Gerechtigkeit für 335 Opfer in Rom: Die Abrechnung mit NS-Tätern

Gerechtigkeit für 335 Opfer in Rom: Die Abrechnung mit NS-Tätern

Am 23. März 1944 erschütterte eine Explosion das Herz Roms. In der Via Rasella detonierte eine Bombe, als eine Einheit des deutschen SS-Polizeiregiments „Bozen“ vorbeimarschierte. Die meisten der getöteten Soldaten stammten aus Südtirol.

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Bei dem Anschlag der kommunistischen Widerstandsgruppe kamen 33 Deutsche ums Leben, Dutzende weitere wurden verwundet. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt: Es war der Jahrestag der Gründung von Mussolinis faschistischen Kampfbünden. Die Antwort der Besatzer folgte binnen Stunden. Noch am selben Abend tagte die deutsche Führung in Rom, um über die Vergeltung zu entscheiden.

Hitler persönlich gab die Richtung vor: Für jeden getöteten Deutschen sollten zehn Italiener sterben. Schon am folgenden Tag, dem 24. März 1944, wurde der Befehl in die Tat umgesetzt. In den ardeatinischen Höhlen am Stadtrand Roms erschossen deutsche Einheiten 335 Männer – Zivilisten, politische Gefangene und Juden.

Die Zahl übertraf die geforderte Quote noch, weil kurz vor der Hinrichtung weitere Gefangene nachgeliefert wurden. Die Opfer wurden gezwungen, sich in Gruppen aufzuteilen, und anschließend aus nächster Nähe erschossen. Das Massaker war Teil eines brutalen Besatzungsregimes, das sich seit dem italienischen Waffenstillstand im September 1943 über Mittel- und Norditalien gelegt hatte. Nach der Landung der Alliierten in Sizilien und dem Sturz Mussolinis hatte Italien den Krieg gegen Deutschland faktisch beendet.

Die Wehrmacht reagierte umgehend mit der Besetzung großer Teile des Landes. Italienische Soldaten wurden entwaffnet und interniert, deutsche Truppen übernahmen die Kontrolle über Rom und andere Städte. Mussolini wurde von deutschen Fallschirmjägern aus der Haft befreit und an der Spitze der faschistischen Sozialrepublik von Salò erneut eingesetzt – ein reiner Marionettenstaat unter deutscher Aufsicht. Unter der Besatzung herrschte Terror.

Die SS führte Verhaftungen, Verhöre und Folter durch. Jüdische Familien wurden aufgespürt, deportiert oder an Ort und Stelle ermordert. Politische Gegner und mutmaßliche Partisanen verschwanden in Gefängnissen. Der Widerstand reagierte mit Sabotageakten, Attentaten und Bombenanschlägen.

Die Deutschen antworteten mit Kollektivstrafen: Geiseln wurden erschossen, ganze Ortschaften niedergebrannt, Zivilisten als Vergeltung getötet. Das Massaker in den ardeatinischen Höhlen war das blutigste Ereignis dieser Art in der Stadt. Die Erinnerung an dieses Verbrechen blieb über Jahrzehnte wach. Der Fall beschäftigte später auch die Justiz.

In den 1990er-Jahren wurden Ermittlungen gegen ehemalige deutsche Offiziere eingeleitet, die an den Erschießungen beteiligt gewesen sein sollen. Einige Verfahren endeten mit Haftstrafen, die allerdings nie vollstreckt wurden. Die deutschen Verantwortlichen wurden nie ausgeliefert, und nur wenige kamen jemals vor Gericht.

Bis heute gilt das Massaker als Symbol für die deutsche Besatzungspolitik in Italien und für die Verbrechen, die im Namen der Vergeltung begangen wurden.