Ich erwachte wie jeden Morgen um sechs Uhr. Die Gewohnheiten eines alten Soldaten sterben nie. Nach vierzig Jahren bei der österreichischen Bundeswehr war Disziplin meine zweite Natur geworden. Ich heiße Franz Huber, bin siebenundsechzig Jahre alt, pensionierter Oberst und stolzer Salzburger.

Mein kleines Haus nahe der Altstadt war mein ganzer Stolz. Nach dem Tod meiner Frau Maria vor zwei Jahren war es mein einziger Trost geblieben. Ich stand langsam auf. Meine alten Knochen protestierten wie immer.
Siebenundsechzig Jahre hinterlassen ihre Spuren, besonders nach einem Leben im Militärdienst. Aber mein Geist war scharf wie eh und je. In der Küche bereitete ich mir schwarzen Kaffee zu, stark und bitter. Heute war Mittwoch, das bedeutete meine wöchentliche Routine: Einkaufen, Apotheke, dann ein Besuch bei meiner Tochter Elisabeth.
Elisabeth, meine einzige Tochter, zweiundvierzig Jahre alt, verheiratet mit Klaus Steiner, einem Versicherungsmakler, den ich nie gemocht hatte. Zu glatt, zu berechnend. Aber Elisabeth liebte ihn, also hatte ich meinen Frieden damit gemacht. Nach Marias Tod war Elisabeth meine einzige Familie gewesen.
Sie besuchte mich regelmäßig, kochte manchmal für mich, kümmerte sich um meine Angelegenheiten. Die perfekte Tochter, dachte ich oft. Manchmal zu perfekt. Ich duschte, zog eine ordentliche graue Hose und ein weißes Hemd an.
Ein Gentleman bleibt immer ein Gentleman. Das hatte mir mein Vater beigebracht. Die Apotheke zur Goldenen Krone lag in der Getreidegasse, nur wenige Minuten von meinem Haus entfernt. Magister Paul Kendler führte sie seit über zwanzig Jahren.
Ein vertrauenswürdiger Mann mit grauem Bart und goldener Brille. Guten Morgen, Herr Oberst, begrüßte mich Kendler wie immer respektvoll. Guten Morgen, Paul. Ich bin gekommen, um meine üblichen Herzmedikamente zu holen.
Kendler nickte und ging zu seinem Computer. Seit drei Jahren nahm ich täglich Tabletten gegen meinen leicht erhöhten Blutdruck. Nichts Dramatisches, nur eine Vorsichtsmaßnahme. Während Kendler meine Medikamente zusammenstellte, bemerkte ich, wie er mehrmals auf seinen Bildschirm blickte und die Stirn runzelte.
Schließlich kam er mit einer kleinen weißen Tüte zurück. Hier sind Ihre Herzmedikamente, Herr Oberst. Als ich bezahlen wollte, hielt er mich zurück. Warten Sie einen Moment, sagte Kendler leise und sah sich in der Apotheke um.
Wir waren allein. Ich muss Sie etwas fragen. Die anderen Medikamente auf Ihrem Rezept sind sehr starke Beruhigungsmittel, die sogar einen Elefanten ruhigstellen würden. Hat Ihre Tochter die wirklich für Sie bestellt?
Gibt es ein Problem? Ich starrte ihn an. Beruhigungsmittel? Wovon redest du denn?
Ich nehme keine Beruhigungsmittel. Und was hat meine Tochter damit zu tun? Kendlers Gesicht wurde ernst. Er bedeutete mir, näher zu kommen, und senkte die Stimme.
Gestern war Ihre Tochter hier. Sie hat eine beträchtliche Menge Lorazepam bestellt, ein sehr starkes Beruhigungsmittel. Sie sagte, es sei für Sie, weil Sie unter Schlafstörungen und Angstzuständen litten. Mein Blut gefror in den Adern.
Das ist unmöglich. Ich leide nicht unter Angstzuständen, und ich schlafe wunderbar. Das dachte ich mir, murmelte Kendler. Elisabeth betonte, dass es dringend sei, und sie wirkte nervös, fast panisch.
