Alfred Jodls Hinrichtung – Hitlers Nazigeneral und Kriegsverbrecher – Nürnberger Prozesse

Alfred Jodls Hinrichtung – Hitlers Nazigeneral und Kriegsverbrecher – Nürnberger Prozesse

Nürnberg, 1. Oktober 1946 – Die Welt hält den Atem an, als der Internationale Militärgerichtshof sein historisches Urteil verkündet. Unter den zum Tode verurteilten Hauptkriegsverbrechern des Dritten Reiches befindet sich auch Generaloberst Alfred Jodl, der einstige Chef des Wehrmachtführungsstabes und engste militärische Berater Adolf Hitlers.

Der 56-jährige Jodl, der sich stets als loyaler Soldat und nicht als Verbrecher bezeichnet hatte, wurde in allen vier Anklagepunkten für schuldig befunden: Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sein Antrag auf Erschießung statt Erhängen wurde ebenso abgelehnt wie der seiner Mitangeklagten Wilhelm Keitel und Hermann Göring.

Die Hinrichtung am 16. Oktober 1946 geriet zu einem grausamen Spektakel, das die Brutalität des Regimes, dem Jodl gedient hatte, noch einmal widerspiegelte. Der amerikanische Henker John C.

Woods, ein Mann ohne nachweisliche Erfahrung, ließ die Verurteilten aus einer zu geringen Höhe fallen. Bei Jodl brach das Genick nicht.

Achtzehn Minuten soll der Todeskampf des Mannes gedauert haben, der einst die Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet hatte. Seine letzten Worte „Ich grüße dich, mein ewiges Deutschland“ verhallten in der Turnhalle des Nürnberger Gefängnisses, während er langsam erstickte. Seine Asche wurde später in den Isar-Wenbach bei München gestreut.

Der Weg von Alfred Jodl an den Galgen begann am 10. Mai 1890 in Würzburg, wo er als uneheliches Kind einer Bauerntochter zur Welt kam. Sein Vater, ein bayerischer Offizier, heiratete Therese erst 1899, nachdem er den Militärdienst quittiert hatte.

Erst dann erhielt der junge Alfred den Namen seines Vaters.

Die militärische Laufbahn schien vorgezeichnet. 1910 trat Jodl in das vierte Feldartillerieregiment in Augsburg ein, wurde 1912 zum Leutnant befördert und kämpfte im Ersten Weltkrieg an der West- und Ostfront. Für seine Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz.

Der verlorene Krieg und der Versailler Vertrag von 1919 prägten seine Weltsicht nachhaltig.

In der Weimarer Republik stieg Jodl im geheimen Generalstab auf, der durch den Versailler Vertrag verboten war. Er war maßgeblich an der verdeckten Aufrüstung der Reichswehr beteiligt, die gegen alle internationalen Abkommen verstieß. Die Demütigung von Versailles sollte gerächt werden, und Adolf Hitler bot dafür die Plattform.

Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurde die Aufrüstung offen vorangetrieben. Jodl, der 1935 zum Oberst und 1940 zum General der Artillerie befördert wurde, avancierte zum wichtigsten militärischen Strategen Hitlers. Er plante die Invasion Dänemarks und Norwegens, das Unternehmen Weserübung, und war an der Ausarbeitung verbrecherischer Befehle beteiligt.

Der sogenannte Kommissarbefehl vom Juni 1941, der die Erschießung aller politischen Kommissare der Roten Armee anordnete, trägt Jodls Handschrift. Ebenso der Kommandobefehl, der die sofortige Tötung gefangener alliierter Sondereinheiten vorsah. Diese Befehle kosteten Zehntausende das Leben und verstießen gegen jede Regel des Kriegsvölkerrechts.

Als Hitlers wichtigster militärischer Berater im Oberkommando der Wehrmacht war Jodl für die strategische Planung der Feldzüge verantwortlich, die Millionen Menschen in den Tod rissen. Die Operation Barbarossa, der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, wurde unter seiner Mitwirkung geplant und durchgeführt. Rund 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene starben in deutscher Gefangenschaft.

