18 Cromwells rollten durch den Tunnel — der Panther wartete still am Ausgang

18 Cromwells rollten durch den Tunnel — der Panther wartete still am Ausgang

Am 11. August 1944, um 5:39 Uhr, bereitete sich Oberleutnant Friedrich Lindner östlich des Eisenbahntunnels von Saint Oba auf einen Kampf vor, dessen Ausgang auf dem Papier bereits feststand. Sein Panther mit der Turmnummer 204 stand in einer bewaldeten Senke zwischen der Bahnlinie und dem Hohlweg nach Kudre. Der Nebel hing schulterhoch über dem Gleisbett und roch nach nassem Schotter, Kohle und kaltem Stahl. Die Temperatur lag bei elf Grad.

Lindner war 26 Jahre alt und vor dem Krieg Vermessungstechniker aus Gosla gewesen. Er war ein schmaler, langsamer Mann mit der Angewohnheit, vor jedem Gefecht Entfernungen laut in halben Sätzen zu murmeln, als läse er sie von einer Karte ab. An diesem Morgen reinigte er das Zielfernrohr zum zweiten Mal.

Auf dem Papier war seine Stellung wertlos. Ein einzelner Panther, abgestellt im Gebüsch neben einem stillgelegten Bahnwärterhaus, gegen alles, was aus Westen kam. In der Wirklichkeit sah es anders aus, denn aus Westen kam nur eines: der Tunnel. 800 Meter Fels, ein schwarzes Loch im Hang, durch das die einzige befahrbare Strecke für gepanzerte Fahrzeuge in diesem Abschnitt führte. Die Felder ringsum waren von Bombentrichtern und gesprengten Brücken zerschnitten. Wer Panzer nach Osten bringen wollte, musste durch die Röhre.

Um 5:41 Uhr hörte der Funker das erste Motorengeräusch. Es kam gedämpft und vielfach gebrochen aus dem Berg heraus, ein tiefes hallendes Dröhnen, das nicht zuzuordnen war. Dann schob sich das erste Fahrzeug aus dem Dunst am Tunnelmund. Ein Cromwell, niedrig und kantig mit flachem Turm. Hinter ihm im Schwarz der Röhre das Echo weiterer Ketten.

Lindner zählte die Auspuffschläge, dann zählte er die Schatten. 18 Cromwell, dazu vermutlich Begleitfahrzeuge weiter hinten, geschlossen, ohne Aufklärung zu Fuß, weil der Tunnel keine Aufklärung zuließ. Er zählte zweimal. Beim zweiten Mal stimmte die Zahl.

Seine Besatzung war vollzählig. Richtschütze war Feldwebel Anton Brem, vor dem Krieg Dreher aus Solingen, ein Mann, der das Handrad bediente, als drehe er ein Uhrwerk auf. Ladeschütze war Obergefreiter Kurzsam, 19 Jahre alt, zwei Monate an der Front, der jede leere Hülse mit dem Fuß zur Seite schob, ohne hinzusehen. Fahrer war Unteroffizier Pol, Funker Gefreiter Erdmann. Fünf Männer, 44 Tonnen Stahl.

Die Daten des Panther der Ausführung G kannte Lindner ohne nachzudenken. Hauptbewaffnung war die 75-mm-Kampfwagenkanone 44 mit einer Rohrlänge von 70 Kalibern. Die Mündungsgeschwindigkeit der Panzergranate 39 lag bei etwa 935 Metern pro Sekunde. Der Durchschlag auf 1000 Meter betrug bei 30 Grad Aufschlagwinkel rund 130 Millimeter Stahl, auf 500 Meter deutlich mehr. Die Turmfront maß 100 Millimeter, die Wannenfront 80 Millimeter, stark geneigt, die Seitenwände 40 bis 50 Millimeter. Der Munitionsvorrat an diesem Morgen betrug 79 Schuss, davon Panzergranaten, der Rest Sprenggranaten. Der Schwachpunkt der Panzerung lag in der Flanke. Auf 400 Meter durchschlug die britische 75-mm-Kanone die Seite des Panther sicher.

Frontal am Tunnelmund war der Panther dem Cromwell technisch überlegen. Die Frage war nur die Geometrie. Der Cromwell Mark 4 verfügte über eine 75-mm-Kanone mit einer Mündungsgeschwindigkeit von rund 620 Metern pro Sekunde und einem Durchschlag von etwa 60 Millimetern auf 500 Meter. Die Frontpanzerung des Turms betrug 76 Millimeter, die Wanne vorn drei bis sechs Zentimeter, je nach Stelle. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Straße lag bei rund vier Kilometern pro Stunde, im Gelände weniger, im Tunnel kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit, weil der Abstand zum Vordermann gehalten werden musste.