Sie hatte sogar ein Rezept von einem Arzt, dessen Namen ich noch nie gehört hatte. Dr. Weber aus Wien. Ich habe mich gefragt, ob es sich vielleicht um ein gefälschtes Rezept handeln könnte.
Dr. Weber. Ich kannte keinen Dr. Weber.
Mein Hausarzt war seit zehn Jahren Dr. Zimmermann hier in Salzburg. Kendler verschwand kurz in seinem Büro und kam mit einem Blatt Papier zurück. Hier ist eine Kopie des Rezepts.
Sehen Sie es sich an. Ich nahm das Papier mit zitternden Händen. Da stand tatsächlich mein Name. Franz Huber, geboren am 15.
März 1957. Ausgestellt von Dr. Weber, einem Psychiater aus Wien, und verschrieben wurde eine massive Dosis Lorazepam. Das ist nicht meine Unterschrift, sagte ich mit fester Stimme.
Und ich war nie bei diesem Dr. Weber. Kendlers Gesicht wurde noch ernster. Herr Oberst, ich muss Ihnen etwas gestehen.
Als Apotheker habe ich ein Gespür für solche Dinge entwickelt. Ihre Tochter wirkte gestern merkwürdig, nervös, fast panisch. Und diese Dosierung Lorazepam ist gefährlich hoch, besonders für jemanden in Ihrem Alter. Mir wurde schwindelig.
Ich musste mich am Tresen festhalten. Was meinen Sie damit? Was würde passieren, wenn ich diese Medikamente nehmen würde? Bei dieser Dosierung kann es zu sehr gefährlichen Nebenwirkungen kommen.
Sie würden extrem verwirrt. Ihr Gedächtnis würde von Tag zu Tag schwächer. Sie könnten hinfallen und das Bewusstsein verlieren. Bei langfristiger Einnahme besteht sogar die Möglichkeit, dass man Sie für senil hält.
Die Worte trafen mich wie Hammerschläge. Senil. Dement. Das war es also.
Aber warum sollte Elisabeth wollen, dass man mich für dement hält? Herr Oberst, geht es Ihnen gut? Sie sehen sehr blass aus, sagte Kendler besorgt. Ich atmete tief durch und sammelte meine Gedanken.
Vierzig Jahre Militärdienst hatten mich gelehrt, in kritischen Situationen ruhig zu bleiben. Paul, ich brauche Ihre Hilfe. Können Sie mir diese Medikamente geben? Wie bitte?
Aber Sie sagten doch gerade, Sie werden sie nicht nehmen. Ich werde sie nicht nehmen, unterbrach ich ihn. Aber ich muss herausfinden, was meine Tochter vorhat. Geben Sie ihr die Medikamente wie gewohnt und tun Sie so, als wisse niemand etwas.
Aber bewahren Sie unbedingt eine Kopie des gefälschten Rezepts auf. Kendler zögerte. Das ist sehr ungewöhnlich, Herr Oberst. Paul, vertrauen Sie mir.
Ich war vierzig Jahre lang Offizier. Ich weiß, wie man mit Betrügern umgeht. Nach langem Zögern nickte Kendler. Er verschwand erneut und kam mit einer zweiten Tüte zurück.
Hier sind die Lorazepam-Tabletten. Aber versprechen Sie mir, dass Sie vorsichtig sind. Und nehmen Sie diese Tabletten um Himmels willen nicht ein. Das verspreche ich Ihnen.
Ich verließ die Apotheke mit zwei Tüten. Eine mit meinen echten Herzmedikamenten, eine mit den mysteriösen Beruhigungsmitteln. Mein Kopf dröhnte vor Fragen. Warum wollte Elisabeth, dass ich diese gefährlichen Medikamente nahm?
Was hatte sie vor? Zu Hause setzte ich mich an meinen alten Schreibtisch, denselben, an dem ich früher Militäroperationen geplant hatte. Ich holte mein Notizbuch hervor und schrieb alles auf, was ich wusste. Erstens: Elisabeth hatte ohne mein Wissen starke Beruhigungsmittel bestellt.
