Al Capone, der in einer rauen Einwanderergegend in Brooklyn aufwuchs, stieg in den 1920er-Jahren zum mächtigsten Gangsterboss Chicagos auf. 1899 als Sohn italienischer Einwanderer geboren, geriet der junge Alphonse Gabriel Capone früh mit dem Gesetz in Konflikt und machte sich in den Straßengangs einen Namen als rücksichtsloser Kämpfer. Seine Wende kam, als er den erfahrenen Gangster Johnny Torio kennenlernte, der sein Potenzial erkannte und ihn in die Kunst des organisierten Verbrechens einführte. 1919 folgte Capone Torio nach Chicago, wo die Prohibition ab 1920 ein riesiges Schwarzmarktgeschäft mit Alkohol eröffnete.

Unter Torios Anleitung baute Capone ein Netz aus illegalen Brennereien, Bars und Vertriebswegen auf und erwarb sich einen Ruf für Effizienz und Brutalität. Eine Messernarbe im Gesicht brachte ihm den Spitznamen „Scarface“ ein. Im Jahr 1925 überlebte Torio ein Attentat, woraufhin er sich zurückzog und Capone die Kontrolle über das kriminelle Imperium übernahm. Mit gerade einmal 26 Jahren wurde Capone zum unangefochtenen Herrscher der Chicagoer Unterwelt.
Er dehnte seine Geschäfte auf Glücksspiel, Prostitution und Schutzgelderpressung aus und erzielte auf dem Höhepunkt seiner Macht geschätzte Einnahmen von bis zu 100 Millionen Dollar pro Jahr. Capone verstand es, seine kriminellen Aktivitäten hinter einer Fassade aus Geschäftsmann- und Philanthropen-Image zu verbergen. Er spendete für wohltätige Zwecke, verkehrte in der Öffentlichkeit und pflegte Kontakte zu Politikern, Polizisten und Richtern, die er großzügig bestach. Diese Korruption schützte sein Imperium lange Zeit vor Strafverfolgung.
Gleichzeitig schreckte er nicht vor extremer Gewalt zurück. Konkurrierende Banden, die in sein Revier eindrangen, wurden erbarmungslos ausgeschaltet. Am 14. Februar 1929 erreichte die Gewalt ihren blutigen Höhepunkt.
In der berüchtigten Valentinstags-Massaker ließ Capone sieben Mitglieder der Bande seines Rivalen Bugs Moran in einem Lagerhaus in North Clark Street erschießen. Die Täter trugen Polizeiuniformen und täuschten eine Razzia vor, bevor sie ihre Opfer in einer Salve aus Maschinenpistolen töteten. Das Verbrechen schockierte die amerikanische Öffentlichkeit und zerstörte Capones sorgfältig gepflegtes Image. Der öffentliche Aufschrei war so groß, dass die Bundesregierung unter Präsident Herbert Hoover handelte und eine Sondereinheit unter der Leitung von Eliot Ness bildete.
Diese Gruppe, die als „The Untouchables“ bekannt wurde, sollte Capone endlich zur Strecke bringen. Ness und seine Männer erkannten, dass eine Verurteilung wegen Gewaltverbrechen in Capones korruptem Umfeld nahezu unmöglich war. Stattdessen konzentrierten sie sich auf die finanziellen Vergehen des Gangsters. Durch akribische Ermittlungen, die Überwachung seiner Transaktionen und die Zusammenarbeit mit der Steuerbehörde bauten sie einen Fall wegen Steuerhinterziehung auf.
Der Prozess im Jahr 1931 endete mit einer Verurteilung. Capone wurde zu elf Jahren Gefängnis verurteilt, nicht wegen Mordes, sondern wegen Steuerhinterziehung. Die Elite, die Capone jahrelang geschützt hatte, fiel auseinander, und die Nation feierte den Sieg der Justiz über das organisierte Verbrechen. Im Gefängnis begann Capones gesundheitlicher Niedergang.
Er litt an fortgeschrittener Syphilis, die sein Gehirn zerstörte. Nach seiner Verbüßung in Alcatraz und anderen Haftanstalten wurde er 1939 entlassen und zog sich nach Florida zurück. Seine geistigen Fähigkeiten waren schwer beeinträchtigt, sein Einfluss auf die Unterwelt längst verloren. 1947 starb er im Alter von nur 48 Jahren als gebrochener Mann.
Sein Aufstieg und Fall hinterließen jedoch bleibende Spuren. Die Ermittlungsmethoden gegen Capone, insbesondere die Verfolgung von Finanzverbrechen, wurden zu einem Vorbild für spätere Razzien gegen die Mafia. Die Gründung des FBI im Jahr 1935 und das spätere RICO-Gesetz von 1970 waren direkte Reaktionen auf die Herausforderungen, die Capones Organisation aufgedeckt hatte. In der Populärkultur wurde Capone zur legendären, teils romantisierten Figur, die bis heute durch Filme, Bücher und Serien die Fantasie der Öffentlichkeit beflügelt.
Die tatsächliche Brutalität und die menschlichen Kosten seines Regimes werden dabei oft übersehen. Historiker und Soziologen betonen, dass seine Geschichte eine warnende Lehre über die Gefahren ungezügelter Macht, tief verwurzelter Korruption und des amerikanischen Traums ist, der in sein Gegenteil umschlagen kann.