Der Cromwell war schnell und wendig, der Panther war langsam im Turmschwenk, aber er traf weiter und härter. Auf dem Papier hatte ein Panther gegen 18 Cromwell keine Chance. Lindner drückte die Sprechtaste. Brem, stehst du? Eine Sekunde Stille, dann: Stehe. Mehr Worte fielen nicht.

Was Lindner sah, sah keiner der Briten. Der Tunnel zwang die Kolonne in eine einzige Reihe. Am Ausgang konnte immer nur ein Fahrzeug zugleich erscheinen, und für die ersten Sekunden nach dem Verlassen der Röhre war es geblendet vom Tageslicht. Der Kommandant unter der Luke, der Richtschütze ohne Ziel. Wer am Ausgang stand und schwieg, hatte gegen 18 Gegner immer nur einen vor sich.

Lindner senkte das Tuch. Er sah nicht achtzehn Panzer. Er sah eine Tür und vor der Tür einen Mann, der nacheinander hindurchtreten musste. Lindner rechnete die Geometrie aus, während der zweite Cromwell sich aus dem Tunnel schob. Das östliche Mundloch war vier Meter breit. Davor lief das Gleisbett rund 120 Meter schnurgerade, bevor es in einer flachen Linkskurve in den Wald führte. Auf diesen Metern stand jedes Fahrzeug einzeln im Freien, die Flanke quer zu seiner Stellung, weil die Kurve es zwang, sich zu drehen. Lindner stand nicht frontal vor der Röhre, sondern schräg versetzt, 600 Meter entfernt im Gebüsch, mit freiem Schussfeld auf genau jenen Punkt, an dem jeder Cromwell die Seite zeigen musste. Es war keine Stellung, es war ein Hinterhalt aus reiner Mathematik.

Die Zykluszeit war alles. Ein Cromwell brauchte vom Verlassen des Tunnels bis zum Punkt der Kurve etwa zwölf Sekunden. Der nächste folgte im Abstand von rund 15 Metern, also weitere acht bis zehn Sekunden, bevor er nachrückte. Brem lud und feuerte unter geübter Hand in sechs bis sieben Sekunden. Die Rechnung ging auf, aber nur knapp. Jeder Schuss musste sitzen, jeder Fehlschuss kostete einen ganzen Zyklus, und ein verlorener Zyklus bedeutete einen Cromwell mehr im Freien, der den Mündungsblitz orten und zurückschießen konnte.

Lindner hatte drei Möglichkeiten. Erstens, das erste Fahrzeug am Tunnelmund abschießen und es als Pfropfen in der Röhre verkeilen, damit die übrigen 17 im Berg festsaßen. Lehrbuch der Engstellenverteidigung. Aber ein brennender Cromwell quer im vier Meter breiten Mund wäre von den nachfolgenden Wagen nicht zu sehen gewesen. Sie hätten ihn von hinten geschoben und freigeräumt. Zweitens, Funkruf an die Panzerjäger zwei Kilometer rückwärts, Halten der Stellung bis zum Eintreffen, das Loch geschlossen lassen. Lehrbuch. Drittens, schweigen, die Kolonne aus dem Tunnel laufen lassen, jeden einzelnen Wagen erst in der Kurve abschießen, wo er die Flanke zeigte, und so tun, als gäbe es keine Stellung, bis die Briten begriffen, dass der Ausgang tödlich war.

Lindner wählte den dritten Weg. Er ließ den ersten Cromwell fahren und den zweiten. Beide rollten unbehelligt in die Kurve und verschwanden im Wald nach Osten. Brem sagte nichts, aber seine Hand am Handrad zitterte einen halben Zentimeter. Lindner wartete, bis der dritte Wagen genau auf der Mitte der 120 Meter stand, die Flanke voll im Glas, Entfernung 520 Meter. Dann sagte er nur: Feuer!

Die erste Panzergranate schlug in die rechte Wannenseite unterhalb des Turmrings. Der Cromwell stand sofort ohne Rauch, ohne Bewegung, ein Ruck und Stille. Sam hatte die nächste Granate bereits im Verschluss. Der vierte Wagen war eben aus dem Tunnel gekommen, sah den getroffenen Vordermann nicht, weil der Dunst noch über dem Gleisbett lag, und fuhr in dieselbe Linie. Brem drehte das Handrad um drei Grad. Der zweite Schuss traf die Turmwurzel. Detonation, schwarzer Rauch aus der Luke. 14 Sekunden, zwei Treffer, zwei Cromwell.