Zweitens: Das Rezept war gefälscht, von einem Arzt, den ich nicht kannte. Drittens: Die Dosierung war gefährlich hoch, sie hätte mich verwirrt und hilflos gemacht. Aber warum? Was hatte meine geliebte Tochter vor?
Ich dachte an die letzten Wochen zurück. Elisabeth war öfter gekommen als sonst. Sie hatte Fragen zu meinen Finanzen gestellt, zu meinem Testament, zu meiner Krankenversicherung. Damals hatte ich es für fürsorgliche Aufmerksamkeit gehalten.
Jetzt bekamen diese Gespräche eine andere Bedeutung. Das Telefon klingelte. Elisabeths Name erschien auf dem Display. Hallo Papa, wie geht es dir heute?
Ihre Stimme klang wie immer liebevoll und besorgt. Aber jetzt hörte ich etwas anderes heraus. Etwas Falsches. Mir geht es gut, mein Kind.
Ich war gerade in der Apotheke. Ach, die Apotheke. Hast du deine Herzmedikamente geholt? Ja.
Und noch etwas anderes. Eine kleine Pause. Etwas anderes? Der Apotheker hat mir zusätzlich einige Beruhigungstabletten gegeben.
Er sagte, du hättest sie für mich bestellt. Wieder eine Pause. Länger diesmal. Das stimmt.
Vater, ich habe große Angst, dich zu verlieren. In letzter Zeit bist du unausgeglichen, erschöpft und vergesslich geworden. Ich dachte, diese Tabletten könnten dich wieder zu uns zurückbringen. Unausgeglichen, erschöpft, vergesslich.
Das war eine glatte Lüge. Ich war geistig so fit wie eh und je. Das ist sehr aufmerksam von dir, Elisabeth. Aber ich fühle mich eigentlich ganz gut.
Papa, du merkst es vielleicht nicht selbst. Aber Klaus und ich haben bemerkt, dass du manchmal Sachen vergisst, dich wiederholst. Wir machen uns wirklich Sorgen. Jetzt log sie mir direkt ins Gesicht.
Ich verstehe eure Sorge, sagte ich mit ruhiger Stimme. Vielleicht sollte ich diese Tabletten wirklich nehmen. Ich wäre dir sehr dankbar, Papa. Nimm sie regelmäßig, wie es auf der Packung steht.
Vielleicht wirst du dann wieder so fit wie früher. Nach dem Telefonat saß ich lange still da. Meine eigene Tochter wollte mich mit Medikamenten ruhigstellen. Aber warum?
Ich rief meinen alten Freund Heinrich Waldner an, einen ehemaligen Militärpolizisten, der jetzt als Privatdetektiv arbeitete. Franz, schön von dir zu hören. Wie geht es dir? Heinrich, ich brauche deine Hilfe.
Es geht um meine Tochter Elisabeth. Um Elisabeth? Was ist passiert? Ich erzählte ihm alles, von den gefälschten Medikamenten bis zu den merkwürdigen Fragen über meine Finanzen.
Heinrich hörte schweigend zu. Das klingt nicht gut, Franz. Hast du eine Ahnung, was sie vorhaben könnte? Nein.
Aber ich möchte, dass du Nachforschungen anstellst. Wer ist dieser Dr. Weber? Und wie sieht Elisabeths finanzielle Situation aus?
Natürlich. Gib mir ein paar Tage Zeit. Am Abend saß ich in meinem Lieblingssessel und starrte auf die beiden Medikamententüten auf dem Tisch. In der einen waren die Tabletten, die mein Leben retten sollten.
In der anderen die Tabletten, die es zerstören könnten. Was für ein Spiel spielte meine Tochter? Und vor allem: Wie weit war sie bereit zu gehen? Morgen würde Elisabeth mich besuchen kommen, wie jeden Donnerstag.
