Sisis Erben – Die Enkel der Kaiserin Elisabeth: Was wurde aus ihnen?

Sisis Erben – Die Enkel der Kaiserin Elisabeth: Was wurde aus ihnen?

Die Kinder und Enkel von Kaiserin Elisabeth, bekannt als Sisi, führten Leben, die kaum unterschiedlicher hätten sein können. Während einige ein ruhiges Familienleben wählten, trotzten andere den strengen Regeln des Kaiserhauses oder sorgten für Skandale, die bis heute nachwirken. Im Frühjahr 1873 heiratete Erzherzogin Gisela, die älteste Tochter von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, den bayerischen Prinzen Leopold. Die damals 16-Jährige verließ Wien und zog nach München.

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Für Gisela war der Wechsel vor allem eines: ein Neuanfang. Am Hof war sie oft von ihrer Mutter getrennt gewesen, nun wollte sie ihre eigenen Kinder anders erziehen – bewusst und mit voller Hingabe. Zwischen 1874 und 1883 kamen vier Kinder zur Welt: Elisabeth Marie, Auguste, Georg und Konrad. Trotz der üblichen Erzieherinnen verbrachte Gisela viel Zeit mit ihnen, spielte und teilte ihren Alltag.

Die Familie galt als harmonisch, doch das Leben der Kinder sollte andere Wege gehen, als Gisela erhoffte. Während Gisela in München ein glückliches Familienleben führte, geriet die Familie ihres Bruders Rudolf in Wien in eine tiefe Krise. Am 2. September 1883 wurde seine einzige Tochter Elisabeth Marie in Laxenburg geboren.

Im Kreis der Familie nannte man sie liebevoll Erzsi. Ihre Mutter Stephanie hoffte, das Kind werde die zerrüttete Ehe kitten. Rudolf selbst hätte sich einen Thronfolger gewünscht, entwickelte aber bald eine enge Bindung zu seiner Tochter. Diese Zeit des Glücks währte nur wenige Jahre.

Am 30. Januar 1889 erschütterte die Tragödie von Mayerling die Monarchie: Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera wurden tot aufgefunden. Für die fünfjährige Erzsi begann ein langer Schatten. Erwachsene flüsterten, Bedienstete eilten durch die Gänge.

Dann erfuhr sie, dass ihr Vater nie wieder nach Hause kommen würde. In seinem Abschiedsbrief hatte Rudolf seine Frau gebeten, gut auf das gemeinsame Kind aufzupassen. Kaiser Franz Joseph übernahm die Vormundschaft für seine Enkelin und wurde bald ihr erklärter Liebling. Er erfüllte ihr viele Wünsche, verbrachte Zeit mit ihr und gab ihr eine unbeschwerte Kindheit.

Erzsi behielt ein Leben lang zahlreiche Fotos und Erinnerungsstücke ihres Vaters. Das Verhältnis zu ihrer Mutter kühlte dagegen merklich ab. Als Stephanie 1900 einen ungarischen Grafen heiratete, lehnte Erzsi ihren Stiefvater offen ab. Der Kontakt zwischen Mutter und Tochter brach schließlich ganz ab.

Die Kinder von Gisela entwickelten sich derweil sehr unterschiedlich. Elisabeth Marie, genannt Ella, verliebte sich mit 19 in Otto von Seefried auf Buttenheim. Ihr Vater lehnte die Verbindung ab, weil Otto einem niedrigeren Adel angehörte und Protestant war. Das Paar ließ sich nicht beirren und heiratete am 2.

November 1893 heimlich in Genua. Die Familien erfuhren erst nach der Hochzeit davon. Prinz Leopold war tief verletzt und blieb jahrelang zerstritten mit seiner Tochter. Gisela stellte sich schützend vor Ella und arbeitete mit Kaiser Franz Joseph auf eine Versöhnung hin.