Im Tunnel staute sich nun, was Lindner später den Pfropfen nannte. Der fünfte Wagen, geblendet vom Licht, stieß auf das Heck des vierten und blieb stehen, halb im Mund, halb im Freien. Lindner ließ ihn stehen. Er war wertlos als Ziel, solange er den Ausgang blockierte und die übrigen dahinter festhielt. Stattdessen wartete er. Drei Minuten lang bewegte sich nichts. Dann setzte der fünfte Cromwell rückwärts, um Platz zu schaffen. In dem Augenblick, in dem seine Flanke schwenkte, traf ihn Brems dritter Schuss in den Motorraum. Brand. Jetzt stand der Pfropfen, und er brannte.

Bis 6:14 Uhr hatte Lindner fünf Cromwell ausgeschaltet. Munition: noch 37 Panzergranaten. Die Rohrtemperatur stieg messbar. Bremen meldete trocken: rohrwarm. Lindner nickte ohne zu antworten. Im Wald nach Osten waren die ersten beiden durchgelassenen Wagen verschwunden, irgendwo dort hinter der Kurve, und das beunruhigte ihn mehr als die 17 im Berg, denn jene zwei wussten nicht, dass ihre Kameraden brannten, und würden zurückkommen.

Vor dem Tunnel begann die Verwirrung. Die Briten im Berg konnten nicht sehen, woher das Feuer kam. Der brennende fünfte Wagen versperrte die Sicht aus der Röhre vollständig. Funkverkehr lief, das spürte Lindner an der Art, wie der nächste Cromwell nicht mehr blind herausfuhr, sondern langsam, das Rohr nach links gerichtet, suchend. Wer am Ausgang stand und schwieg, hatte einen Vorteil, aber der Vorteil schmolz mit jeder Minute, in der die Briten begriffen, dass die Tür eine Falle war.

Um 6:21 Uhr kam der erste Bruch. Sam setzte die nächste Panzergranate an. Der Keilverschluss nahm sie auf, aber das Auswurfsystem hatte die leere Hülse des vorigen Schusses nicht vollständig herausgeschleudert. Eine Hülse stand quer im Verschlussraum, verkannt zwischen dem heißen Rohrende und der Ladeschale. Sam sagte nur: Verschluss klemmt. Lindner drehte den Kopf für eine Sekunde. Die Zykluszeit der manuellen Klärung lag in Friedenszeiten bei zwei Minuten. Im Gefecht mit dem heißen Rohr, das die Hülse festgebacken hatte, deutlich mehr. Lindner rechnete mit drei. Mach, sagte er nicht mehr. Sam arbeitete mit dem Holzhammer und dem Auszieher. Brem blieb am Visier, das Rohr auf den Tunnelmund gerichtet, ohne zu feuern.

In diesen Minuten draußen änderte sich die Lage. Der nächste Cromwell hatte begriffen, dass das Feuer aus südöstlicher Richtung kam, und schob sich nicht weiter ins Freie. Stattdessen sah Lindner durch das Glas, wie britische Infanterie absaß, hinter dem brennenden Pfropfen, kaum zu erkennen im Qualm. Acht, vielleicht zehn Mann geduckt, die sich am Fuß der Bahnböschung sammelten. Sie suchten nicht die Straße, sie suchten ihn.

Die Briten taten das Vernünftige. Sie schickten die Infanterie die Böschung entlang nach Süden in den Wald, um die Stellung zu Fuß zu umfassen, während die Panzer den Ausgang bannten. Lindner kannte das aus dem Vermessungshandwerk. Wer eine Linie nicht durchbrechen kann, sucht ihren Endpunkt. Sein Endpunkt war die rechte Flanke, dort, wo der Panther im Gebüsch stand und seine Seitenpanzerung von 40 Millimetern jeder Panzerfaust und jeder Haftladung auf wenige Meter Preis gab.

Um 6:26 Uhr meldete Sam frei. Die Hülse fiel auf den Bodenrost, vom Klemmen bis zur Schussbereitschaft zwei Minuten 49 Sekunden. In dieser Zeit hatte sich die britische Infanterie auf etwa 200 Meter an die rechte Flanke herangearbeitet, gedeckt durch eine Bodenwelle, sichtbar nur an einzelnen Helmen über dem Gras.

