Die Überlebende Dita Kraus, geboren 1929 in Prag als Dita Polach, ist eine der letzten Zeitzeuginnen des Holocaust, die noch aus eigener Erfahrung berichten kann – und ihre Geschichte ist ein eindringliches Zeugnis von Leid, Verlust und einem Überlebenswillen, der bis heute nachwirkt.

Ihre Odyssee begann im September 1938, als Adolf Hitler, der deutsche Reichskanzler, mit einem Krieg drohte, falls das Sudetenland – ein Grenzgebiet der Tschechoslowakei mit deutschstämmiger Bevölkerung – nicht an Deutschland abgetreten würde. Am 29. und 30.
September 1938 hielten die Staats- und Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Deutschlands eine Konferenz in München ab und stimmten der deutschen Annexion des Sudetenlandes zu – im Gegenzug für eine Friedenszusage Hitlers. Die Tschechoslowaken wurden zu dieser Konferenz nicht einmal eingeladen.
Weniger als sechs Monate später, am 15. März 1939, überfiel und besetzte Nazi-Deutschland unter Verletzung des Münchner Abkommens die tschechischen Provinzen Böhmen und Mähren. Adolf Hitler selbst traf in Prag ein und proklamierte am 16.
März 1939 von der Prager Burg aus das Protektorat Böhmen und Mähren. Mehr als 118. 000 Juden, die im Protektorat lebten, gerieten unter die Herrschaft der Nazis.
Eine von ihnen war Dita Polach.
Gesellschaftlich ausgegrenzt in den Jahren der Besatzung und nach einem Jahr Internierung im Ghetto Theresienstadt wurden Dita und ihre Eltern im Dezember 1943 schließlich in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Zwischen dem 26. Oktober 1942 und dem 28.
Oktober 1944 schickten die Deutschen fast 47. 000 Juden aus Theresienstadt in 27 Transportzügen nach Auschwitz. Während in Theresienstadt ein Menschenleben wenigstens noch einen geringen Wert hatte, war dies in Auschwitz nicht mehr der Fall.
Als Ditas Transport in Auschwitz ankam, war es Nacht. Die erschöpften Ankömmlinge wurden von grellem Licht geblendet. SS-Männer mit Hunden, die sie angreifen wollten, säumten den Bahnsteig.
Häftlinge in gestreiften Uniformen schlugen sie mit Stöcken. Sie wurden aufgefordert, ihr Gepäck abzulegen und sich in zwei Kolonnen aufzustellen – Männer und Jungen in der einen, Frauen und Mädchen in der anderen.
Frauen und Mädchen wurden in einen Holzschuppen gebracht, wo sie die Nacht auf dem kalten, harten Boden sitzend verbrachten. Am Morgen mussten sich Dita, ihre Mutter und die anderen Frauen ausziehen, eine kalte Dusche nehmen und dann durchgefroren und nass durch den Schnee zu einer anderen Baracke laufen, wo sie alte Zivilkleidung und abgetragene Schuhe bekamen – keine gestreiften Uniformen wie die übrigen Auschwitz-Häftlinge. Da Dita, die jetzt 14 Jahre alt war, beim Duschen ihre Schuhe anbehielt, konnte sie diese retten.
Dann wurden alle Häftlinge am linken Arm tätowiert. Von diesem Moment an wurde Dita nicht mehr bei ihrem Namen gerufen – sie wurde zur Nummer 73305.
Der gesamte Transport kam in das sogenannte Familienlager Theresienstadt, wie der Lagerbereich BIIb im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau genau genannt wurde. Es war am 8. September 1943 für die Juden aus dem Ghetto Theresienstadt eingerichtet worden, als eines von mehreren Bereichen des Außenlagers Auschwitz-Birkenau, in das zwischen 1943 und 1944 etwa 18.
