte sich zu mir um. “Na, bereit für zu Hause? ” Ich zuckte mit den Schultern.

“Bereit, wieder nach München zu kommen, aber nicht bereit, von hier zu gehen. ” Wir lachten und standen dann auf, um unser Gate zu suchen. Im Flugzeug angekommen, kuschelte ich mich in meinen Sitz und schloss die Augen, während die Triebwerke aufheulten. Ich hatte noch den Geschmack von der Pizza auf der Zunge, den Duft der Kerzen und das Gefühl der Sonne auf der Haut.

Und als das Flugzeug abhob und die Skyline von New York langsam unter mir kleiner wurde, wusste ich, dass ich eines Tages zurückkommen würde. Dann schlief ich ein, den Kopf an der kalten Fensterscheibe, und die Stadt blieb hinter mir zurück.