Lindner hatte drei Möglichkeiten. Erstens, die Stellung wechseln, rückwärts aus dem Gebüsch, neue Position weiter östlich. Aber jede Bewegung verriet ihn den Cromwell am Tunnel, und der Panther war im Schwenk langsam. Ein fahrender Panther bot die volle Flanke, Lehrbuch der beweglichen Verteidigung. Zweitens, die Infanterie mit Sprenggranaten und dem Bugmaschinengewehr bekämpfen, was die Hauptkanone vom Tunnelmund abwandte und den Cromwell freie Fahrt gab. Lehrbuch des Selbstschutzes. Drittens, den Tunnel weiter unter Feuer halten und die Infanterie zu Fuß ignorieren, bis sie nah genug war, dass ein einziger Sprengschuss in die Bodenwelle die ganze Gruppe traf.

Lindner wählte den dritten Weg mit einer Abweichung. Er teilte das Problem. Pol, sagte er zum Fahrer, halbe Drehung nach rechts, langsam. Der Panther drehte sich nicht. Er verschob nur den Bug um wenige Grad, gerade so weit, dass das Bugmaschinengewehr in Erdmanns Hand die Bodenwelle bestreichen konnte, während die Hauptkanone den Tunnelmund nicht verlor. Es war eine Stellung gegen zwei Richtungen zugleich, unmöglich nach Vorschrift. Möglich nur, weil die beiden Gegner sich nicht koordinierten.

Zwischen 6:29 Uhr und 6:47 Uhr feuerte der Panther 14 Schuss. Drei Sprenggranaten gingen in die Bodenwelle, in der die Infanterie lag. Die Detonationen warfen Erde und Männer in die Luft, und die Bewegung der Helme hörte auf. Elf Panzergranaten gingen zum Tunnel, sobald ein Cromwell sich zeigte. Zwei Wagen versuchten, den brennenden Pfropfen zu umfahren, links über den Schotter, und zeigten dabei die Flanke. Beide blieben stehen. Brem korrigierte nach dem Kettenrauch des vorigen Treffers, weil das heiße Rohr inzwischen streute. Lindner befahl zwischen den Schüssen 15 Sekunden zu warten, auch wenn ein Ziel sich bewegte. Streuung war gefährlicher als Langsamkeit, sobald der Lauf zu heiß war.

Um 6:47 Uhr kamen die beiden durchgelassenen Cromwell zurück. Sie kamen aus Osten, aus dem Wald, aus dem Rücken, dorthin, wohin Lindner sie selbst hatte fahren lassen. Erdmann meldete Motorengeräusch von hinten. Lindner hatte den Fehler gemacht, der keiner war. Er hatte gewusst, dass sie wiederkommen würden, und nicht gewusst wann. Jetzt standen zwei Cromwell auf 400 Metern in seinem Totenwinkel, dort, wo der Turm nicht hinkam, ohne dass der Panther sich vollständig drehte. Und eine vollständige Drehung dauerte bei dem langsamen Turmantrieb und dem weichen Boden unter der rechten Kette länger als die acht Sekunden, die ein Cromwell brauchte, um auf 400 Meter die ungeschützte Heckpartie zu treffen.

Lindner hatte drei Möglichkeiten und keine Zeit, sie auszusprechen. Erstens, den Turm voll nach hinten drehen und die beiden Cromwell im Rücken bekämpfen, was die rechte Kette im weichen Boden festfahren und den Tunnelmund freigeben konnte. Lehrbuch der Bedrohungspriorität. Zweitens, rückwärts aus dem Gebüsch fliehen, Stellung aufgeben, durchbrechen nach Süden, Lehrbuch des Rückzugs. Drittens, nicht den ganzen Wagen drehen, sondern Pol rückwärts an die Erlenreihe setzen, so dass der Bug zum Tunnel und das Heck zur Böschung gedeckt stand und den Turm nur um 90 Grad schwenken.

Lindner wählte den dritten Weg. Pol zurück drei Wagenlängen an die Erlen. Der Panther wich rückwärts. Die Erlenstämme deckten das Heck, und Brem begann den langen Schwenk nach Osten. Der erste rückkehrende Cromwell feuerte zuerst. Die Granate schlug auf 410 Metern auf die rechte Turmseite. Streifschuss, Abprall in die Äste. Keine Durchschlagswirkung. Aber ein Stahlsplitter aus der Innenwand traf Sam, der gerade die nächste Granate aus dem Halter zog, am linken Unterarm. Der Splitter ging durch den Drillich und blieb im Muskel. Sam sagte nur: Bin getroffen. Er lud weiter mit der rechten Hand allein, gut 20 Sekunden langsamer als zuvor.

Lindner sah ihn eine Sekunde lang an, dann sah er wieder durch das Glas. Brems Schwenk war fertig. Erster Schuss, Treffer in die Wannenfront des vorderen Cromwell. Der Wagen brannte. Der zweite drehte ab, suchte Deckung hinter einem Bahndamm, zeigte beim Wenden die Flanke. Brem setzte den zweiten Schuss in den Motorraum. Stillstand. Munition: jetzt noch neun Panzergranaten.