Die Beziehung zu Hitler war von tiefer Loyalität, aber auch von Konflikten geprägt. Als Jodl 1942 die militärische Führung kritisierte, kühlte das Verhältnis ab. Hitler plante sogar, ihn durch General Friedrich Paulus zu ersetzen, setzte dies aber nie um.

Jodl blieb bis zum Ende an der Seite seines Führers.

Beim Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Jodl in der Wolfsschanze leicht verletzt. In den folgenden Monaten war er an der Organisation der brutalen Vergeltungsaktionen beteiligt, denen Tausende zum Opfer fielen.

Seine Rolle im Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung in Norwegen, wo er die Zwangsevakuierung von über 40. 000 Menschen anordnete, wurde ihm in Nürnberg ebenfalls vorgehalten.

Am 7. Mai 1945 unterzeichnete Jodl in Reims die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte. Die Sowjetunion bestand auf einer zweiten Zeremonie in Berlin, die Generalfeldmarschall Keitel in der Nacht zum 8.

Mai vollzog. Wenige Tage später, am 23. Mai 1945, wurde Jodl von britischen Truppen verhaftet.

Vor Gericht beteuerte Jodl, von den Vernichtungslagern nichts gewusst zu haben, in denen fast sechs Millionen europäische Juden ermordet wurden. Er plädierte auf nicht schuldig und berief sich auf seine Pflicht als Soldat. Doch die Beweise waren erdrückend.

Seine Unterschriften unter verbrecherischen Befehlen und seine zentrale Rolle in der militärischen Führung des NS-Regimes ließen keinen Zweifel an seiner Schuld.

Der Nürnberger Prozess, der am 20. November 1945 begonnen hatte, war ein Novum in der Geschichte der internationalen Justiz. Zum ersten Mal wurden Führer eines besiegten Landes von einem internationalen Tribunal für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen.

Die Anklage lautete auf Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Die Urteile, die am 1. Oktober 1946 verlesen wurden, sollten eine Warnung an alle Diktatoren und Kriegsverbrecher der Welt sein. Zwölf der 21 Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, darunter Jodl, Keitel, Ribbentrop und Rosenberg.

Drei wurden freigesprochen, die übrigen erhielten Haftstrafen.

Die Hinrichtungen am 16. Oktober 1946 wurden von Henker John C. Woods durchgeführt, dessen Inkompetenz den Verurteilten qualvolle Todeskämpfe bescherte.

Bei Jodl dauerte das Sterben 18 Minuten. Die Weltöffentlichkeit reagierte mit Entsetzen, aber auch mit Genugtuung über die Vollstreckung der Urteile.

Die historische Bewertung Jodls ist bis heute umstritten. Während einige Historiker ihn als pflichtbewussten Offizier sehen, der in einem verbrecherischen System gefangen war, betonen andere seine aktive Rolle bei der Planung und Durchführung von Angriffskriegen und Kriegsverbrechen. Seine Entlastung durch ein Spruchkammerverfahren 1953 wurde später revidiert.

Die Nürnberger Prozesse setzten Maßstäbe für die internationale Strafjustiz. Sie etablierten das Prinzip, dass auch Staatsführer und hohe Militärs für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden können. Die Prinzipien von Nürnberg beeinflussen bis heute die Arbeit internationaler Gerichtshöfe.

Für die Opfer des Nationalsozialismus war die Hinrichtung Jodls ein spätes Zeichen der Gerechtigkeit. Die über 40.000 zwangsevakuierten Norweger, deren Häuser auf seinen Befehl zerstört wurden, und die Millionen Opfer des Vernichtungskrieges im Osten fanden in dem Urteil eine zumindest symbolische Genugtuung.

Alfred Jodl, der Mann, der Hitlers Kriege plante und die Kapitulation unterzeichnete, endete am Galgen von Nürnberg. Sein Schicksal ist eine Mahnung an alle Zeiten: Wer Verbrechen gegen die Menschlichkeit befiehlt oder ausführt, muss mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen. Die Geschichte hat ihr Urteil gesprochen.