000 Juden aus dem Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Nach dem sogenannten Zigeunerfamilienlager war dies das zweite Lager, in dem Männer, Frauen und Kinder gemeinsam untergebracht waren, aber in getrennten Schlafbereichen. Es wurde von den Nazis zu Propagandazwecken eingerichtet, ansonsten herrschten jedoch die gleichen Lebensbedingungen wie in den anderen Lagern: Hunger, Schläge, harte Arbeit, Kälte und der Mangel an so alltäglichen Dingen wie einem Handtuch, einem Kamm oder Toilettenpapier.
Das Familienlager Theresienstadt in Auschwitz-Birkenau bestand aus zwei Holzbaracken, ursprünglich Pferdeställen, fensterlos mit nur schmalen Öffnungen unter dem Dach. In jeder dieser Baracken waren 300 Häftlinge untergebracht. In einer Baracke war ein Waschraum eingerichtet mit einer Reihe von Wasserhähnen, aus denen kaltes, bräunliches Wasser tropfte.
Eine andere Baracke diente als Latrine. Dort waren über der Grube lange Betonblöcke mit Löchern angebracht, die durch einen Streifen Sackleinen in Reihen für Männer und Frauen abgeteilt waren – was viele Gefangene als zusätzliche Demütigung empfanden.
Als die Menschen trafen, die drei Monate zuvor von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert worden waren, musste Dita feststellen, wie sehr sie sich verändert hatten. Ihre Haut war blass und grau, und niemand lächelte. Sie erzählten seltsame Dinge über Gaskammern und den Schornstein, in dem sie alle enden würden.
Ihr Gesichtsausdruck war befremdlich, und ihre Augen waren groß und leer. Wenn sie auf die Schornsteine zeigten, aus denen nachts Flammen emporschossen und graue Asche wie Schnee die Luft erfüllte, verstanden die Neuankömmlinge nicht, was sie meinten. Doch schließlich verstand Dita, dass die Asche und der Geruch aus den Krematorien kamen, in denen die Leichen der in der Gaskammer Ermordeten verbrannt wurden.

Die Häftlinge mussten morgens und nachmittags zum Appell antreten und wurden gezählt. Wenn die Zahlen nicht stimmten, wurde der Appell verlängert und dauerte oft stundenlang, was für die Häftlinge besonders bei schlechtem Wetter qualvoll sein konnte. Die einzige Nahrung, die sie erhielten, war eine Schüssel Suppe am Mittag und am Abend ein Stück Brot mit einem Löffel Margarine oder Marmelade.
Die Gefangenen waren so hungrig, dass sie an nichts anderes denken konnten als an Essen.
Eines Tages im Februar sah Dita, dass ihr Vater nicht zum Appell angetreten war. Als es dunkel war, gelang es ihr, sich in seine Männerbaracke zu schleichen. Er lag mit geschlossenen Augen auf seiner Pritsche.
Als sie sah, dass er seine Suppe nicht gegessen hatte, wusste sie, dass sich sein Tod abzeichnete. Er starb noch in derselben Nacht. Ditas Mutter wusste nichts davon – sie lag wegen einer ansteckenden Infektion in der Isolationsbaracke, und Dita durfte sie nicht besuchen.
Sie teilte ihr die traurige Nachricht durch einen Schlitz in der Holzwand mit. Später waren sie beide dafür dankbar, dass er auf seiner Pritsche und nicht in den Gaskammern gestorben war.
Eines der Privilegien im Familienlager Theresienstadt war die Einrichtung des Kinderblocks. Er befand sich in der Baracke Nummer 31. Die Kinder konnten sich dort tagsüber bis zum Nachmittagsappell aufhalten.
Der Block war leer bis auf kleine Hocker, auf denen die Kinder in verschiedenen Altersgruppen im Kreis saßen, mit je einem Erwachsenen, der für sie verantwortlich war. Sie spielten Ratespiele oder sangen oder wurden auch heimlich unterrichtet. Das alles geschah natürlich mündlich – es gab weder Spielzeug noch Papier oder Stifte.