Es war 6:59 Uhr. Am Tunnelmund hatte die Pause genügt. Drei Cromwell hatten den brennenden Pfropfen nach links umfahren und standen nun nebeneinander im Freien. Das erste Mal nicht mehr einzeln, das erste Mal in einer Linie, in der sie den Panther mit drei Rohren zugleich suchten. Die Geometrie, die Lindner den ganzen Morgen gehalten hatte, war zerbrochen. Die Tür war jetzt drei Türen breit.

Lindner schwenkte den Turm zurück nach Westen, ein voller Schwenk über die rechte Schulter, und der weiche Boden zog am Lager, sodass der Schwenk stockte und ruckte. Der erste der drei Cromwell feuerte, die Granate schlug in die Wannenfront, 80 Millimeter, stark geneigt, und prallte ab nach oben, riss die Bordwerkzeuge vom Kotflügel, durchschlug nicht. Brem hatte das mittlere Fahrzeug im Glas. Erster Schuss, Treffer, Turmwurzel, Brand. Der linke Cromwell zog seitlich, der rechte feuerte erneut und traf die Blende ohne durchzuschlagen. Aber der Aufschlag verklemmte für einen Augenblick das Höhenrichtwerk. Brem korrigierte von Hand. Zweiter Schuss, der rechte Wagen, Flanke, Stillstand. Der Linke allein geblieben, setzte in den Tunnelmund hinein und verschwand im Schwarz der Röhre dorthin, woher die ganze Kolonne gekommen war.

Es war 7:14 Uhr. Munition: noch sechs Panzergranaten. Vor dem Tunnel und auf den 120 Metern Gleisbett standen oder brannten 13 Cromwell. Die Übrigen waren zurück in den Berg gewichen oder im Wald nach Osten verstreut. Erdmann brachte den Funk zum Bataillon durch. Vier Sätze: Koordinaten, eigene Verluste, ein Verwundeter, Gegnerverluste 13, Lage gehalten. Das Bataillon meldete Panzerjäger im Anmarsch, Eintreffen in einer Stunde.

Lindner ließ schweigen. Eine Stunde lang fiel kein Schuss. Der Panther stand reglos in den Erlen. Der Motor im Standgas, Sam mit verbundenem Arm an der Munitionsschütte, Brem am Visier. Der einzelne Cromwell im Tunnel kam nicht wieder heraus. Um 8:17 Uhr rollten die Panzerjäger heran, und der Berg blieb stumm. Die Briten hatten den Vorstoß abgebrochen.

Im Bericht des Kompanieschefs hieß es später in der trockenen Sprache des Wehrmachtsformulars: Oberleutnant Lindner hat mit einem Panther am 11. August 1944 am Tunnel von Saint Oba eine britische Panzerkolonne von 18 Cromwell zum Stehen gebracht und 13 davon durch eigenes Feuer ausgeschaltet. Eigene Verluste: ein Verwundeter. Eigener Materialverlust: keiner.

Lindner erhielt das Ritterkreuz, verliehen am 19. August 1944. Brem wurde zum Leutnant befördert. Sams Splitter wurde im Feldlazarett entfernt. Er kehrte nach zwei Wochen zur Einheit zurück. Lindner überlebte den Krieg, geriet im Frühjahr 1945 in britische Gefangenschaft und kehrte 1947 nach Gosla zurück, wo er wieder wurde, was er vor dem Krieg gewesen war: Vermessungstechniker.

Er sprach selten über den Tunnel. Fragte ihn jemand, antwortete er meist mit einem Satz und wechselte das Thema. Er starb im Jahr 2007.

Auf dem Papier war Saint Oba unmöglich. Auf dem Papier hätten 18 Cromwell einen Panther in Minuten überrannt. In der Wirklichkeit kamen sie nicht durch, weil der Tunnel sie zwang, einzeln zu sein, und einer am Ausgang wartete und schwieg. Es war keine Strategie, es war Geometrie. Vier Meter Mundbreite, sechs Sekunden Zykluszeit, 40 Millimeter Flanke, sechs Sekunden Vorsprung. Der Panther ohne Lindner war 44 Tonnen Stahl. Mit ihm war er etwas anderes. Nicht das Geschütz hatte entschieden und nicht der Tunnel. Entschieden hatte ein Vermessungstechniker aus Gosla, der vor dem ersten Schuss zum zweiten Mal das Zielfernrohr putzte, weil ihm die Hände sonst zu ruhig gewesen wären.