Am Ende akzeptierte der Großvater die Ehe. Die Verbindung, die so umstritten begann, wurde eine sehr glückliche: Ella und Otto blieben bis zu seinem Tod 1951 zusammen und hatten fünf Kinder. Auguste wählte einen konventionelleren Weg. Ihre Ehe mit Erzherzog Joseph August von Österreich erfüllte die Erwartungen des Hochadels.

Das Paar zog nach Ungarn und bekam sechs Kinder. Auguste zeigte schon früh eine warmherzige Natur. Im Ersten Weltkrieg meldete sie sich als Krankenschwester, pflegte Verwundete und organisierte Hilfsaktionen. Auch nach dem Untergang der Monarchie blieb sie ihrer wohltätigen Arbeit treu und half bis ins hohe Alter Bedürftigen und Obdachlosen.

Georg schien zunächst den vorgezeichneten Weg eines Prinzen zu gehen. Er wurde Offizier und heiratete 1912 seine Cousine Isabella. Doch die Ehe scheiterte nach wenigen Monaten, ein für einen katholischen Prinzen damals unerhörter Vorgang. Nach dem Ersten Weltkrieg zog Georg die Konsequenzen: Er gab die militärische Laufbahn auf, studierte Theologie und wurde 1921 zum katholischen Priester geweiht.

Er lebte fortan in Rom und widmete sich dem Dienst an der Kirche. Konrad, der Jüngste, wählte ein ruhigeres Leben. Er heiratete 1921 die italienische Prinzessin Bona Margarete von Savoyen-Genua und gründete eine Familie. Nach dem Ende der Monarchie zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und fand in der Natur seiner bayerischen Alpen seine Erfüllung.

Die einfache Lebensweise und seine Familie wurden zum Mittelpunkt seines Daseins. Erzsi wuchs zu einer selbstbewussten jungen Frau heran. Mit ihrer ungewöhnlichen Größe, ihrer eleganten Erscheinung und ihrem starken Willen fiel sie überall auf. Als Lieblingsenkelin des Kaisers wusste sie ihren Einfluss auf ihn zu nutzen.

Im Herbst 1900 lernte sie auf einem Fest den berühmten Offizier und Reiter Otto zu Windisch-Grätz kennen. Sie verliebte sich und war entschlossen, ihn zu heiraten – gegen den Willen des Kaisers, der einen standesgemäßeren Ehemann im Sinn hatte. Tag für Tag kämpfte Erzsi um seine Zustimmung, bis er schließlich nachgab. Am 23.

Januar 1902 fand die Hochzeit in der Wiener Hofburg statt. Das Paar bekam vier Kinder, doch die Ehe zerbrach. Erzsi lebte zurückgezogen auf Schloss Schönau und verband viel mit dem Marineoffizier Egon Lerch. Als dieser im Ersten Weltkrieg mit seinem U-Boot sank, traf sie sein Tod schwer.

Die Scheidung lehnte Kaiser Franz Joseph jedoch strikt ab. Erst nach seinem Tod und dem Ende der Monarchie konnte Erzsi gegen ihren Mann vorgehen. Es folgte ein jahrelanger, erbitterter Sorgerechtsstreit um die vier Kinder. 1921 spitzte sich der Konflikt zu: Ein Richter, ein Gerichtsvollzieher und viele Polizisten erschienen auf Schloss Schönau, um die Kinder dem Vater zu übergeben.

Doch Anwohner bildeten eine schützende Mauer vor dem Schloss und verhinderten den Zugriff. Die Beamten mussten unverrichteter Dinge abziehen. Die Kinder blieben bei ihrer Mutter. Im selben Jahr lernte Erzsi den sozialdemokratischen Politiker Leopold Petznek kennen.

Durch ihn bekam sie Einblick in das Leben einfacher Menschen. Sie öffnete ihren Schlosspark für Bedürftige, verteilte Obst und Gemüse an Familien und erlebte deren Not hautnah. 1925 trat sie schließlich der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei. Die Kaiserenkelin wurde als „Rote Erzherzogin“ bekannt.