Die einzigen Hilfsmittel waren ein Dutzend Bücher, die Häftlinge, die für das Sortieren des Gepäcks der ankommenden Transporte zuständig waren, hereingeschmuggelt hatten. Dita war die Verantwortliche für die Bücher – sie war die Bibliothekarin des Lagers.
Leiter des Kinderblocks war Freddy Hirsch, den Dita aus Prag und Theresienstadt kannte. Hirsch hatte es geschafft, den Lagerkommandanten davon zu überzeugen, den Kinderblock zuzulassen, weil er die Kinder beschäftigen würde, während ihre Eltern Zwangsarbeit leisten mussten. Hirsch gelang es auch, zusätzliche Lebensmittel für die Kinder zu beschaffen.
Er sorgte dafür, dass der Kinderblock beheizt wurde und die Appelle für die Kinder drinnen stattfanden. Hirsch achtete sehr streng auf die Hygiene der Kinder, bestand darauf, dass sie sich täglich wuschen, selbst im eisigen Winter 1943/44, und führte regelmäßige Kontrollen auf Läuse durch. Dank seiner Bemühungen lag die Sterblichkeitsrate der Kinder fast bei null, während die Gesamtsterblichkeit der Bewohner des Familienlagers in den ersten sechs Monaten bei etwa 25 Prozent lag.
Im Februar 1944 erkannte die Widerstandsbewegung in Auschwitz die Bedeutung des Zeichens SB6, das hinter jedem Häftlingsnamen in der Kartei des Familienlagers vermerkt war. Es handelte sich um die Abkürzung für Sonderbehandlung, was Ermordung in der Gaskammer bedeutete. Die Sechs stand für den Zeitpunkt, also Ermordung nach sechs Monaten.
Daraufhin beschlossen einige Lagerinsassen einen Aufstand. Sie planten, die Baracken in Brand zu setzen, das Tor zu durchbrechen und um ihr Leben zu rennen. Freddy Hirsch wurde als einer der Anführer des Ausbruchs ausgewählt.
Er starb jedoch noch am selben Tag unter bisher nicht genau geklärten Umständen.
Eines der möglichen Szenarien geht davon aus, dass er etwa eine Stunde vor Beginn des Aufstandes um ein Beruhigungsmittel bat. Die inhaftierten Ärzte hatten jedoch nur Schlafmittel und verabreichten Freddy absichtlich eine Überdosis, um ihn daran zu hindern, den Aufstand anzuführen. Dr.
Mengele hatte ihnen nämlich versprochen, dass er sie zurückrufen werde, da er sie im Krankenblock brauchte. Ein gescheiterter Aufstand, so nahmen die Ärzte an, hätte auch ihr Leben bedroht. Freddy Hirsch fiel in einen tiefen Schlaf und war nicht in der Lage, den Aufstand mit seiner Trillerpfeife auszulösen.
Später am selben Tag wurde Freddy auf einer Bahre zusammen mit den anderen 3. 800 Männern, Frauen und Kindern des Septembertransports auf Lastwagen verladen und in die Gaskammern gefahren, wo sie getötet wurden. Die Ärzte wurden vorher tatsächlich in das Familienlager zurückgerufen.
Nach der Liquidierung des Septembertransports gingen die Aktivitäten im Kinderblock mit einem neuen Blockführer weiter. Aber Dita, die im Dezember 1943 nach Auschwitz gekommen war, wusste, dass ihr Leben sechs Monate nach ihrer Ankunft, nämlich im Juni 1944, enden würde. Im Mai dieses Jahres kamen jedoch neue Befehle aus Deutschland: Unter den Häftlingen sollten Männer und Frauen für die Arbeit in der deutschen Rüstungsindustrie ausgewählt werden.
Der Arzt, der die Selektion durchführte, war in Auschwitz als Todesengel bekannt – es war Josef Mengele.

