Salvatore Riina (Toto) – Italienischer Mafioso und Anführer der sizilianischen Mafia – Doku

Salvatore Riina (Toto) - Italienischer Mafioso und Anführer der sizilianischen Mafia - Doku

Er galt als Inbegriff des Bösen in Italien, als Mann, der jahrzehntelang Angst und Schrecken verbreitete. Salvatore „Totò“ Riina, der als „Boss der Bosse“ die sizilianische Cosa Nostra regierte, starb 2017 im Gefängnis. Sein Weg an die Spitze der Mafia war geprägt von einer beispiellosen Welle der Gewalt, die nicht vor Frauen, Kindern oder staatlichen Institutionen Halt machte. Riina stammte aus bescheidenen Verhältnissen in Corleone.

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Seine Kindheit war von einer Tragödie überschattet: 1943 starben sein Vater und sein siebenjähriger Bruder bei der Explosion einer nicht detonierten US-Bombe. Mit gerade einmal 13 Jahren übernahm er die Rolle des Familienoberhaupts. Bereits mit 19 Jahren verübte er seinen ersten Mord im Auftrag des örtlichen Clans und trat damit in die Cosa Nostra ein. In den folgenden Jahren kämpfte sich Riina gemeinsam mit Luciano Leggio und Bernardo Provenzano an die Spitze.

Sie schalteten Anhänger des ermordeten Clanchefs Navara aus und bauten ihre Machtbasis systematisch aus. Während Leggio 1974 verhaftet wurde, übernahm Riina die tatsächliche Kontrolle über den Corleoneser-Clan. Er setzte auf eine Strategie der absoluten Konspiration und der offenen Konfrontation mit dem Staat – ein radikaler Bruch mit den ungeschriebenen Regeln der Mafia. In den späten 70er Jahren entfesselte Riina den zweiten Mafiakrieg.

Seine Gegner waren die mächtigen Palermitaner Bosse Stefano Bontade, Salvatore Inzerillo und Gaetano Badalamenti. In einer Reihe von Attentaten wurden sie und ihre Verbündeten getötet. Hunderte Mafiosi verloren ihr Leben. Bis 1983 kontrollierten die Corleoneser faktisch die Cosa Nostra.

Der Preis war hoch: Der Staat reagierte mit beispiellosen Ermittlungen. Ein Wendepunkt war die Entscheidung des Mafioso Tommaso Buscetta, 1984 als erster großer Kronzeuge mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Seine Aussagen ebneten den Weg für den Maxi-Prozess Mitte der 80er Jahre, den größten Mafia-Prozess in der Geschichte Italiens. Hunderte Mafiosi wurden verurteilt, Riina selbst erhielt in Abwesenheit eine lebenslange Haftstrafe, da er sich weiterhin auf der Flucht befand.

Als Reaktion auf den Druck des Staates befahl Riina eine Reihe von Anschlägen im Stil terroristischer Aktionen. Am 23. Dezember 1984 explodierte eine Bombe im Schnellzug Rapido 904 auf der Strecke von Neapel nach Mailand. Der Zug befand sich im Apennin-Basistunnel, als die Bombe im neunten Wagen detonierte.

16 Menschen starben, 266 wurden verletzt. Zunächst wurde der Anschlag politischen Extremisten zugeschrieben, doch schon bald führten die Ermittlungen in eine andere Richtung. Ein Augenzeuge hatte zwei Männer beobachtet, die am Bahnhof von Florenz Taschen im Gepäckfach des neunten Wagens abstellten. 1985 wurde der Mafioso Giuseppe Calò verhaftet, in dessen Versteck man Sprengstoff und Zünder fand, die mit dem Anschlag in Verbindung standen.

Der Fall nahm eine dramatische Wendung, als sich herausstellte, dass die Explosion die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von den Ermittlungen gegen die Mafia ablenken sollte. Hinter dem Anschlag standen nicht nur die Cosa Nostra, sondern auch neapolitanische Camorra, neofaschistische Gruppen und die Freimaurerloge Propaganda Due. Im ersten Prozess wurden mehrere Mafiosi zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Das Verfahren zog sich über Jahre hin und führte zu widersprüchlichen Urteilen.

Erst am 24. November 1992 bestätigte das Kassationsgericht die Strafen und erkannte offiziell an, dass die Cosa Nostra hinter dem Anschlag stand. Die Attentate auf die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino im Jahr 1992 markierten den Höhepunkt von Riinas Terrorherrschaft. Am 23.