Sie würde fragen, ob ich die Tabletten genommen hatte. Und ich würde lügen, genau wie sie. Aber diesmal würde ich der Jäger sein, nicht die Beute. Ein alter Soldat gibt niemals auf.
Ich war dabei herauszufinden, was meine eigene Tochter gegen mich plante. Aber was ich entdecken würde, war schlimmer als alles, was ich mir hätte vorstellen können. Am Nachmittag rief ich meinen Hausarzt Dr. Zimmermann an und bat um einen dringenden Termin.
Als alter Patient wurde ich sofort empfangen. Herr Oberst, was führt Sie zu mir? Sie sehen beunruhigt aus, sagte der grauhaarige Arzt und deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Ich holte die gefälschte Rezeptkopie heraus und legte sie vor ihn.
Herr Doktor, haben Sie mir jemals empfohlen, zu einem Psychiater nach Wien zu gehen? Dr. Zimmermann setzte seine Brille auf und studierte das Papier. Nein, überhaupt nicht.
Sie sind ein völlig gesunder Mensch. Aber was ich nicht verstehe: Wer ist dieser Dr. Weber? Ich habe noch nie von ihm gehört.
Das dachte ich mir. Meine Tochter hat mit diesem gefälschten Rezept starke Beruhigungsmittel für mich bestellt. Dr. Zimmermanns Gesicht wurde ernst.
Franz, das ist ein sehr ernstzunehmender Betrug. Diese Dosierung Lorazepam könnte Sie ins Koma versetzen oder sogar töten, besonders in Kombination mit Ihren Herzmedikamenten. Die Worte trafen mich wie ein Schlag. Elisabeth war bereit, mein Leben zu riskieren.
Doktor, ich brauche dringend Ihre Hilfe. Können Sie ein Gutachten verfassen und unterschreiben, das bestätigt, dass ich keine psychischen Probleme habe und keine Beruhigungsmittel benötige? Natürlich. Ich werde sofort eine ausführliche Stellungnahme erstellen.
Während Dr. Zimmermann das Gutachten vorbereitete, klingelte mein Telefon. Heinrich Waldner. Franz, ich habe brisante Informationen.
Klaus hat vor zwei Wochen eine Lebensversicherung auf deinen Namen abgeschlossen. Eine sehr hohe Summe. Mir wurde kalt. Eine Lebensversicherung ohne mein Wissen?
Ja. Und er hat deine Unterschrift gefälscht. Aber das ist noch nicht alles. Ich habe einen Kontakt bei der Bank.
Elisabeth und Klaus haben bereits Kredite aufgenommen, mit deinem Haus als Sicherheit. Mein Haus? Das gehört mir allein. Sie haben gefälschte Vollmachten benutzt.
Franz, sie wollen dich nicht nur ruhigstellen. Sie wollen dich ins Jenseits schicken und dir dann alles wegnehmen, was du besitzt. Sei sehr vorsichtig. Du befindest dich in einer Wolfshöhle, in deiner eigenen Familie.
Mir wurde schwindelig. Meine eigene Tochter plante meinen Tod. Dr. Zimmermann eilte zu mir und half mir, mich zu setzen.
Franz, was ist passiert? Ich erzählte ihm von Heinrichs Entdeckung. Dr. Zimmermanns Gesicht wurde aschfahl.
Das ist versuchter Mord, flüsterte er. Wir müssen sofort die Polizei rufen. Nein, sagte ich mit fester Stimme. Noch nicht.
Ich will sie auf frischer Tat ertappen. Ein alter Soldat plant seine Schlachten sorgfältig. Am Abend saß ich in meinem Wohnzimmer und entwickelte den perfekten Plan. Elisabeth hatte vor, mich langsam zu vergiften und dann als Erbin zu kassieren.
Aber sie würde eine böse Überraschung erleben. Ich rief meinen alten Kameraden Werner Fuchs an, einen ehemaligen Militäringenieur, der jetzt ein Elektrofachgeschäft führte. Werner, ich brauche eine sehr spezielle Ausrüstung. Versteckte Kameras und Aufnahmegeräte.
