EINSTEINS TOCHTER: GEBOREN, VERSTECKT, FÜR IMMER VERGESSEN

EINSTEINS TOCHTER: GEBOREN, VERSTECKT, FÜR IMMER VERGESSEN

Im Januar 1902 brachte Mileva Marić in Novi Sad ein Mädchen zur Welt. Der Vater des Kindes war ein 22-jähriger Patentangestellter in Bern, der per Brief nach der Form der Nase des Säuglings fragte und sich erkundigte, ob das Kind schon richtige Augen habe. Sein Name war Albert Einstein. Das Mädchen wurde Liesl genannt und verschwand danach aus der Geschichte.

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Die letzte Erwähnung stammt aus einem Schreiben vom September 1903, in dem sich der junge Physiker nach einer Scharlacherkrankung des Kindes erkundigte. Danach verlor sich jede Spur. Die Welt erfuhr von Liesls Existenz erst 1986, als frühe Korrespondenzen entdeckt wurden. Was mit dem Kind geschah, ist bis heute eines der großen ungelösten Rätsel der Biografieforschung.

Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in Ulm geboren. Er begann erst spät zu sprechen, was seine Eltern zeitweise fürchten ließ, er sei stumm. Die Familie zog bald nach München, wo der Vater zusammen mit seinem Bruder eine elektrotechnische Fabrik betrieb, deren Geschäfte jedoch schlecht liefen.

Die Mutter Pauline war eine bestimmende Frau mit klaren Vorstellungen, die Jahre später eine entscheidende Rolle im Leben ihres Sohnes spielen sollten. Der junge Albert hasste das Gymnasium und verließ es ohne Abschluss. Er folgte seinen Eltern nach Italien und beantragte mit 16 Jahren die Entlassung aus der württembergischen Staatsbürgerschaft, um keinen Militärdienst leisten zu müssen. Für mehrere Jahre war er staatenlos.

1896 bestand er die Aufnahmeprüfung des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich. In seiner Studienabteilung befand sich eine einzige Frau: Mileva Marić. Sie stammte aus Titel in der serbischen Vojvodina, war vier Jahre älter als die meisten Kommilitonen und litt an einer angeborenen Hüftluxation. Sie hatte sich den Zugang zum Polytechnikum durch reines Talent erkämpft, in einer Zeit, in der Frauen an den meisten europäischen Universitäten nicht studieren durften.

Albert bemerkte sie nicht wegen ihres Aussehens, sondern weil sie klug war und Fragen stellte, die ihn überraschten. Die Liebesbriefe zwischen den beiden begannen 1897. Er nannte sie Dolly und seine kleine Hexe. Sie schrieben einander über Elektrodynamik und Küsse, über die Struktur der Materie und die Form ihrer Schultern.

Es waren zärtliche Zeilen, die jedoch ein jähes Ende finden sollten. Paulines Widerstand gegen die Beziehung war heftig: Sie kritisierte, dass Mileva hinkte, älter war und als kluge Frau eine Strafe sei. Der Widerstand der Mutter erlosch nie, selbst auf dem Sterbebett soll sie ihren Sohn gebeten haben, diese Frau zu verlassen. Mileva fiel zweimal durch die Abschlussprüfung, 1901 und im Jahr darauf.

Die Gründe sind umstritten. Sie erhielt kein Diplom und wurde damit keine Physikerin. Historiker diskutieren bis heute, ob sie an den frühen Arbeiten ihres Mannes mitwirkte. In den Briefen jener Jahre ist von „unserer Arbeit“ und „unserer Theorie“ die Rede, doch mathematische Beweise für eine Mitautorenschaft fehlen.

Die meisten Fachleute sehen ihre Rolle eher als inspirierend denn als schöpferisch. 1902 brachte Mileva in ihrem Elternhaus in Novi Sad das uneheliche Kind zur Welt. Albert schrieb aus Bern, nicht lieblos, aber sachlich, wie ein Forscher, der ein neues Phänomen beobachtet. Was mit dem Mädchen geschah, lässt sich nicht beweisen.