Mai kamen Falcone, seine Ehefrau und drei Polizisten bei einem Sprengstoffanschlag auf der Autobahn A29 ums Leben. Nur zwei Monate später wurde Borsellino zusammen mit fünf Polizisten vor dem Haus seiner Mutter getötet. Beide Explosionen waren direkt von Riina angeordnet. Italien war im Schockzustand, die Bevölkerung ging auf die Straße.

Die Welle der Gewalt zog eine massive Repressionswelle gegen die Cosa Nostra nach sich. Im Jahr 1992 wurde auch bekannt, dass die beim Zuganschlag verwendete Sprengstoffart identisch mit der war, die bei dem Attentat auf Borsellino benutzt wurde. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass das Weihnachtsmassaker Teil von Riinas umfassenderem Kriegsplan gegen den Staat war. Am 15.

Januar 1993 wurde Riina nach 23 Jahren auf der Flucht in Palermo verhaftet. Seine Festnahme löste Euphorie aus, aber auch eine neue Serie blutiger Anschläge. Die Mafia schlug mit einer Terrorwelle zurück, die Italien in Atem hielt. Immer wieder kam es zu schweren Explosionen, bei denen viele Menschen verletzt oder getötet wurden.

Am 27. Mai 1993 erschütterte eine Explosion das historische Zentrum von Florenz. Gegen 1 Uhr nachts detonierte eine Bombe in der engen Via dei Georgofili, direkt neben den Uffizien. Die Statik des Torre dei Pulci brach zusammen, die Familie Nencioni wurde unter den Trümmern begraben.

Vater Fabrizio, Mutter Angela, die neunjährige Tochter Nadia und das erst zwei Monate alte Baby Caterina starben. Auch der 22-jährige Student Dario Capolio wurde getötet. Die Explosion beschädigte Teile der Uffizien schwer, ein Viertel der Kunstwerke wurde beschädigt, manche für immer zerstört. Die Anschläge riefen jedoch nicht die gewünschte Einschüchterung hervor, sondern noch größeren Zorn und Entschlossenheit.

Die Öffentlichkeit war fassungslos, als bekannt wurde, dass Riina all die Jahre nahezu unbehelligt in Palermo gelebt hatte. Er ließ sich wegen Diabetes behandeln und meldete seine Kinder unter ihrem richtigen Namen im Krankenhaus an. Viele glaubten, die Behörden hätten jahrelang beide Augen vor seiner Präsenz verschlossen. Riina wurde in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt.

Gegen ihn lagen über 100 lebenslange Haftstrafen vor. Seine Führungsrolle in der Cosa Nostra übernahm Bernardo Provenzano, der erst 2006 verhaftet wurde. Riinas Söhne Giovanni und Giuseppe folgten den Spuren ihres Vaters und wurden ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt. Die Persönlichkeit Riinas blieb von Widersprüchen geprägt.

Mafia-Aussteiger Antonio Calderone beschrieb ihn als Mann mit geringer Bildung, aber starkem Instinkt. Er galt als unberechenbare Person, fähig, im selben Moment ein liebevoller Familienvater und ein gnadenloser Mörder zu sein. Calderone erzählte, Riina habe auf der Beerdigung von Calderones Bruder, dessen Ermordung er selbst befohlen hatte, eine so bewegende Rede gehalten, dass alle Anwesenden in Tränen ausbrachen. Eines der grausamsten Verbrechen war die Ermordung des elfjährigen Giuseppe Di Matteo, Sohn eines Kronzeugen.

Der Junge wurde fast zwei Jahre lang gefangen gehalten, bevor er erdrosselt und seine Leiche in Säure aufgelöst wurde. Riina schickte sogar seinen eigenen Sohn aus, um einen Geschäftsmann zu ermorden, als Initiation und Botschaft, dass niemand von der Gewalt ausgenommen sei. Giovanni Brusca, einer von Riinas treuesten Vollstreckern, sagte später aus, Riina habe auch die Platzierung von Bomben an Sehenswürdigkeiten wie dem Schiefen Turm von Pisa geplant. Solche Anschläge wurden nie ausgeführt.

Brusca behauptete außerdem, Riina habe es für legitim gehalten, dass auch Kinder von Personen, die mit den Behörden kooperierten, Ziele sein könnten. Riina starb am 17. November 2017 im Gefängnis von Parma im Alter von 87 Jahren. Er zeigte keine Reue.

Ärzte bestätigten, dass er bis zum Ende bei vollem Bewusstsein war. Er soll gesagt haben, er bereue nichts und könne auch 3000 Jahre im Gefängnis aushalten. Nach Riinas Tod gab die Cosa Nostra die Taktik der Massaker auf und konzentrierte sich auf wirtschaftlichen Gewinn durch Korruption und die Infiltration staatlicher Ausschreibungen.

Die Mafia verschwand nicht, sie passte sich nur an.