Franz, du klingst wie ein Mann mit einer Mission. Was hast du vor? Ich erzählte ihm alles. Werner war entsetzt, aber bereit zu helfen.
Gib mir bis morgen Zeit. Ich verwandle dein Haus in eine Überwachungszentrale. Am nächsten Tag installierte Werner diskret Kameras in der Küche, im Wohnzimmer und im Flur. Alles wird aufgezeichnet, erklärte Werner und zeigte auf einen kleinen Laptop.
Die Aufnahmen gehen direkt auf diesen Computer. Alles wird automatisch gespeichert. Elisabeth kam wie gewohnt am Samstag zum Kaffeetrinken. Diesmal brachte sie selbstgebackenen Kuchen mit.
Papa, ich habe deinen Lieblingskuchen gebacken. Sachertorte, genau wie Mama sie immer gemacht hat. Ich wollte, dass du wenigstens etwas Leckeres isst. Ich war mir nicht sicher, ob der letzte Satz ein Versprecher war.
Aber ich wusste, dass wahre Rache kein Kuchen ist, sondern ein Gericht, das man am besten kalt serviert. Sie schnitt mir ein großes Stück ab und schenkte Kaffee ein. Ich beobachtete sie genau. Während sie den Kaffee eingoß, ließ sie etwas aus einer kleinen Kapsel in meine Tasse fallen.
Danke, mein Kind. Du bist so fürsorglich. Ich tat so, als würde ich den Kaffee trinken, schüttete ihn aber diskret in den Blumentopf neben meinem Sessel. Elisabeth beobachtete mich gespannt.
Nach zwanzig Minuten fragte sie: Papa, wie fühlst du dich? Du siehst müde aus. Ich fühle mich tatsächlich sehr schläfrig, log ich und gähnte übertrieben. Vielleicht solltest du dich hinlegen.
Ich räume hier auf. Ich ging ins Schlafzimmer, ließ aber die Tür einen Spalt offen. Durch den Spalt konnte ich Elisabeth in der Küche beobachten. Sie holte ihr Handy hervor und rief jemanden an.
Klaus, es hat funktioniert. Ich habe ihm die doppelte Dosis gegeben. Endlich werden wir diesen Idioten los, Schatz. Ich habe diesen faltigen, verrückten Mann so satt.
Er ist völlig weggetreten. Du kannst kommen. Eine halbe Stunde später erschien Klaus mit einem Koffer. Ist er bewusstlos?
, fragte Klaus. Völlig. Wir haben etwa zwei Stunden Zeit, bevor er wieder aufwacht. Ich schlich mich näher an die Tür und lauschte.
Klaus öffnete seinen Koffer und holte verschiedene Papiere heraus. Hier sind die gefälschten Vollmachten, das Testament und die Lebensversicherungspolice. Perfekt, sagte Elisabeth. Sobald wir seine Fingerabdrücke auf allen Papieren haben, können wir zur nächsten Phase übergehen.
Und wenn er Widerstand leistet? Elisabeth lachte kalt. Er wird keinen Widerstand leisten. Nach ein paar Wochen mit den Beruhigungsmitteln wird er ein sabbernder Idiot sein.
Und falls das nicht reicht …
Sie zog eine Spritze aus ihrer Handtasche. Diese Insulindosis wird wie ein Herzinfarkt aussehen. Klaus nickte anerkennend. Du hast wirklich an alles gedacht.
Ich habe jahrelang auf diesen Moment gewartet, sagte Elisabeth. Ich habe darauf gewartet, dass dieser alberne alte Mann endlich stirbt. Jetzt ist es Zeit, unser Erbe anzutreten. Ich ballte die Fäuste.
Meine eigene Tochter nannte mich einen alten Mann, der genug gelebt hatte. Sie begannen, meine Finger zu nehmen, um Fingerabdrücke auf die gefälschten Papiere zu setzen. Dabei filmten sie alles mit Klaus’ Handy, als Beweis, dass ich die Papiere freiwillig unterschrieben hatte. So, sagte Elisabeth zufrieden.