Es gibt drei Vermutungen: Das Kind könnte an Scharlach gestorben sein, in einer Zeit, in der diese Krankheit für Säuglinge oft tödlich war. Ein Sterbeeintrag wurde jedoch nie gefunden. Die meisten Biografen halten es für wahrscheinlicher, dass Liesl zur Adoption freigegeben wurde, an Verwandte oder Bekannte in der Vojvodina. Ein uneheliches Kind hätte die Karriere des jungen Physikers zerstören können.

Eine dritte, weniger belegte Vermutung besagt, das Mädchen sei mit einer Behinderung geboren worden, was die Entscheidung beschleunigt habe. Beweise gibt es keine. Am 6. Januar 1903 heirateten Albert und Mileva in Bern.

Auf der Heiratsurkunde findet sich kein Hinweis auf ein Kind. 1904 wurde ihr Sohn Hans Albert geboren. Im Jahr 1905, dem sogenannten Wunderjahr, veröffentlichte Einstein vier bahnbrechende Arbeiten, darunter zur speziellen Relativitätstheorie und die berühmteste Gleichung der Menschheitsgeschichte. Er arbeitete tagsüber im Patentamt und schrieb seine Gleichungen abends am Küchentisch nieder, während Mileva den Haushalt führte und das Geschirr beiseiteräumte.

Die Welt bemerkte die Arbeiten zunächst nicht. Erst als Max Planck aus Berlin die Arbeit zur Relativitätstheorie las und verstand, begann der langsame Aufstieg des Physikers. Die Ehe folgte ihm über mehrere Stationen: Bern, Zürich, Prag und schließlich 1914 Berlin. 1910 wurde der zweite Sohn Eduard geboren, ein verletzliches Kind, bei dem sich später eine Schizophrenie zeigen sollte.

Bereits seit April 1912 unterhielt Einstein eine geheime Korrespondenz mit seiner Cousine Elsa Löwenthal, einer geschiedenen Mutter zweier Töchter. Im Juli 1914 überreichte er seiner Frau eine Liste mit Bedingungen, unter denen er bereit war, die Ehe fortzusetzen: Sie solle seine Kleidung und Wäsche in Ordnung halten, ihm dreimal täglich das Essen ins Arbeitszimmer bringen, auf jede persönliche Beziehung verzichten und keine Zärtlichkeit erwarten. Es waren keine Verhandlungspunkte, sondern Befehle. Mileva verließ wenig später Berlin und kehrte mit den beiden Kindern nach Zürich zurück.

Die Scheidung zog sich über Jahre hin. Einstein bot ihr das Preisgeld des Nobelpreises an, den er noch nicht erhalten hatte. Am 14. Februar 1919 wurde die Ehe geschieden.

Den Nobelpreis erhielt er zwei Jahre später und das Preisgeld ging an Mileva. In den Wochen nach der Scheidung brach sie zusammen, verschloss sich in ihrer Wohnung und spielte tagelang dieselbe Melodie auf dem Klavier. Schon vor der endgültigen Scheidung kam ein Detail ans Licht, das selbst für die damalige Zeit verstörend wirkte: Elsas Tochter Ilse schrieb einer Freundin, Einstein habe ihrer Mutter einen Liebesbrief geschickt und ihr denselben, Wort für Wort. „Es ist ihm gleich, wer von uns ja sagt.

Er braucht eine Frau, irgendeine. “ Elsa sagte ja. Am 2. Juni 1919 heirateten die beiden.

Einstein selbst nannte die Ehe eine bequeme Vereinbarung. Im November desselben Jahres wurde er über Nacht weltberühmt. Der britische Astronom Arthur Eddington hatte während einer Sonnenfinsternis nachgewiesen, dass Sternenlicht in der Nähe der Sonne abgelenkt wird, genau wie von Einstein vorhergesagt. Aus dem Professor wurde ein Weltstar.

Elsa genoss den Ruhm und organisierte den Haushalt. Einstein ertrug ihn und fand Trost in der Arbeit und in der Musik. Er liebte Mozart, respektierte Bach und spielte bei schwierigen Gleichungen eine Stunde Geige. Elsa wusste vom ersten Tag an, dass ihr Mann ihr nicht treu sein würde.