Männer zwischen 16 und 45 Jahren und Frauen zwischen 16 und 40 Jahren wurden aufgefordert, sich zu melden. Sie mussten sich ausziehen, stramm stehen und drei Worte sagen: ihre Tätowierungsnummer, ihr Alter und ihren Beruf. Dita war noch keine 15 Jahre alt, aber sie wusste, dass sie in der Gaskammer ermordet werden würde, wenn sie nicht für die Arbeit ausgewählt würde.
Sie gab vor, 16 Jahre alt zu sein, meldete sich zur Selektion und nannte als Beruf Malerin. Mengele fragte: „Zimmermalerin oder Portraitmalerin? “ Dita antwortete: „Portraitmalerin.
“ Dann fragte Mengele: „Kannst du mein Portrait malen? “ Sie antwortete: „Jawohl. “ Mit einer Handbewegung schickte Mengele sie zu der Gruppe, die für die Schwerstarbeit bestimmt war.
Aber Ditas Mutter war zu einer anderen Gruppe eingeteilt. Irgendwie schaffte sie es, sich noch einmal in die Reihe zu schleichen und sich unbemerkt zwischen andere dünne Frauen zu stellen. Sie wurde diesmal in die Gruppe geschickt, in der auch Dita war.
Das sogenannte Theresienstädter Familienlager wurde im Juli 1944 aufgelöst. Die verbliebenen 7. 000 Männer, Frauen, Kinder und Säuglinge wurden in den Gaskammern ermordet.
Etwa 2. 000 Frauen und 1. 000 Männer, die die Selektion überlebten, wurden mit dem Zug in andere Lager in Nazi-Deutschland geschickt, wie Stutthof oder die Außenlager von Neuengamme bei Hamburg.
Dita kam dort an, zusammen mit ihrer Mutter und anderen Frauen aus Auschwitz. Gegen Ende des Krieges erreichte die Todesrate unter den Häftlingen im KZ Neuengamme und seinen Außenlagern, die stetig gestiegen war, katastrophale Ausmaße. Im Winter 1944/1945 starben monatlich 1.
700 Häftlinge, allein im Februar 1945 waren es fast 2. 500. Dita und die anderen Gefangenen waren regelmäßigen Fliegerangriffen ausgesetzt.
Fast jede Nacht gab es zwei bis drei Luftangriffe, und die Gefangenen mussten in Keller hinabsteigen, in denen es von Ratten wimmelte.
Die Häftlinge mussten um 5 Uhr morgens aufstehen, sich zum Appell aufstellen und dann zu den ihnen zugewiesenen Plätzen marschieren, um außerhalb des Lagers schwere Arbeiten zu verrichten. Dabei konnte es sich um das Einsammeln von Ziegelsteinen aus den zerbombten Häusern und deren Stapelung zur Wiederverwendung handeln, das Ausheben von Gräben oder das Schneeschaufeln auf den Straßen. Manchmal überließen die deutschen Einwohner, die selbst unter den Bombenangriffen litten, den hungernden Häftlingen etwas zu essen.
Im März 1945 räumte die SS die Außenlager von Neuengamme, und die Häftlinge, darunter Dita und ihre Mutter, wurden in das Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht. Die sanitären Bedingungen in Bergen-Belsen waren katastrophal. Es gab kein Wasser zum Waschen und kaum genug zum Trinken.
Zwischen Januar und März 1945, als die Inhaftierten aus den anderen Konzentrationslagern auf Todesmärsche geschickt wurden, war etwa ein Drittel der Häftlinge bereits tot. Die mit den Transporten ankamen, und fast 80 Prozent der übrigen mussten mit Lastwagen vom Bahnhof abgeholt werden, da sie zu schwach und krank waren, um zu laufen.
Während der Todesmärsche erhielten die Häftlinge fast keine Nahrung, und auch bei ihrer Ankunft im Lager gab es nichts zu essen. Das Lager war so überfüllt, dass die Insassen in den eiskalten Wintermonaten auf dem Boden sitzend schlafen mussten. Für zehntausende von Gefangenen gab es nur 200 Decken.
