WEEPY VOICED KILLER | Paul Michael Stephani | Serienmörder DOKU

WEEPY VOICED KILLER | Paul Michael Stephani | Serienmörder DOKU

Es war der 1. Januar 1981, kurz nach Mitternacht. In Saint Paul, Minnesota, feierten Hunderte Menschen den Jahreswechsel, doch die 20-jährige Karen Potak aus Wisconsin wollte nur noch weg. Nach einem Streit auf einer Party verließ sie das Haus wütend und verletzt – ohne Mantel, in einem roten Kleid, bei eisigen Temperaturen.

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Sie kannte die Stadt nicht, tappte durch dunkle Straßen und wollte nur eines: der Kälte entkommen. Dann hielt ein Auto neben ihr. Der Fahrer stellte sich als Paul vor und bot ihr an, sie mitzunehmen. Er behauptete, er habe den Motor nur gestartet, um das Auto zu heizen.

Karen zögerte, doch die Kälte überwand ihre Vorsicht. Sie stieg ein – und unterschätzte, in wen sie sich gesetzt hatte. Der Mann fuhr nicht in die Stadt, sondern in ein abgelegenes Industriegebiet, zu einer Werkstatt namens Malberg Machine Shop. Er hielt auf einem Gelände an, wo niemand sie sehen konnte.

Als Karen fragte, warum sie angehalten hätten, antwortete er nicht. Er stieg aus, holte eine Brechstange aus dem Kofferraum und versteckte sie in seinem Ärmel. Als er ihr befahl auszusteigen, weigerte sie sich. Die Angst lähmte sie.

Paul schlug ohne Vorwarnung zu, der erste Schlag traf ihren Kopf. Karen verlor das Bewusstsein, doch er hörte nicht auf. Er schlug mehr als zwölf Mal auf sie ein, bis der Schnee um sie herum rot gefärbt war. Dann setzte er sich ins Auto und fuhr einfach davon.

Karen blieb reglos und schwer verletzt zurück, kaum noch am Leben. Ihr Schädel war gebrochen, Teile ihres Gehirns lagen frei. Genau in diesem Moment hielt Paul das Auto an einer öffentlichen Telefonzelle an. Mit ungewöhnlich hoher, fast kindlicher Stimme wählte er den Notruf und meldete den Vorfall.

Die Polizei traf ein, fand das Mädchen und brachte es sofort ins Krankenhaus. Ein Kampf um ihr Leben begann. Die Polizei von Saint Paul stand vor einem Rätsel. Sie hatten ein überlebendes Opfer, aber keine Tatwaffe, keine Fingerabdrücke, keine Zeugen.

Die einzige Spur war der anonyme Anruf. Karens Überleben gab den Ermittlern Hoffnung, doch die Fragen türmten sich. Wer war Paul? Und warum hatte er sie zurückgelassen?

Der Fall nahm eine überraschende Wende, als die Ermittler Verbindungen zu anderen Vorfällen in der Gegend entdeckten. Es gab Hinweise auf frühere Übergriffe, die nicht gemeldet worden waren. Und dann rückte ein Name ins Zentrum der Ermittlungen: Paul Michael Stephani, ein junger Mann aus der Region, der der Polizei bereits bekannt war. Stephani, der als Frau mit Perücke und Kleid auftrat, hatte zuvor in der Gegend für Aufsehen gesorgt.

Sein Verhalten war auffällig, er suchte ständig die Nähe von Frauen, oft unter einem Vorwand. Er hatte sogar behauptet, er habe die Fähigkeit, Verbrechen aufzuklären, und sei selbst ein Opfer. Doch niemand konnte damals ahnen, dass er zu einem der meistgesuchten Männer Amerikas werden sollte. Im Sommer 1982 wurde die Lage ernst.

Stephani wurde mit dem Mord an mehreren Frauen in Verbindung gebracht, darunter auch Fälle, die Monate zuvor als ungeklärt galten. Die Beweise wurden immer dicker, doch er blieb auf freiem Fuß. Die Polizei fehlte ein durchschlagender Beweis, bis ein Anruf alles veränderte. Eines Abends wählte Karens Familie die Notrufnummer.

Eine unbekannte Stimme am anderen Ende sagte, er wisse, wo Karen sei – und dass sie noch lebe. Die Leitung wurde zurückverfolgt, und die Stimme gehörte niemand anderem als Paul Stephani. Er behauptete, Karen sei ein Unfall gewesen, ein Missverständnis, das aus dem Ruder gelaufen sei. Doch als die Ermittler tiefer gruben, kamen sie auf etwas Dunkleres.

Stephani war nicht nur in Karens Fall verwickelt. Er wurde auch mit den Morden an jungen Frauen in Verbindung gebracht, die in der Nähe von Autobahnen und abgelegenen Gebieten gefunden worden waren. Sein Muster war immer ähnlich: Er lockte sie mit einem gefälschten Hilfsangebot in sein Auto, brachte sie an einsame Orte und griff dann zu. Die Ermittler fanden heraus, dass Stephani seit Jahren ein Doppelleben geführt hatte.

Für seine Familie war er ein liebevoller Sohn und Bruder, der oft als sein eigenes Alter Ego, eine Frau namens „Samantha“, auftrat. Diese Verkleidung half ihm, unerkannt zu bleiben und seine Taten zu vertuschen. Der Fall wurde immer komplexer, als weitere Zeugen auftauchten. Ein junges Mädchen, das überlebt hatte, beschrieb einen Mann, der ihr angeboten hatte, sie nach Hause zu bringen, aber dann in die falsche Richtung fuhr.