Jetzt gehört das Haus uns. Die Lebensversicherung läuft, und wir haben alle rechtlichen Vollmachten. Der Plan ist perfekt. Wann geben wir ihm die finale Dosis?
, fragte Klaus. Morgen, bei der Familienfeier zu meinem Geburtstag. Vor allen Verwandten. Es wird wie ein plötzlicher Herzinfarkt aussehen.
Niemand wird Verdacht schöpfen. Morgen war Elisabeths zweiundvierzigster Geburtstag. Sie hatte die ganze Familie eingeladen, um meinen Mord zu vertuschen. Als sie das Haus verließen, wartete ich noch eine halbe Stunde, bevor ich aus dem Schlafzimmer kam.
Ich überprüfte die Aufnahmen auf Werners Computer. Alles war perfekt dokumentiert. Ihr ganzer Plan, die gefälschten Papiere, sogar die Spritze mit dem Insulin. Ich rief Heinrich an.
Heinrich, sie wollen mich morgen bei Elisabeths Geburtstagsfeier umbringen. Um Himmels willen, Franz. Wir müssen sofort die Polizei rufen. Nein.
Ich habe einen besseren Plan. Sie sollen ihre eigene Falle erleben. Am nächsten Morgen rief ich alle Verwandten an, die zu Elisabeths Geburtstag eingeladen waren. Meine Schwester Greta, mein Bruder Hans, verschiedene Cousins und Cousinen.
Ich muss euch etwas Wichtiges mitteilen, sagte ich zu jedem. Kommt eine Stunde früher zur Feier. Ich habe eine besondere Überraschung für Elisabeth. Dann rief ich Kommissar Weber von der Salzburger Polizei an, einen alten Bekannten aus meiner Militärzeit.
Weber, ich habe eine Mordverschwörung aufgedeckt. Kannst du heute Abend mit ein paar Kollegen diskret in der Nähe sein? Natürlich, Franz. Auf dich war immer Verlass.
Am Nachmittag bereitete ich alles vor. Werner installierte zusätzliche Kameras und einen großen Bildschirm im Wohnzimmer. Dr. Zimmermann kam mit seinem medizinischen Gutachten über meinen Gesundheitszustand.
Um sechs Uhr trafen die ersten Verwandten ein. Sie waren verwirrt über das frühe Treffen, aber sie vertrauten mir. Was ist los, Franz? , fragte meine Schwester Greta.
Du klingst so geheimnisvoll. Ihr werdet es gleich sehen. Setzt euch alle ins Wohnzimmer. Um sieben Uhr erschienen Elisabeth und Klaus mit einem großen Blumenstrauß und einer Geburtstagstorte.
Papa! Und alle anderen sind auch schon da, rief Elisabeth überrascht. Welche schöne Überraschung. Sie trug ein elegantes blaues Kleid und lächelte strahlend.
Die perfekte Tochter, die ihren Vater liebt. Wenn nur alle wüssten. Elisabeth, mein Kind, sagte ich und umarmte sie. Ich habe eine ganz besondere Überraschung für dich.
Eine Überraschung, Papa? Du bist so süß. Alle Verwandten hatten sich versammelt. Etwa fünfzehn Personen füllten mein Wohnzimmer.
Klaus stellte die Torte auf den Tisch und lächelte nervös. Bevor wir feiern, begann ich und erhob mich, möchte ich euch allen etwas zeigen. Elisabeth hat sich in letzter Zeit so rührend um mich gekümmert. Elisabeth strahlte.
Papa, das ist doch selbstverständlich. Ich drückte eine Fernbedienung, und der große Bildschirm erwachte zum Leben. Hier ist ein kleines Video von Elisabeths Fürsorge. Auf dem Bildschirm erschien die Aufnahme von gestern.