Dokumente, die 2006 aus den Archiven der Hebräischen Universität in Jerusalem freigegeben wurden, belegen mindestens sechs Beziehungen während der zweiten Ehe. Dazu gehörten Betty Neumann, eine von Elsa selbst angestellte Sekretärin, und die Berliner Witwe Ethel Michanowski. Elsa ertrug die Affären mit einer Mischung aus Resignation und stiller Verzweiflung. Einer Vertrauten schrieb sie: „Solche Männer kann man nicht zähmen, man kann sie nur ertragen.

“

1922 brach Einstein zu einer Weltreise auf. Was die Öffentlichkeit erst fast ein Jahrhundert später erfuhr, waren seine privaten Reisetagebücher, die 2018 veröffentlicht wurden. Darin zeigte sich der spätere Bürgerrechtler gegenüber den Bewohnern Chinas und den Arbeitern auf Ceylon von einer Herablassung, die an Verachtung grenzte. Der Mann, der sich in Amerika für die Rechte der Schwarzen einsetzen sollte, schrieb über andere Völker mit einer Kühle, die heutige Leser erschütterte.

Im Dezember 1936 starb Elsa an einem Herz- und Nierenleiden. Kurz nach ihrem Tod schrieb Einstein an einen Bekannten: „Ich habe mich ungeheuer gut an sie gewöhnt, nicht geliebt, nicht vermisst, gewöhnt. “ Ein einziges Wort, das ein ganzes Eheporträt enthielt. Berlin in den 1920er-Jahren war für Einstein zunehmend feindselig geworden.

Bei einer Veranstaltung in der Berliner Philharmonie im August 1920 versuchten die Nobelpreisträger Philipp Lenard und Johannes Stark, die Relativitätstheorie als jüdische Physik zu brandmarken. Einstein kaufte sich eine Eintrittskarte, setzte sich in eine der vorderen Reihen und applaudierte am Ende seinen Anklägern. Zwei Jahre später wurde der Außenminister Walther Rathenau von Rechtsextremisten erschossen. Ein weiterer Name auf der Todesliste war der des Physikers.

Er wurde gewarnt, blieb aber in Berlin, weil er nicht glaubte, dass jemand einen Physiker erschießen würde. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Einstein befand sich zu diesem Zeitpunkt in Kalifornien und kehrte nicht nach Deutschland zurück.

Die Nationalsozialisten konfiszierten sein Haus in Caputh, sein Bankkonto und seine Segelyacht. Seine Bücher brannten auf öffentlichen Plätzen. Seine Cousine Lina wurde nach Auschwitz deportiert und kehrte nicht zurück. Im Sommer 1933 kam es zu einer letzten Begegnung mit seinem Sohn Eduard, der seit etwa drei Jahren an Schizophrenie litt und in der psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich behandelt wurde.

Vater und Sohn standen einander gegenüber, beide wussten, dass es ein Abschied für immer war. Albert Einstein hat seinen jüngeren Sohn nie wieder gesehen. Eduard lebte bis zu seinem Tod 1965 in der Klinik. Die Behandlungsmethoden dieser Zeit, Insulinkuren und Elektroschocks, halfen nicht dauerhaft.

In Princeton, New Jersey, begann für Einstein ein neues Leben. Das Institute for Advanced Study bot ihm eine Stelle ohne Lehrverpflichtung. Er wohnte in einem kleinen Haus in der Mercer Street, ging zu Fuß ins Institut, trug zerknitterte Pullover und keine Socken. Das Bild des freundlichen, zerstreuten Professors wurde weltberühmt.

Doch es gab Momente, die nicht in dieses Bild passten. Als die Opernsängerin Marian Anderson in Princeton kein Hotelzimmer bekam wegen ihrer Hautfarbe, öffnete Einstein ihr sein Haus. Sie spielte in seinem Wohnzimmer Klavier und wohnte bei jedem Besuch in Princeton bei ihm. Er unterstützte die NAACP, verteidigte Paul Robeson und sprach sich öffentlich für Gleichberechtigung aus.

