Turhan Sultan – Die letzte große Regentin nach Kösem Sultan

Turhan Sultan – Die letzte große Regentin nach Kösem Sultan

Seit mehr als einem Jahrhundert beeinflussten die Frauen des Harems die Politik des Osmanischen Reiches. Doch zwei Namen ragten besonders heraus: Güçmultan und Turhan Sultan. Zwischen diesen beiden Frauen entbrannte ein erbitterter Machtkampf, der zu den dramatischsten Konflikten der osmanischen Geschichte zählt. Turhan wurde zur letzten großen Herrscherin des Reiches.

Thumbnail

Doch ihre Geschichte beginnt viele Jahre zuvor, weit weg von Istanbul. Turhan wurde vermutlich um 1627 im heutigen Gebiet der Ukraine geboren. Über ihre Kindheit ist wenig bekannt, aber sie wuchs wahrscheinlich als Tochter einer einfachen Bauernfamilie auf. Die Region war jedoch keineswegs sicher.

Krimtataren überfielen immer wieder die Grenzgebiete, entführten Menschen und verschleppten sie in die Sklaverei. Eines Tages wurde auch ihre Familie zum Ziel. Bewaffnete Reiter erschienen und trieben die Menschen zusammen. Turhan wurde von ihren Eltern getrennt und sah ihre Familie nie wieder.

Über die Sklavenmärkte der Krim gelangte sie schließlich in das Osmanische Reich und erreichte Istanbul als Kind – möglicherweise war sie erst zwölf Jahre alt. In der Hauptstadt des Reiches begann für das Mädchen ein völlig neues Leben. Im Topkapı-Palast erhielt sie einen neuen Namen: Turhan. Sie wurde in den kaiserlichen Harem gebracht und lebte fortan in einer Welt strenger Regeln, klarer Hierarchien und eiserner Disziplin.

Ihre Tage folgten einem festen Rhythmus. Stundenlang saß sie mit anderen Mädchen im Unterricht, erlernte die osmanische Sprache, übte sich im Lesen und Schreiben und studierte religiöse Texte. Später kamen Musik, Gesang und Stickerei hinzu. Selbst ihre Haltung, ihre Bewegungen und ihre Sprechweise wurden überwacht.

Der Harem war mehr als nur die Wohnstätte der Gemahlinnen des Sultans – er glich einer eigenen Schule hinter den Mauern des Palastes. Wer Talent, Disziplin und Ehrgeiz zeigte, konnte in der strengen Rangordnung aufsteigen. Auch Turhan musste sich in dieser neuen Welt zurechtfinden. Als sie den Palast betrat, herrschte Sultan İbrahim I.

über das Reich. Sein Harem umfasste mehr als tausend Frauen. Viele träumten von einem besseren Leben, doch nur wenige erreichten es. Über allen Frauen stand eine: Kösem Sultan.

Als Mutter des Sultans gehörte sie zu den mächtigsten Frauen des Reiches. Sie beaufsichtigte den Harem, förderte begabte junge Frauen und entschied darüber, wer aufstieg und wer in Vergessenheit geriet. Kösem und Turhan begegneten sich in diesen frühen Jahren regelmäßig. Möglicherweise unterstützte die erfahrene Mutter des Sultans die junge Turhan sogar bei ihrer Ausbildung und Führung.

Keine der beiden ahnte, dass sie eines Tages zu erbitterten Rivalinnen um die Macht im Osmanischen Reich werden sollten. Während Turhan ausgebildet wurde, durchlebte das Reich schwierige Zeiten. Sultan İbrahim I. saß auf dem Thron, doch sein Verhalten sorgte immer wieder für Unruhe im Hof.

Sein verschwenderischer Lebensstil verschlang enorme Summen. Er liebte kostbare Stoffe, Schmuck und seltene Pelze. Zeitgenossen berichteten von Räumen, die mit wertvollem Zobelpelz ausgestattet waren. Doch hinter den Mauern des Palastes gab es noch eine andere Seite, die oft mehr Einfluss besaß als so mancher Wesir.

Am 2. Januar 1642 gebar Turhan einen Sohn, der den Namen Mehmed erhielt. Die Nachricht verbreitete sich schnell im Palast. Diener eilten durch die Gänge, Glückwünsche wurden überbracht, und Freude breitete sich im Harem aus.

Ein gesunder Prinz galt als Zeichen der Hoffnung für den Fortbestand der Dynastie und als Sicherheit für die Zukunft der Familie. Für Turhan veränderte sich in diesem Moment alles. Bisher war sie nur eine junge Frau unter vielen gewesen. Nun war sie die Mutter eines potenziellen Thronfolgers.

Ihr Aufstieg schien gesichert – doch der Weg an die Spitze war gefährlicher, als sie es sich hätte vorstellen können. Die Rivalität mit Kösem Sultan, der mächtigsten Frau des Reiches, sollte bald eskalieren und das Schicksal des gesamten Reiches prägen.