Elisabeth und Klaus in meiner Küche, wie sie die gefälschten Papiere vorbereiteten. Es hat funktioniert. Ich habe ihm die doppelte Dosis gegeben. Endlich werden wir diesen Idioten los, Schatz.
Ich hatte diesen faltigen, verrückten Mann so satt. Elisabeths Stimme kam aus den Lautsprechern. Die Verwandten erstarrten. Elisabeth wurde kreidebleich.
Papa, was ist das? Das ist nicht echt. Aber das Video lief weiter. Klaus mit seinem Koffer voller gefälschter Dokumente.
Elisabeth mit der Insulinspritze. Ihre kalten Worte über den alten Mann, der genug gelebt hatte. Schockierte Rufe gingen durch den Raum. Meine Schwester Greta begann zu weinen.
Elisabeth, wie konntest du nur? , rief mein Bruder Hans entsetzt. Klaus versuchte zur Tür zu rennen. Aber Heinrich und Werner, die diskret bei der Feier anwesend waren, versperrten ihm den Weg.
Elisabeth Huber und Klaus Steiner, sagte ich mit eiskalter Stimme, ihr seid wegen geplanten Mordes, Betrugs und Urkundenfälschung angeklagt. Die Tür öffnete sich, und Kommissar Weber trat mit drei Kollegen ein. Polizei! Niemand verlässt den Raum.
Elisabeth brach zusammen und weinte hysterisch. Papa, es tut mir leid. Wir brauchten das Geld. Klaus hat mich dazu gedrängt!
Klaus schrie sie an. Halt die Klappe! Du warst diejenige mit dem Plan. Du hast versucht, deinen eigenen Vater zu ermorden, sagte Kommissar Weber und legte Elisabeth Handschellen an.
Das ist das Widerlichste, was ich in meinen dreißig Jahren als Polizist je gesehen habe. Die Verwandten standen sprachlos da. Manche weinten, andere schüttelten fassungslos den Kopf. Ich zog einen Umschlag aus meiner Jacke.
Hier sind alle Beweise. Die gefälschten Rezepte, die illegalen Versicherungsabschlüsse, die Vollmachten. Alles. Papa, flüsterte Elisabeth mit Tränen in den Augen.
Vergib mir. Ich werde dir das Geld zurückzahlen. Ich sah sie mit kalten Augen an. Du warst meine einzige, meine schönste Prinzessin, Elisabeth.
Hättest du mich darum gebeten, hätte ich dir alles gegeben. Mein ganzes Vermögen, meine Seele. Doch du hast mich belogen, manipuliert und versucht, mich zu töten. Die Polizisten führten Elisabeth und Klaus ab.
Die Verwandten gingen einer nach dem anderen, alle noch unter Schock. Sechs Monate später saß ich in meinem Lieblingssessel und las die Zeitung. Die Schlagzeile lautete: Tochter zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt – Mordplan gegen eigenen Vater. Elisabeth hatte die Höchststrafe bekommen, Klaus zwölf Jahre.
Dr. Weber war bereits wegen ähnlicher Fälle verurteilt worden. Das Telefon klingelte. Heinrich rief an.
Franz, wie geht es dir? Sehr gut, alter Freund. Hast du schon von Elisabeth gehört? Nein.
Und ich will auch nichts von ihr hören. Ich stand auf und ging zur Fotowand im Wohnzimmer. Dort hing das Foto von Elisabeths Taufe, auf dem ich sie stolz in den Armen hielt. Langsam drehte ich es mit dem Gesicht zur Wand.
Du warst einmal meine Tochter, murmelte ich. Aber eine Tochter, die ihren Vater ermorden will, ist keine Tochter mehr. Ich setzte mich wieder und öffnete ein neues Buch. Draußen schien die Sonne durch die Fenster meines Hauses.
Meines Hauses, das für immer mir gehören würde. Franz Huber hatte gelernt, dass Familie nicht automatisch Liebe bedeutet. Aber ich hatte auch gelernt, dass ein alter Soldat niemals aufgibt.
Und manchmal muss man der eigenen Familie beibringen, dass Verrat seinen Preis hat.