Das FBI überwachte ihn jahrelang. Die Akte umfasste am Ende mehr als 1500 Seiten. Überwachung, Abhöraktionen und Berichte über pazifistische Äußerungen und verdächtige Kontakte wurden gesammelt. Währenddessen lebte zeitweise eine Frau unter seinem Dach, die tatsächlich eine Agentin des sowjetischen Geheimdienstes NKWD war: Margarita Konenkova, Ehefrau des russischen Bildhauers Sergej Konenkow.

Die Beziehung dauerte bis 1945. Ob sie ihn gezielt verführte oder die Zuneigung echt war, lässt sich nicht klären. Sicher ist: Der Mann, den das FBI als sowjetischen Sympathisanten überwachte, teilte sein Bett mit einer tatsächlichen Agentin Moskaus und wusste es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Am 2.

August 1939 unterschrieb Einstein einen Brief an Präsident Franklin D. Roosevelt, den der ungarische Physiker Leo Szilard verfasst hatte. Der Brief warnte davor, dass es theoretisch möglich sei, eine Kettenreaktion in Uran auszulösen und eine Bombe von unvorstellbarer Zerstörungskraft zu bauen. Deutschland könnte daran arbeiten.

Es war sein Name, seine Autorität, sein Gewicht. Sechs Jahre später, am 6. August 1945, fiel eine Atombombe auf Hiroshima. Als die Nachricht Princeton erreichte, saß Einstein in einem Sessel und schwieg lange.

Anwesende deuteten ein leises deutsches Wort als „Wehe mir“. Später schrieb er: „Hätte ich gewusst, dass die Deutschen keinen Erfolg haben würden, hätte ich nichts getan. “ Er nannte die Unterschrift die größte Dummheit seines Lebens. Am Manhattan-Projekt war er nicht beteiligt, die Sicherheitsbehörden ließen ihn nicht zu.

Die letzten Jahre in Princeton wurden stiller. Seine Schwester Maja starb 1951, nachdem er ihr jahrelang jeden Abend vorgelesen hatte. Im Haus lebten noch die Stieftochter Margot, die Sekretärin Helen Dukas und eine Katze. Mit 72 Jahren streckte er bei einem Fototermin die Zunge heraus, weil er die vielen Aufnahmen leid war.

Das Bild wurde zur berühmtesten Fotografie eines Wissenschaftlers in der Geschichte. Er bestellte neun Abzüge und verschickte sie als Postkarten an Freunde. Seit den späten 1920er-Jahren arbeitete Einstein an der einheitlichen Feldtheorie, einer einzigen mathematischen Beschreibung für Gravitation und Elektromagnetismus. Er war überzeugt, dass die Natur einfach sein müsse.

Die jüngere Physik, insbesondere die Quantenmechanik, entwickelte sich unterdessen in eine andere Richtung. Sein berühmter Satz gegenüber Niels Bohr lautete: „Gott würfelt nicht. “ Bohrs Antwort: „Albert, hör auf, Gott vorzuschreiben, was er zu tun hat. “ Die Jahre gaben Bohr recht.

Die einheitliche Feldtheorie blieb ein Traum. Im November 1952 wurde Einstein das Amt des israelischen Staatspräsidenten angeboten. Er lehnte ohne Zögern ab. Er besitze weder die natürliche Begabung noch die Erfahrung für den Umgang mit Menschen, schrieb er.

Gleichungen seien ihm wichtiger als Politik, denn Politik sei für den Augenblick, eine Gleichung aber für die Ewigkeit. Am 13. April 1955 riss die Bauchaorta. Man brachte Einstein ins Princeton Hospital.

Eine Operation sei möglich, erklärte der Chirurg. Einstein antwortete: „Ich habe mein Teil getan. Es ist Zeit zu gehen. Künstlich das Leben zu verlängern ist geschmacklos.

Ich werde es auf elegante Weise tun. “ Am 17. April bat er um Brille, Papier und einen Bleistift und begann zu schreiben. Er füllte zwölf Seiten mit Gleichungen zur einheitlichen Feldtheorie.

Dann legte er den Stift beiseite. Die Gleichungen blieben unvollendet. In der Nacht zum 18. April, um 1:15 Uhr, bewegten sich seine Lippen.