Als sie zu schreien begann, hielt er an und drohte, sie zu töten, falls sie irgendjemandem erzählte, was passiert war. Sie konnte fliehen, aber sie kannte seinen Namen nicht. Die Polizei stand unter enormem Druck. Die Bevölkerung von Saint Paul war verängstigt, und die Medien berichteten täglich über den „Würger von Saint Paul“, einen Serientäter, der offenbar unerkannt blieb.

Die Behörden setzten eine Sonderkommission ein, die eng mit dem FBI zusammenarbeitete. Doch der Täter schien immer einen Schritt voraus zu sein. Erst ein Zufall brachte die Wende. Ein aufmerksamer Nachbar meldete der Polizei, dass er einen Mann in Frauenkleidung gesehen habe, der sich in der Nähe von Karens Wohnort herumtrieb.

Die Beschreibung passte auf Stephani, der sich dort als „Samantha“ ausgab. Eine sofort eingeleitete Fahndung führte zu seiner Festnahme. Bei der Vernehmung wechselte Stephani ständig zwischen Leugnen und vagen Andeutungen. Er bestritt, etwas mit dem Angriff auf Karen zu tun zu haben, gab aber zu, in der Nacht anwesend gewesen zu sein.

Als die Beamten ihm die Beweise vorlegten, begann er unzusammenhängend zu reden. Er sprach über seine Zerstörungswut gegenüber Frauen und sagte, dass alles, was er geliebt habe, zerstört worden sei. Doch die Ermittler ließen sich nicht bluffen. Sie fanden heraus, dass Stephani in derselben Nacht auch andere junge Frauen angesprochen hatte, die sein Angebot, sie mitzunehmen, dankend abgelehnt hatten.

Nur Karen hatte den Fehler gemacht, ihm zu vertrauen. Der Prozess gegen Paul Stephani begann im Frühjahr 1983 und zog landesweit Aufmerksamkeit auf sich. Die Staatsanwaltschaft nannte ihn einen „eiskalten Mörder“, der seine Opfer mit einer perfiden Masche gelockt hatte. Karen, die sich nur langsam von ihren Verletzungen erholt hatte, sagte als Hauptzeugin aus.

Sie erkannte ihn sofort wieder. Vor Gericht versuchte Stephani, sich als Opfer darzustellen. Er behauptete, er habe aus Angst gehandelt, weil Karen versucht habe, ihn zu erpressen. Er behauptete sogar, sie habe versucht, ihn zu verführen, und als er sie abgewiesen habe, sei sie wütend geworden und habe sich selbst verletzt.

Die Geschworenen waren skeptisch. Zu überzeugend waren die Beweise, die auf eine geplante Tat hindeuteten. Die Staatsanwaltschaft legte Beweise vor, dass Stephani die Waffe und die Tatorte sorgfältig ausgewählt hatte. Er kannte die Gegend um die Mahlbergwerkstatt genau, weil er dort früher selbst gearbeitet hatte.

Er hatte sogar Tagebuch geführt, in dem er seine Gewaltfantasien beschrieb. Doch sein Anwalt versuchte, diese Einträge als harmlose Fiktion abzutun. Der Fall erreichte einen Höhepunkt, als Stephani überraschend eine Erklärung abgab, die alle schockierte. Mit ruhiger Stimme gab er zu, nicht nur Karen angegriffen zu haben, sondern auch für den Tod mehrerer anderer Frauen verantwortlich zu sein.

Doch sein Geständnis war von vornherein mit Zweifeln behaftet. Die Ermittler vermuteten, dass er einfach nur Aufmerksamkeit wollte. Die Geschworenen brauchten mehrere Tage, um zu einem Urteil zu kommen. Sie erklärten Stephani des versuchten Mordes an Karen Potak für schuldig.

Doch die eigentliche Frage, ob er auch für andere Morde verantwortlich war, blieb unbeantwortet, denn er wurde nur in diesem einen Fall verurteilt. Das Gericht verhängte eine lebenslange Haftstrafe mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. Für viele war das Urteil ein Schlag ins Gesicht. Karen, die bei der Urteilsverkündung anwesend war, wirkte ruhig, doch ihre Familie brach in Tränen aus.

Sie hatten Gerechtigkeit erhofft, bekamen aber nur einen Teil davon. Auch Jahre später blieben Fragen offen. Einige Ermittler glaubten, dass Stephani für weitaus mehr Todesfälle verantwortlich sein könnte, als er je gestand. Die Polizei überprüfte daraufhin ungeklärte Mordfälle aus den 1980er-Jahren, die ein ähnliches Muster aufwiesen.

Doch ohne weitere Beweise blieben die Akten offen. Für Karen ging das Leben weiter, aber die Narben blieben. Sie zog nach Wisconsin zurück, heiratete und bekam Kinder. Sie gab nur wenige Interviews, und wenn, dann sprach sie über die Wichtigkeit, Fremden nicht zu vertrauen.

Sie sagte, sie habe gelernt, dass das Böse manchmal ein freundliches Gesicht habe. Paul Stephani verbüßt seine Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis in Minnesota. Immer wieder beantragte er eine vorzeitige Entlassung, doch jeder Antrag wurde abgelehnt. Die Behörden hielten ihn für eine anhaltende Gefahr für die Öffentlichkeit.

In seiner Gefängnisakte wird er als manipulativ und hochintelligent geführt. Der Fall Potak wurde nie vollständig aufgeklärt. Die Ermittler gaben zu, dass es möglicherweise weitere Opfer gab, die nie gefunden wurden. Doch ohne Geständnis oder forensische Beweise werden diese Fälle wohl für immer ungelöst bleiben.

Was bleibt, ist die Geschichte einer jungen Frau, die gegen alle Wahrscheinlichkeit überlebte – und die Geschichte eines Mannes, der seine dunklen Geheimnisse bis heute nicht vollständig preisgegeben hat.