Mit Petznek verband sie eine enge Beziehung, die Jahrzehnte hielt. Heiraten konnten die beiden erst 1948, nachdem Erzsis erste Ehe offiziell geschieden worden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sie wieder zusammen und blieben bis zu ihrem Tod unzertrennlich. Auch das Leben von Marie Valerie, der jüngsten Tochter von Kaiserin Elisabeth, nahm eine eigene Wendung.

1886 lernte sie auf einem Ball Erzherzog Franz Salvator kennen. Die beiden heirateten am 31. Juli 1890 in Bad Ischl. Trotz der Überschattung durch das Drama von Mayerling begann die glücklichste Zeit ihres Lebens.

Das Paar bekam zehn Kinder. Auf Schloss Wallsee herrschte reges Leben: Kinderlachen hallte durch die Räume, im Schlosspark wurde gespielt, die Familie führte kleine Theaterstücke auf. Doch auch diese Familie blieb von schweren Verlusten nicht verschont. 1911 starb die jüngste Tochter Agnes an ihrem Geburtstag.

Im Ersten Weltkrieg diente der älteste Sohn Franz Karl als Offizier. Als die Monarchie im Herbst 1918 zusammenbrach, kehrte er heim – schwer krank. Am 10. Dezember 1918 erlag der 25-Jährige der Spanischen Grippe.

Für Marie Valerie war der Tod ihres Erstgeborenen ein unerträglicher Schlag. Sie versank in tiefer Trauer. Sein Bruder Hubert Salvator übernahm die Verantwortung für Schloss Wallsee. Mit seiner Frau Rosemary gründete er eine große Familie mit dreizehn Kindern.

Die Enkel brachten neues Leben ins Schloss und gaben Marie Valerie Halt. Ihre eigene Ehe wurde derweil immer problematischer. Franz Salvator hatte Beziehungen zu anderen Frauen und erkannte sogar ein uneheliches Kind an. Für die tiefgläubige Kaisertochter kam eine Scheidung nicht in Frage.

Stattdessen widmete sie sich ihren Kindern, Enkeln und karitativen Aufgaben. Als Marie Valerie am 6. September 1924 im Alter von 56 Jahren an Lymphdrüsenkrebs starb, verlor ihre große Familie ihr Zentrum. Sie hinterließ zehn Kinder, 33 Enkel und zahlreiche Urenkel.

Auch nach ihrem Tod blieben weitere Schicksalsschläge nicht aus. 1930 starb ihre älteste Tochter Ella mit nur 38 Jahren und hinterließ vier Kinder. Deren Schwester Gertrud übernahm die Erziehung und bewahrte zudem Briefe, Tagebücher und Erinnerungsstücke ihrer Mutter und ihres Großvaters auf. Dank ihr sind viele persönliche Einblicke in das Leben der Habsburger bis heute erhalten.

Die übrigen Kinder gingen eigene Wege: Hedwig gründete mit Bernhard zu Stolberg-Stolberg eine neunköpfige Familie. Theodor Salvator fand sein Glück mit Maria Theresia von Waldburg-Zeil, das Paar bekam mehrere Kinder. Über Maria, die 1936 unverheiratet im Alter von 35 Jahren starb, ist wenig bekannt. Mathilde heiratete nach dem Zweiten Weltkrieg den Anwalt Ernst Hefel und lebte später zurückgezogen in Salzburg; aus der Ehe gingen keine Kinder hervor.

Die Nachkommen von Kaiserin Elisabeth hätten ein unterschiedlicheres Schicksal kaum finden können. Einige stellten die Liebe über die Pflicht, andere wählten den Dienst an der Gemeinschaft, wieder andere gingen entschlossen eigene Wege – oft gegen die Erwartungen ihrer Zeit. Hinter den glanzvollen Namen standen Menschen mit Hoffnungen, Verlusten und Mut.

Ihre Lebensgeschichten markieren nicht nur das Ende einer Ära am Hof einer Kaiserin, sondern das Ende einer ganzen Epoche.