Im Durchschnitt starben täglich zwischen 250 und 300 Inhaftierte. Sie verhungerten, verdursteten oder erlagen einer Typhus-Epidemie.
Als die britische 11. Panzerdivision am 15. April 1945 Bergen-Belsen befreite, fand sie fast 13.
000 unbestattete Leichen und fast 60. 000 kranke und ausgehungerte Häftlinge vor. Auch in den Monaten nach der Befreiung des Lagers starben noch tausende von ihnen an Krankheiten wie Typhus und Tuberkulose.
Die Häftlinge erhielten endlich Essen und Kleidung. Wegen der Typhus-Epidemie und des Läusebefalls wurde das Lager niedergebrannt. Gefangene, SS-Wachmänner und Frauen mussten dabei helfen, die Leichen in Massengräbern zu begraben.

Unter den befreiten Häftlingen waren auch Dita und ihre Mutter Elisabeth. Dita, die Fließend Tschechisch, Deutsch und Englisch sprach, meldete sich freiwillig als Dolmetscherin. Doch ein paar Tage später erkrankte sie an Typhus.
Während sich Dita erholte, arbeitete ihre Mutter Elisabeth, die neben Tschechisch auch Deutsch, Englisch und Französisch beherrschte, freiwillig als Sekretärin für den britischen Lagerkommandanten.
Im Juni 1945 wurden die befreiten Häftlinge, die sich von Typhus erholt hatten und nicht mehr ansteckend waren, zur Erholung nach Schweden eingeladen. Dita und ihre Mutter wollten ebenfalls nach Schweden, aber die Mutter brauchte einen Nachweis, dass sie nicht ansteckend war. Deshalb täuschte sie eine Krankheit vor und ging in das provisorische Krankenhaus.
Sie nahm an, dass sie dort nur zwei bis drei Tage bleiben müsste, um bei ihrer Entlassung das notwendige Dokument zu bekommen. Als Dita ihre Mutter am zweiten Tag besuchte, klagte sie über Unwohlsein. Dita zweifelte nicht daran, dass es ihrer Mutter bald besser gehen würde – nachdem sie so viel Leid und Qualen überlebt hatten.
Doch als sie Elisabeth am dritten Tag besuchen wollte, fand sie das Bett leer vor. Die Patientin im Nachbarbett sagte leise: „Deine Mutter ist gestorben. “
Am nächsten Morgen wurde Dita von ihrer guten Freundin in einen Bus begleitet, welcher von Bergen-Belsen nach Prag fuhr. Zwei Tage später war sie wieder mit ihrer Tante Manja, der Witwe ihres verstorbenen Onkels Ludwig, vereint. Einige Wochen nach ihrer Rückkehr begegnete ihr Otto Kraus, einem der Lehrer des Kinderblocks in Auschwitz.
Auch er hatte seine Familie im Holocaust verloren. Dita kannte seine Mutter, da sie zusammen in Neuengamme und Bergen-Belsen inhaftiert waren. Ottos Bruder Harry starb auf einem Todesmarsch im Januar 1945.
Wie Ditas Mutter so starb auch Ottos Mutter kurz nach der Befreiung.
Im September 1945 ging Dita für ein Jahr nach Tábor, um dort das Gymnasium zu besuchen. Sie und Otto schrieben sich fast täglich. Nach einem Jahr kehrte sie nach Prag zurück.
1947 heirateten Dita und Otto. Otto studierte nach seiner Rückkehr zunächst an der Prager Universität, später wurde er Leiter der Fabrik, die vor der deutschen Besatzung seiner Familie gehört hatte. Im Februar 1948 übernahmen die Kommunisten die Regierung in der Tschechoslowakei, und Otto verlor die Fabrik erneut.
