Die deutsche Besetzung der Niederlande begann am 10. Mai 1940 und veränderte das Leben von über 100.000 Juden radikal. Unter ihnen war auch die Familie Frank, die bereits 1933 aus Nazi-Deutschland geflohen war.
Margot Betty Frank wurde am 16. Februar 1926 in Frankfurt am Main geboren. Sie wuchs gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Anne in einem liberalen jüdischen Elternhaus auf. Die Familie lebte in einer assimilierten Gemeinschaft, bis Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde.
Die zunehmenden antisemitischen Gesetze im Deutschen Reich machten das Leben für jüdische Familien unerträglich. Margot durfte als Jüdin kaum noch eine öffentliche Schule besuchen. Die Nazis begrenzten den Anteil jüdischer Schüler auf fünf Prozent der Gesamtschülerzahl.
Im September 1933 gründete Otto Frank eine Filiale seiner Firma in Amsterdam. Die Familie folgte ihm wenig später und gehörte damit zu den rund 300.000 Juden, die zwischen 1933 und 1939 aus Nazi-Deutschland flohen.
In Amsterdam fand die Familie zunächst ein neues Zuhause. Margot lernte schnell Niederländisch und zeigte hervorragende schulische Leistungen, besonders in Naturwissenschaften und Mathematik. Trotz ihrer guten Noten blieb sie bescheiden.
Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 und machte die Fluchtpläne der Familie nach Großbritannien zunichte. Margot war sich der Gefahr bewusst und schrieb in einem Brief an eine Schülerin in den USA, dass sich ihre Familie nie sicher fühlte.

Als Deutschland am 10. Mai 1940 die Niederlande überfiel, war Margot 14 Jahre alt. Die Nazis erließen auch hier antisemitische Gesetze und schränkten das Leben der jüdischen Bevölkerung massiv ein.
Margot musste das Lyzeum verlassen und auf ein jüdisches Gymnasium wechseln. Sie durfte nicht mehr Tennis spielen oder rudern, weil Juden der Zugang zu Sportvereinen verboten wurde. Otto Frank übertrug die Kontrolle über seine Firmen rechtzeitig an nichtjüdische Angestellte.
Im Sommer 1942 begannen die systematischen Deportationen niederländischer Juden in Vernichtungslager. Von den rund 140.000 Juden in den Niederlanden wurden etwa 107.000 deportiert, nur 5.000 überlebten.
Am 5. Juli 1942 erhielt Margot eine Vorladung für ein sogenanntes Arbeitslager in Nazi-Deutschland. Die Familie wusste, dass sie nicht zögern durfte. Am nächsten Morgen tauchten sie im Hinterhaus der Prinsengracht 263 unter.
Im Versteck verbrachte die Familie 761 Tage in ständiger Angst. Acht Menschen lebten auf engstem Raum und waren vollständig auf sechs Helfer angewiesen. Sie mussten tagsüber leise sein, damit die Arbeiter im Lager unter ihnen nichts bemerkten.
Margot lernte im Versteck Englisch, Französisch, Latein und Biologie. Sie belegte sogar einen Lateinkurs per Fernunterricht. Während Anne davon träumte, Schriftstellerin zu werden, wollte Margot als Geburtshelferin in Palästina arbeiten.

Margot galt als ruhig und besonnen, während Anne temperamentvoll war. Sie engagierte sich in der liberalen jüdischen Gemeinde und trat 1941 einem zionistischen Jugendclub bei. Im Versteck fühlte sich Margot oft einsam.
Am 4. August 1944 endete die Zeit im Versteck abrupt. Niederländische Polizisten verhafteten die acht Untergetauchten. Margot weinte während der Verhaftung still. Annes Tagebuch wurde von Helfern gerettet, Margots Tagebuch ging verloren.
Die Familie wurde ins Durchgangslager Westerbork gebracht und am 3. September 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Die Zugreise dauerte drei qualvolle Tage in überfüllten Viehwaggons.
Bei der Ankunft selektierten SS-Ärzte die Häftlinge. Rund 350 Menschen aus Margots Transport wurden sofort ermordet. Margot musste schwere körperliche Arbeit verrichten, sie schnitt Grassoden und schleppte Steine.
In der Nacht vom 1. November 1944 wurden Margot und Anne in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verlegt. Ihre Mutter Edith blieb in Auschwitz zurück und starb am 6. Januar 1945 an Entkräftung.
Die Zustände in Bergen-Belsen waren katastrophal. Es gab kein Wasser zum Waschen und kaum etwas zu essen. Eine Typhusepidemie breitete sich rasch aus, die tägliche Sterberate lag zwischen 250 und 300 Menschen.

Beide Schwestern erkrankten an Typhus. Überlebende erinnerten sich, dass Margot und Anne nur noch aus Haut und Knochen bestanden. Ihr Schlafplatz befand sich direkt an der Tür der Baracke, wo sie unter der bitteren Kälte litten.
Margot starb, als sie aus ihrem Bett auf den kalten Steinboden fiel. Der Schock war tödlich. Anne starb kurz nach ihrer Schwester. Ihre Leichen wurden in eines der Massengräber des Lagers gelegt.
Margot war bei ihrem Tod entweder 18 oder 19 Jahre alt, ihr genaues Todesdatum ist unbekannt. Anne wurde nur 15 Jahre alt. Sie starben vermutlich bereits im Februar 1945, wenige Wochen vor der Befreiung des Lagers am 15. April 1945.
Nur Otto Frank überlebte den Holocaust. Er wurde am 27. Januar 1945 in Auschwitz befreit und kehrte am 3. Juni 1945 in die Niederlande zurück. Einen Monat später erfuhr er vom Tod seiner Töchter.
Eine Helferin überreichte ihm Annes Tagebuch. Er war tief beeindruckt von ihrem schriftstellerischen Talent und erfüllte ihren Wunsch, ihre Geschichte zu veröffentlichen. Die ersten 3.000 Exemplare erschienen 1947.
Seitdem wurde das Tagebuch der Anne Frank in mehr als 70 Sprachen übersetzt. 1960 wurde das Versteck an der Prinsengracht 263 zu einem Museum, dem Anne-Frank-Haus.
Margot Frank wird heute vor allem als Annes Schwester erinnert. Ihr eigenes Tagebuch ging verloren, daher können wir nur spekulieren, ob sie ebenso berühmt geworden wäre wie Anne.
Margot starb, weil sie Jüdin war. Ihr Schicksal und das ihrer Schwester mahnen uns, die Gefahren von Diskriminierung, Rassismus und Hass nicht zu unterschätzen. Der Holocaust darf niemals vergessen werden.