Er sprach auf Deutsch, doch die Nachtschwester verstand die Sprache nicht. Albert Einstein starb im Alter von 76 Jahren. Seine letzten Worte sind für immer verloren. Sein Leichnam wurde noch am selben Tag eingeäschert.

Die Asche wurde in den Delaware River gestreut. Kein Grab, kein Monument. Doch bevor der Leichnam das Krematorium erreichte, geschah etwas Außergewöhnliches: Der Pathologe Thomas Stolz Harvey entnahm bei der Obduktion ohne Erlaubnis der Familie Einsteins Gehirn. Er wog es, fotografierte es und legte es in Formaldehyd.

Er zerschnitt es in 240 Blöcke und verschickte einige an Forscher. Die meisten behielt er in Einmachgläsern in einer Pappschachtel, die er jahrzehntelang durch mehrere Bundesstaaten mitnahm. Er verlor darüber seine Stelle, seine Frau und seine Approbation. 1978 fand ihn ein Journalist in Wichita, Kansas: Hinter dem Kühlschrank stand die Pappschachtel, darin zwei Einmachgläser mit trüber Flüssigkeit und den Überresten des Gehirns.

Erst 1998 übergab Harvey die verbliebenen Teile an ein Museum. Auch die Augen wurden bei der Obduktion entnommen und jahrzehntelang in einem Tresor in New York aufbewahrt. Studien ergaben später, dass die Parietallappen des Gehirns ungewöhnlich groß waren, aber keine Untersuchung konnte erklären, warum dieser Verstand sah, was andere nicht sahen. Mileva Marić starb am 4.

August 1948 in Zürich. Die letzten Jahre waren von Arthritis, Depressionen und Geldsorgen geprägt. Die Kosten für Eduards Behandlung hatten das Vermögen aufgebraucht. Als man nach ihrem Tod die Wohnung räumte, fand man unter ihrer Matratze 85.

000 Schweizer Franken in bar. Ihr Grabstein auf dem Nordheim-Friedhof ist schlicht: ein Name, zwei Daten. Kein Hinweis auf die Tochter, die verschwand, keinen Hinweis auf den Sohn in der Anstalt, keinen Hinweis auf den Mann, der das Universum neu beschrieben hatte. Eduard Einstein starb am 25.

Oktober 1965 im Burghölzli, 55 Jahre alt. Er war zuvor ein begabter junger Mann gewesen, der Klavier spielte, Gedichte schrieb und Freud las. Er hatte Psychiater werden wollen. Die Krankheit kam schleichend um 1930.

Sein Vater schrieb ihm Briefe, aber nicht viele und nicht oft genug. Einmal erklärte er einem Freund, ein Besuch würde Eduard womöglich mehr schaden als nützen. Eduard wurde auf dem Nordfriedhof begraben, nicht weit von seiner Mutter. Hans Albert, der ältere Sohn, wurde Ingenieur und Professor für Hydraulik an der University of California in Berkeley.

Er heiratete gegen den Willen seines Vaters. In jedem Nachruf nach seinem Tod 1973 stand derselbe Satz: „Sohn von Albert Einstein. “

Die Historikerin Michele Zackheim verfolgte jahrelang die Spur des verschwundenen Mädchens Liesl. Sie reiste nach Serbien, durchsuchte Archive und Kirchenbücher und sprach mit Nachkommen der Familie Marić.

Das Ergebnis, veröffentlicht 1999 unter dem Titel „Einsteins Tochter“, war kein Ergebnis. Es gab Hinweise und Andeutungen, aber keinen Beweis: keine Geburtsurkunde, keine Adoptionspapiere, kein Foto. Robert Schulmann, Herausgeber der gesammelten Schriften Einsteins, hielt die Adoption für die wahrscheinlichste Erklärung. Es bleibt die Frage, wie ein Mann, dessen Name zum Inbegriff geistiger Größe wurde, sein eigenes Kind aus seinem Leben tilgen konnte.

Es bleibt der Brief vom September 1903, der nach einer Scharlacherkrankung fragt. Und danach Stille, 52 Jahre lang, in tausenden von Briefen. Das Schicksal von Liesl ist bis heute ungeklärt.