Im Mai 1949 zogen Dita und Otto nach Israel. Sie arbeiteten als Lehrer. Otto war auch als Schriftsteller tätig, seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
Dita selbst schrieb ebenfalls zwei biographische Bücher: „Ein aufgeschobenes Leben: Kindheit im Konzentrationslager“ und „Leben mit Otto“, das auf Deutsch noch nicht erhältlich ist. Sie hatten drei Kinder und lebten ein glückliches Leben zusammen, bis Otto im Jahr 2000 verstarb.
Heute, im Alter von 94 Jahren, lebt Dita in Israel, umgeben von ihrer Familie, darunter vier Enkel und vier Urenkel. Die Nazis hatten beabsichtigt, alle Juden zu ermorden, aber sie waren nicht erfolgreich. Ditas Rache besteht nicht nur darin, dass sie überlebt hat und noch immer Vorträge hält über das Leid, das sie während des Holocaust ertragen musste, sondern auch darin, dass ihr Vermächtnis und ihre Tapferkeit mit ihren Kindern weiterleben werden.
2012 hat auch der spanische Journalist Antonio Iturbe ihre Geschichte in „Die Bibliothekarin von Auschwitz“ erzählt – ein Buch, das in 30 Sprachen übersetzt wurde und eine Millionenauflage hatte.
Bis heute dient Ditas Geschichte wie auch die anderer Menschen als Vorbild für den Mut, unmenschlichen und grausamen Kräften in der Welt entgegenzutreten. „Ich bin heutzutage eine der Letzten, die noch vom Holocaust erzählen können aus eigener Erfahrung“, sagt Dita. „Und oft fragen mich Leute, wenn ich Vorträge halte – meistens sind es junge Leute –: ‚Was möchten Sie von uns?
Was sollen wir tun, damit so etwas nie mehr passieren kann? ‘ Meine Antwort ist: Arbeitet gegen den Hass. Die Kinder – wenn wir die kleinen Kinder haben – haben keinen Hass.
Der Hass ist etwas Erlerntes. Von Natur aus haben sie ihn nicht. Sie sind ohne Hass geboren.
Wenn wir Kindergarten besuchen, sehen wir die kleinen Kinder akzeptieren ihre Freunde, ob sie anders aussehen, andere Farbe haben, ganz ohne Unterschied. Die Unterschiede kommen erst, als von den Eltern oder von den Erwachsenen die Kinder gesagt bekommen: ‚Mit dem Kind darfst du nicht spielen, weil er anders ist als du. ‘ Und der Hass wird eigentlich den Kindern mitgeteilt.
Die haben ihn nicht von Natur. “
„Die meisten Menschen in der Welt haben dieselben Sorgen und dieselbe Freude und wollen dasselbe. Alle wollen glücklich sein, alle haben ihre Kinder lieb, ihre Eltern lieb, alle wollen, es soll ihnen gut gehen. Das meiste, was wir wollen, ist gemeinsam für die ganze Menschheit.
Die Unterschiede sind klein. Die Unterschiede sind in der Farbe der Haut oder der Augen, in der Art, wie man betet zu Gott. Aber beten tun alle zu demselben Gott, auch wenn Sie den Gott anders nennen.
Es ist immer dasselbe. Und wir möchten – ich möchte gerne unterstreichen, dass wir alle gemeinsam gegen den Hass arbeiten, anstatt die anderen zu kritisieren, ihn zu akzeptieren. Wir müssen heute arbeiten gegen den Hass, und das ist, was ich vom Publikum verlange: Wenn ihr wirklich etwas tun wollt gegen solche schrecklichen Dinge, die im Holocaust geschahen, dann müssen wir anfangen von den kleinen Kindern, ihnen nicht den Hass beizubringen, sondern im Gegenteil die Kinder lehren zu tolerieren und den anderen respektieren, so wie nicht von ihm nicht verlangen etwas anderes als von uns selbst.
Das ist meine Bitte, und ich hoffe, ihr werdet es auch akzeptieren. “