Der Klassiker „Der Pate“ gilt bis heute als einer der größten Filme der Filmgeschichte. Doch was das Publikum seit über 50 Jahren auf der Leinwand sieht, wäre fast nie verwirklicht worden. Die Produktion war von massiven Konflikten zwischen Regisseur Francis Ford Coppola und den Paramount-Studiobossen geprägt, die zeitweise sogar über seine Ablösung und den Ersatz von Hauptdarsteller Al Pacino nachdachten. Gerettet wurde der Film letztlich durch eine einzige, entscheidende Szene.

Lange bevor Coppola überhaupt im Gespräch war, hatten die Verantwortlichen bei Paramount eine Reihe anderer Regisseure im Blick. Die erste Wahl war Sergio Leone, der jedoch ablehnte. Auch der gefeierte Regisseur Peter Bogdanovich lehnte das Angebot ab, da er keinen Mafiafilm drehen wollte. Weitere Kandidaten wie Elia Kazan, Arthur Penn, Peter Yates, Costa-Gavras, Otto Preminger und Richard Brooks standen ebenfalls auf der Liste.
Erst als Coppolas Name fiel, schien die passende Lösung gefunden: Sein Honorar war moderat, und er hatte italienische Wurzeln. Doch Coppola lehnte zunächst ab. Er hielt Mario Puzos Roman, der damals die Bestsellerlisten anführte, für geschmacklos und übertrieben. Erst als er sich in finanziellen Schwierigkeiten befand und seine Familie auf ihn einredete, lenkte er ein.
Beim genaueren Lesen entdeckte er in der Geschichte über die organisierte Kriminalität eine tiefere Botschaft, nämlich eine über traditionelle Familienwerte im Wandel des kapitalistischen Amerikas. Kaum war die Zusammenarbeit besiegelt, begannen die Probleme. Während der Dreharbeiten schwebte über Coppola ständig die Drohung, seinen Job zu verlieren. Das Studio hatte einen Ersatzregisseur am Set bereitstehen, der hätte einspringen sollen, falls Coppola nicht lieferte.
Eine der zentralen Vorgaben war, dass der Film nicht länger als 120 Minuten werden dürfe. Am Ende brachte es „Der Pate“ auf etwa 175 Minuten, fast eine Stunde über dem vereinbaren Limit. Auch bei der Besetzung gab es erhebliche Differenzen. Die Studiobosse hatten Zweifel an Diane Keaton, die ihnen zu exzentrisch und unkonventionell war, und hielten Marlon Brando für zu schwierig.
Als Alternative für die Rolle des Don Vito Corleone wurden unter anderem Ernest Borgnine, Charles Bronson, Burt Lancaster, George C. Scott, Anthony Quinn und Orson Welles in Betracht gezogen. Coppola wollte dagegen Brando oder Laurence Olivier, während Autor Mario Puzo ebenfalls nur Brando in der Rolle sehen konnte. Als das Studio schließlich nachgab, war es eine für den Schauspieler eher ernüchternde Verpflichtung unter Auflagen.
Besonders umkämpft war die Besetzung der Rolle des Michael Corleone. Auf der Kandidatenliste standen Dustin Hoffman, Ryan O’Neal, Warren Beatty, Jack Nicholson, Martin Sheen und sogar James Caan, der am Ende als Sonny besetzt wurde. Die Studiochefs favorisierten vor allem Warren Beatty oder Robert Redford. Al Pacino galt ihnen als zu klein und als zu unbekannt.
Coppola setzte sich durch, doch selbst nach der Entscheidung versuchte das Studio dreimal, Pacino wieder aus dem Film zu nehmen, weil es dessen Darstellung als zu kraftlos empfand. Was die Verantwortlichen schließlich umstimmte, war eine einzige Szene: die berühmte Restaurantsequenz, in der Michael Corleone den Polizeichef McCluskey und den Gangster Virgil Sollozzo erschießt. Coppola hatte diese Szene bewusst früher im Drehplan angesetzt, weil er wusste, dass an ihr alles hing. In einem italienischen Restaurant in der Bronx sollte diese Schlüsselszene seine gesamte Vision für den Film belegen.
Nach der Sichtung des Materials ließ das Studio Coppola und Pacino letztlich gewähren. Filmexperten erklären die Wirkung der Szene mit vier zentralen Elementen: dem Schnitt, den Geräuschen, der Körpersprache und der Musik. Der Schnitt wechselt zwischen langen und kurzen Einstellungen und erzeugt damit eine Mischung aus Kälte, Anspannung und schließlich ausbrechender Gewalt. Der Ton spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle: Das Kreischen einer vorbeifahrenden Bahn und das Knallen des Korkens sind in der ansonsten bedrückenden Stille besonders präsent.
Der Wechsel ins Italienische ohne Untertitel zwingt das Publikum dazu, auf das Gemeinte und das innere Geschehen zu achten, anstatt auf die gesprochenen Worte. Sollozzos Selbstgefälligkeit und Michaels Anspannung werden dadurch deutlich. Die Musik schließlich trägt all die aufgestaute Emotion und verstärkt die Wucht des Gewaltakts. Die Szene veränderte die Haltung des Studios grundlegend.
Der Druck auf Coppola und Pacino ließ spürbar nach, und am Ende stand ein Film, der nicht nur weltweit gefeiert wurde, sondern auch als Meisterwerk in die Geschichte des Kinos einging.