Frank Costello, geboren als Francesco Castiglia im Jahr 1891 in Kalabrien, stieg aus ärmlichsten Verhältnissen zur mächtigsten Figur der amerikanischen organisierten Kriminalität auf. Der Mann, der später als „Premierminister der Unterwelt“ bekannt wurde, baute sein Imperium nicht in erster Linie auf Gewalt, sondern auf Bestechung, Diplomatie und einem Netzwerk politischer Verbindungen, das bis in die höchsten Etagen der New Yorker Politik reichte. Im Alter von 15 Jahren verließ Costello 1906 seine Heimat in Italien und emigrierte nach New York. Dort arbeitete er zunächst als Kleinkrimineller, bevor er während der Prohibitionszeit mit dem Schmuggel von Alkohol begann.

Entscheidend für seinen Aufstieg war die Freundschaft zu Salvatore „Lucky“ Luciano, die er 1918 schloss. Gemeinsam mit Luciano, Meyer Lansky und Benjamin „Bugsy“ Siegel erkannte er das riesige Geschäftspotenzial, das das Alkoholverbot ab 1920 bot. In dieser Zeit legte Francesco Castiglia seinen italienischen Namen ab und wurde zu Frank Costello. Costellos eigentliche Genialität zeigte sich jedoch nicht in Schießereien, sondern in seiner Fähigkeit, Konflikte zu vermeiden und Einfluss zu kaufen.
Sein berühmtes System namens „Grease Bank“ – ein Fonds von 5. 000 Dollar – diente dazu, Politiker, Richter und Polizeibeamte systematisch zu bestechen. Über die mächtige demokratische Parteimaschine Tammany Hall knüpfte er Verbindungen, die seine kriminellen Geschäfte jahrzehntelang vor Strafverfolgung schützten. Zu seinen politischen Verbündeten zählte unter anderem der New Yorker Bürgermeister James J.
Walker, der im Gegenzug für Wahlkampfspenden wegschaute. Die blutige Castellammarese-Krise zu Beginn der 1930er-Jahre stellte eine entscheidende Bewährungsprobe dar. Der Konflikt zwischen den verfeindeten Mafiabossen Joe Masseria und Salvatore Maranzano drohte Costello und seine Verbündeten zu verschlingen. Als Diplomat lavierte sich Costello durch das gefährliche Geflecht aus Bündnissen und Verrat.
Lucky Luciano ließ Masseria 1931 ermorden; kurz darauf wurde auch Maranzano ausgeschaltet. Im Ergebnis entstand die Struktur der Fünf Familien, die die organisierte Kriminalität in New York über Jahrzehnte dominieren sollte. Costello sicherte sich in diesem neuen Gefüge eine führende Position als Berater und Vermittler. Sein Stil unterschied sich deutlich von dem anderer Mafiabosse.
Während Rivalen auf Einschüchterung und Gewalt setzten, verließ sich Costello auf Charme, Intelligenz und Überzeugungskraft. Er verstand es, als seriöser Geschäftsmann aufzutreten und gleichzeitig im Verborgenen ein weites Netz aus Glücksspiel, Kredithai-Geschäften, Schutzgelderpressung und Drogenhandel zu kontrollieren. Sein Doppelleben als respektierter Unternehmer und mächtiger Krimineller machte ihn zu einer der schillerndsten Figuren seiner Zeit. Doch sein Aufstieg weckte Neid.
Der mächtigste Rivale war Vito Genovese, ein gewalttätiger und ehrgeiziger Gangster, der Costellos Autorität zunehmend infrage stellte. Die Rivalität eskalierte, als ein gedungener Attentäter namens Vincent „The Chin“ Gigante Costello 1953 niederschießen ließ. Costello überlebte den Anschlag, musste aber fortan unter ständiger Bewachung leben. Der entscheidende Wendepunkt kam 1951 mit den landesweit im Fernsehen übertragenen Anhörungen des Kefauver-Komitees, das die Macht der organisierten Kriminalität in den USA untersuchte.
Costello wurde vorgeladen und musste sich den Fragen der Senatoren stellen. Seine wirksamste Waffe war die wiederholte Berufung auf den fünften Verfassungszusatz, um eine Selbstbelastung zu vermeiden. Als das Komitee verlangte, sein Gesicht im Fernsehen zu zeigen, weigerte sich Costello demonstrativ und erklärte, sein Gesicht habe keine besondere Bedeutung. Diese berühmt gewordene Weigerung schützte seine Anonymität, konnte aber nicht verhindern, dass die Anhörungen sein sorgfältig gepflegtes öffentliches Image zerstörten.
In der Folge verlor Costello zunehmend an Macht und Ansehen. Seine politischen Verbündeten wandten sich ab, und innerhalb der Mafia wuchs der Druck. 1957 orchestrierte Vito Genovese schließlich erfolgreich die Absetzung Costellos als Oberhaupt der Luciano-Familie. Der einst allmächtige „Premierminister der Unterwelt“ war entmachtet und zog sich weitgehend aus dem Geschäft zurück.
Sein Einfluss wirkte jedoch über seinen Tod hinaus fort. Bis in die Gegenwart gilt Frank Costello als Vorlage für die Figur des Vito Corleone in Mario Puzos Roman „Der Pate“. Historiker und Kriminologen sehen in seinem Aufstieg und Fall bis heute ein Lehrstück über die Vergänglichkeit krimineller Macht und die zerstörerischen Folgen ungezügelten Ehrgeizes.